FANDOM


Die Redewendung wie ein Phönix aus der Asche wird heute zumeist genutzt, um einen Neuanfang nach einer großen Niederlage zu beschreiben. Sie fußt auf der mythologischen Geschichte des Phönix, findet auch Entsprechungen in der Mythologie vieler Völker. Allen Beschreibungen gemeinsam sind die Kräfte mythologischer Vögel. Sie steht in ihrer Bedeutung für Auferstehung, Barmherzigkeit, Unsterblichkeit, Tugend, Freiheit, Selbsterkenntnis, Wahrheit, Kraft, Wissen über den Tod und das ewige Leben.

Heutiges Verständnis

Ihre heutige Bedeutung wird oft gleichgesetzt mit dem Aufstehen nach einer großen Niederlage oder auch nach einem vollkommenen Zusammenbruch, dies unversehrt und in der bereits zuvor vorhandenen Würde und Pracht.[1] Sie wird auch gedeutet, als etwas, was man zurückbekommt, nachdem man es bereits für verloren gehalten hat. Auch als Reinigung von Altlasten, die ein wieder Erstarken ermöglicht, wird die Redewendung verstanden.[2]

Bekannte, moderne Beispiele für die Verwendung der Redewendung finden sich vielfältig in der Wirtschaft. Oft werden Unternehmen mit dieser Redewendung bezeichnet, die nach einer Krise, einen erneuten wirtschaftlichen Erfolg aufweisen konnten. Wie es nach dem Umbruch bedingt durch die deutsche Wiedervereinigung die Firmen Rotkäpchen, oder Glashütter Uhrenbetrieb betraf. Auch der Automobilhersteller Porsche, der in den 1990er Jahren in einer tiefen Krise steckte, wurde nach erneutem wirtschaftlichen Erfolg, mit der Redewendung umschrieben.[3] Auch soll die Redewendung zu einem Sinneswandel anregen, nicht die Niederlage ist wesentlich, sondern der Neubeginn. Hier steht die Redewendung für Aus einer Niederlage einen Sieg machen.[4] Zudem gibt es Anleitungen, wie aus einer Krise ein Erfolg werden kann.

Frühe Deutungen

Die Fähigkeit des mythologischen Vogels Phönix, aus der Asche neu zu entstehen, steht als Symbol für die Auferstehung[1], die zu den Vorstellungen verschiedener Religionen, besonders der drei monotheistischen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam gehört.

Der Phönix gilt als Wundervogel mit langer Lebensdauer. Plinius beschreibt den Phönix als Vogel, so groß wie ein Adler, goldglänzend um den Hals, ansonsten mit einem purpunen Gefieder, einem blauen mit rosafarbenen Federn versehenen Schwanz, Kamm am Hals und Federbusch auf dem Kopf. Er würde 540 Jahre leben und sich im Alter ein Nest aus Weihrauch bauen und dieses mit Rauchwerk füllen und dort sterben. Aus den Resten entstünde ein Wurm, aus dem ein verjüngter Phönix wächst.[5] Als Heimat des Vogel Phönix gelten Arabien, Äthiopien oder Indien. Die Überreste seines Nestes würde er nach Heliopolis bringen. Der Mythos von Tod und Wiedergeburt machte den Phönix zu einem christlichen Symbol, welches Einzug in die religiösen Dichtungen des Mittelalters fand.[1][2]

Der Zyklus der Erneuerung wird in unterschiedlichen Quellen auf eine Zeitspanne von 500, aber auch 1000 Jahre angegeben.[1] Mit Tertullian fand die Legende um die Auferstehung bereits im 2. bis 3. Jahrhundert Eingang in frühchristliche Schriften, im Kapitel 13 widmet er sich mit dem Bild des Phönix der Auferstehung.[6]

Frühe Christliche Darstellungen des Phönix finden sich unter anderem im bekannten Mosaik aus dem 9. Jahrhundert der Kirche Santa Prassede in Rom. Der Phönix sitzt auf der linken Palme.[7] Im Millstätter Physiologicus, einer um 1200 entstandenen Handschrift, ist der Phönix ein Symbol der Auferstehung Jesu Christi.[1] Auch im Bestiarium von Aberdeen wird der Phönix gezeigt, wie er der Asche entsteigt.

Die Asche

Ein Aspekt der Wiedergeburt wird auch in der Bedeutung von Asche gesehen. Aschen sind feste Rückstände, die bei der Verbrennung organischen Materials zurückbleiben, also bei der Verbrennung von Lebewesen wie Pflanzen, Tieren und Menschen. Sie entsteht aus dem anorganischen Teil der verbrannten Substanz und besteht somit aus Mineralstoffen. In der Landwirtschaft dient Asche als Dünger. Einige Pflanzen benötigen Feuer und Asche zur Vermehrung. Damit sich die Zapfen des Riesenmammutbaumes öffnen, muss zunächst ein Waldbrand gewütet haben, denn die Samen benötigen die nährstoffreiche Ascheschicht um zu keimen.

