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Weltkrieg der, [erstmals 1814 von F. L. Jahn mit Bezug auf die Befreiungskriege gebraucht], Krieg, an dem viele Völker und Staaten der Erde, besonders die Großmächte, beteiligt sind.

Erster Weltkrieg 1914 bis 1918

Vorgeschichte

Verschiedenartige Ursachen waren für den Kriegsausbruch verantwortlich. Die Expansionspolitik der rivalisierenden europäischen Großmächte seit etwa 1860 führte zu Interessenkollisionen in Übersee. Französische Revanchebestrebungen für die Niederlage von 1870/71, der deutsch-englische Konkurrenzkampf im Welthandel, der forcierte deutsche Flottenbau, das Streben Russlands nach den Meerengen sowie die panslawistische Bewegung auf dem Balkan waren weitere Faktoren. Zum äußeren Anlass geriet schließlich die Ermordung des österreichisch-ungarischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand durch serbische Nationalisten am 28. 6. 1914 in Sarajevo. Österreich-Ungarn verlangte am 23. 7. in einem Ultimatum von Serbien faktisch die Aufgabe seiner politischen Eigenständigkeit. Am 28.7. folgte die Kriegserklärung. Die Verflechtungen im europäischen Bündnissystem veranlassten Deutschland, die Partei Österreich-Ungarns zu ergreifen und Russland (1. 8.) und Frankreich (3. 8.) den Krieg zu erklären. Nach dem deutschen Einmarsch in Belgien (4. 8.) trat Großbritannien auf der Seite Russlands und Frankreichs in den Krieg ein.

Der Kriegsverlauf bis Ende 1916

Die deutsche OHL (Oberste Heeresleitung) wollte gemäß dem Schlieffen-Plan vorerst unter Defensive im Osten mit der Masse des Heers die Entscheidung im Westen suchen und hierzu durch weiträumiges Ausgreifen des starken rechten Flügels das französische Heer gegen die Schweiz drängen. Die deutschen Angriffskräfte überschritten Anfang September die Marne, zogen sich jedoch nach britisch-französischen Gegenangriffen (»Marneschlacht«, 5. bis 9. 9. 1914) hinter die Aisne zurück. Nach gegenseitigen Umfassungsversuchen in Nordostfrankreich und Flandern erstarrte die Front schließlich im Stellungskrieg.

In Ostpreußen vereitelte die deutsche 8. Armee unter v. Hindenburg (Stabschef E. Ludendorff) bei Tannenberg (26. bis 31. 8. 1914) und an den Masurischen Seen (6. bis 14. 9.) ein russisches Vordringen. Das in Galizien aufmarschierte österreichisch-ungarische Heer musste nach Anfangserfolgen in Südpolen vor der russischen Übermacht im September in die Karpaten zurückweichen. Zu seiner Unterstützung im Oktober von Oberschlesien bis südlich Warschau vorgestoßene deutsche Kräfte sahen sich durch drohende Umfassung zum Rückzug genötigt. Eine neue deutsche Offensive von Nordwesten im November führte wiederum nicht zu vollem Erfolg. Im Dezember kam es auch an der Ostfront zum Stellungskrieg. In Serbien eroberten die Österreicher am 2. 12. 1914 Belgrad, serbische Gegenangriffe zwangen sie aber bald wieder zur Räumung Serbiens.

In der Champagne und im Artois versuchten die Alliierten im Frühjahr und Herbst 1915 vergeblich, die deutsche Westfront zu durchbrechen. Im Osten brachte der am 2. 5. 1915 begonnene Angriff Mackensens bei Gorlice-Tarnów die russische Front in Galizien zum Einsturz und führte zu weitem Raumgewinn an der Ostfront. Italien, anfangs neutral, erklärte am 23. 5. 1915 Österreich-Ungarn den Krieg und suchte vergeblich, die österreichisch-ungarische Isonzofront zu durchbrechen. Die Türkei, seit Oktober 1914 an der Seite der Mittelmächte im Krieg, wehrte seit März 1915 an den Dardanellen britisch-französische See- und Landangriffe ab. Um Landverbindung mit der Türkei zu bekommen, warfen die Mittelmächte mit bulgarischer Hilfe im Herbst 1915 Serbien nieder, Montenegro und Albanien wurden Anfang 1916 von österreichisch-ungarischen Truppen besetzt.

