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X-Jendā (jap. Xジェンダー, Xjendā, auch X-Gender) ist ein japanischer Begriff zur Bezeichnung einer Geschlechteridentität außerhalb der Mann-Frau-Dichotomie. Er bezeichnet nicht notwendigerweise ein eigenständiges drittes Geschlecht, sondern umfasst mehrere Arten von Identitäten, die beispielsweise mehrere oder auch keine Geschlechtermerkmale besitzen können.

Begriff

Der Term X-Jendā setzt sich zusammen aus X, das in diesem Fall Unbestimmtheit bedeutet, sowie jendā, der japanischen Variante des Wortes Gender. Letzteres wird in Japan entsprechend der Bedeutung im Englischen benutzt, das Kompositum ist jedoch in Japan selbst entstanden und daher außerhalb dessen praktisch unbekannt. Die Begriffe Transgender und Queer wiederum finden in Japan kaum Verwendung. Als Ursprung des Begriffes wird Kansai angenommen, wo eine Gruppierung namens G-Front Kansai das Magazin Poco a poco veröffentlicht. In einer Ausgabe im Jahr 2000 enthielt dieses Artikel über Personen, die in der Kategorie X-Jendā einzuordnen wären; der Term selbst taucht allerdings erst im Glossar auf. Durch eines der Gründungsmitglieder der Gruppe, das an weiteren Interviews und Dokumentationen teilnahm, wurde der Begriff weiter etabliert. In der Folge fand er durch Verwendung im Internet (bspw. über Twitter, Blogs oder 2channel) sowie gesteigerte Wahrnehmung des Gender-Diskurses in der Öffentlichkeit zunehmende Verbreitung.

Einordnung

X-Jendā gilt als Teil des Transgender-Diskurses und wird häufig als Geschlechtsidentitätsstörung (jap. 性同一性障害, seidōitsuseishōgai) betrachtet. Obwohl der Begriff recht neu ist, sind nicht-heteronormative Geschlechteridentitäten in Japan (bspw. okama oder onabe) sowie außerhalb davon (bspw. Hijra, Two-Spirit oder Kathoey) bereits seit längerer Zeit bekannt. Da mit X-Jendā verschiedenste Geschlechteridentitäten zusammengefasst werden, lässt sich keine klare Definition dieser Kategorie (im Sinne eines konkreten Geschlechts) geben, üblich sind aber folgende Unterkategorien:

  • Ryōsei (両性): Personen mit Merkmalen beider traditioneller Geschlechter.
  • Chūsei (中性): Personen mit einer Geschlechteridentität jenseits von Mann oder Frau ("drittes Geschlecht").
  • Musei (無性): Personen, die keine Geschlechtermerkmale besitzen oder anerkennen und daher eine Kategorisierung ablehnen.

Das in all diesen Begriffen verwendete sei (性) bedeutet zwar "Geschlecht", bezieht sich dabei aber sowohl auf körperliche wie Identitäts-Merkmale.

Während Begriffe wie Transgender oder Geschlechtsidentitätsstörung zwar einen Wechsel zwischen den Geschlechtern Frau und Mann erlauben, dabei aber wiederum die Heteronormativität durchzusetzen versuchen, bietet X-Jendā zunächst eine Möglichkeit der Geschlechterzuordnung außerhalb der bisherigen Kategorien. Eine Aufhebung dieser wird allerdings auch durch diesen Begriff nicht impliziert, stattdessen findet eine Einordnung in eine neue Kategorie statt.

Quellen

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