Asche wird in vielen Religionen als Bestandteil des Kreislaufes des Lebens angesehen.[8]

In der christlichen Religion wird am Aschermittwoch gläubigen Christen mit Asche ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet. Die Asche dient als ein Symbol für die Vergänglichkeit und als Zeichen für Buße und Reue. Asche findet auch Verwendung als Reinigungsmittel und ist deshalb ein Symbol für die Reinigung der Seele.[9]

Im Hinduismus werden der Asche heilende und reinigende Kräfte zugeschrieben und sie gilt als heilig.[10]

Mythologische Ursprünge

In der Mythologie vieler Völker gibt es Geschichten, die sich um einen Vogel ranken, der für Fortpflanzung, Wiedergeburt, Kraft, Unsterblichkeit, Wahrheit und Freiheit steht.[11]

In der ägyptischen Mythologie wird er durch Bnw,[12] dem altägyptischen Totengott in der Gestalt eines menschengroßen Reihers mit zwei langen Hinterkopffedern und golden-rotem oder vierfarbigem Gefieder vertreten. Dieser kehrte in bestimmten Zeitabständen nach Heliopolis zurück, baute sich ein Nest aus Myrrhe und verbrannte bei Sonnenaufgang in der Glut der Morgenröte. Aus seiner Asche stieg er sodann verjüngt auf und flog empor in den Himmel. Dies sollte alle 500 oder 1461 Jahre geschehen.

Eine ähnliche Entsprechung hat er in der asiatischen Mythologie als Fenghuang, bei dem Feng für das männliche und Huan für das weibliche steht. Auch Fenghuang wird mit dem Feuer in Verbindung gebracht, jedoch handelt es sich um ein anderes Fabeltier, dessen Fortpflanzung gewöhnlicher Vögel ähnelt. Fenghuang steht für Barmherzigkeit und steht als Schutzsymbol im Süden des chinesischen Kaiserpalastes. Die Farben seines Gefieders stehen mit dem Grün des Kopfes für Güte, dem Weiß des Halses für Gerechtigkeit, dem Rot des Rückens für Anstand, dem Schwarz der Brust für Weisheit und dem Gelb der Füße für Treue und Glaubwürdigkeit. Er steht für die Einheit von Yin und Yang.[13]

In der persischen und iranischen Mythologie gilt Simorgh auch Simurgh als König der Vögel und Schutzvogel. Erwähnung findet er auch im Avesta. Sein Nest soll sich hinter dem Kūh-e Qāf (persisch ‏كوه قاف‎), dem Zielort von Wahrheit und Selbsterkenntnis, befinden. Simorgh werden übernatürliche Kräfte zugeschrieben. So verteilt Simorgh mit seinen mächtigen Flügeln die Samen des Simorgh-Baum über die Erde. In ihm hat Simorgh sein Nest. In seiner Nähe wächst die Gaokerena–Pflanze, die für die Auferstehung und die Überwindung des Todes steht.[14]

Nahezu alle indigenen Völker kennen einen Donnervogel. Er hat dort unterschiedliche Erscheinungsformen, kann die Form eines Raben, eines Adlers oder eines Truthahns haben. In der Sprache der Lakota heißt dieses Fabelwesen „Wakinyan“, was so viel wie „heilige Schwingen“ bedeutet. Die Aufgabe des Donnervogels ist es, die Erde zu reinigen; dazu nutzt er die Kräfte des Windes, Wassers und Blitzes. Er schenkt allen Pflanzen und allen Atmenden Nahrung.[15]

Weblinks

Commons-logo.svg <Lang> Commons: Phönix – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4  Rudolf Köster: Eigennamen im deutschen Wortschatz: Ein Lexikon. Walter de Gruyter, 2012, ISBN 978-3-11-089620-6, S. 139 (books.google.de).
  2. 2,0 2,1 wie Phönix aus der Asche. In: redensarten-index.de. www.redensarten-index.de, abgerufen am 30. November 2019.
  3.  Klaus Schmeh: Das trojanische Pferd: klassische Mythen erklärt. Haufe, 2007, ISBN 978-3-448-08055-1, S. 64 (books.google.de).
  4.  Roland Leonhardt: Des Pudels Kern: Sprichwörter erklärt. Haufe-Lexware, 2006, ISBN 978-3-448-07524-3, S. 15 (books.google.de).
  5.  the Elder Pliny, Georg Christian Wittstein, Tippmann Collection (North Carolina State University), NCSU Libraries: Die Natugeschichte des Cajus Plinius Secundus : ins Deutsche übersetzt und mit Anmerkungen versehen. Leipzig : Gressner & Schramm, 1881.
  6. Tertullian : Über die Auferstehung des Fleisches. (De resurrectione carnis). In: tertullian.org. Abgerufen am 1. Dezember 2019.
  7. Wie Phönix aus der Asche. In: sendbote.com. 2016, abgerufen am 1. Dezember 2019.
  8. REMID e.V: Informationsplattform Religion: Tod, Bestattung und Wiedergeburt im Buddhismus – REMID – Religionswissenschaftlicher Medien- und Informationsdienst e.V. In: remid.de. Abgerufen am 1. Dezember 2019 (Skriptfehler).
  9. Passionszeit - von der Asche zum Feuer auf der Seite Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Holzkirchen (PDF), abgerufen am 2. Dezember 2019
  10.  hinduismus fur alle (german). GIRI Trading Agency Private, ISBN 978-81-7950-403-1, S. 92 (books.google.de).
  11.  Lothar Krienitz: Die Nachfahren des Feuervogels Phönix. Springer-Verlag, 2018, ISBN 978-3-662-56586-5, S. 41 ("Phoenix books.google.de).
  12. Phönix. In: bibelwissenschaft.de. Abgerufen am 1. Dezember 2019.
  13. Fenghuang – Chinese mythology. In: britannica.com. Encyclopedia Britannica, abgerufen am 1. Dezember 2019 (Skriptfehler).
  14. SIMORḠ – Encyclopaedia Iranica. In: iranicaonline.org. Abgerufen am 1. Dezember 2019.
  15. Thunderbird Memorabilia. In: tbird.org. Abgerufen am 1. Dezember 2019.
Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA , sofern nicht anders angegeben.