Das Jahr 1916 stand besonders im Zeichen der Schlachten um Verdun (Februar bis Dezember) und an der Somme (Juni bis November). Im Osten brachte die Brussilow-Offensive (ab 4. 6. 1916) den Russen nochmals beträchtlichen Geländegewinn. Die Rumänen wurden nach ihrer Kriegserklärung an Österreich-Ungarn (27. 8.) geschlagen und aus der Walachei (Besetzung Bukarests 6. 12.) bis hinter den Sereth zurückgeworfen. Ein deutsches Friedensangebot vom 12.12. wurde von der Entente abgelehnt, auch eine amerikanische Friedensnote vom 18.12. blieb wirkungslos.

Der Kriegsverlauf bis zum Waffenstillstand

Im Westen verblieb das deutsche Heer 1917 in der Defensive und wehrte mehrere französische und britische Großangriffe ab. Im Osten führten der Ausbruch der Revolution in Russland (März 1917) und Siege der Mittelmächte (Eroberung Ostgaliziens im Juli, der baltischen Inseln im Oktober) zum Zusammenbruch des russischen Heers. Die im November 1917 zur Macht gelangten Bolschewiki schlossen am 15. 12. Waffenstillstand, aber erst nach erneutem deutschen Vormarsch am 3. 3. 1918 den Frieden von Brest-Litowsk. Ein zur Entlastung der Isonzofront am 24. 10. 1917 bei Flitsch-Tolmein begonnener deutsch-österreichischer Angriff warf die Italiener hinter die Piave zurück. Auf dem vorderasiatischen Kriegsschauplatz gerieten die Türken immer stärker in Bedrängnis. Im März 1917 verloren sie Bagdad, am 9. 12. Jerusalem an die Briten. Der seit 1. 2. 1917 von Deutschland praktizierte uneingeschränkte U-Boot-Krieg führte zur Kriegserklärung der USA am 6. 4.

Die letzten großen deutschen Offensiven im Westen im Frühjahr 1918 führten nicht zur Entscheidung. Die am 18. 7. 1918 an der gesamten Westfront einsetzende alliierte Gegenoffensive drängte das deutsche Westheer bis Anfang November in die Antwerpen-Maas-Stellung zurück. Inzwischen hatten Bulgarien in Makedonien, die Türkei in Palästina und Österreich-Ungarn an der Piave schwere Niederlagen erlitten und am 29. 9., 31. 10. und 3. 11. 1918 Waffenstillstand mit der Entente geschlossen. Aus Meutereien bei der deutschen Hochseeflotte entwickelte sich eine Revolution, die am 9. 11. 1918 in Berlin zur Ausrufung der Republik führte. Gemäß dem am 11. 11. 1918 im Wald von Compiègne geschlossenen Waffenstillstand wurden die besetzten Gebiete und Elsass-Lothringen binnen 14, das linke Rheinufer binnen 30 Tagen von den deutschen Truppen geräumt, U-Boote und Waffen ausgeliefert, die Flotte in Scapa Flow interniert.

Das Ziel der deutschen Seekriegführung in der Nordsee, den Gegner durch U-Boote und Minen zu schwächen und dann zur Schlacht zu stellen, wurde wegen der Fernblockade der britischen Flotte nicht erreicht. Ein Vorstoß der Hochseeflotte führte am 31. 5. 1916 vor dem Skagerrak zum unentschiedenen Kampf mit der britischen Flotte. Der am 4. 2. 1915 eröffnete, seit 1. 2. 1917 uneingeschränkte U-Boot-Krieg gegen die feindliche Handelsschifffahrt brachte Großbritannien in eine gefährliche Lage, wirkte aber nicht kriegsentscheidend. Die dt. Kolonien (Schutzgebiete) erlagen rasch der feindlichen Übermacht, nur die Schutztruppe von Deutsch-Ostafrika unter v. Lettow-Vorbeck behauptete sich.

Seinen endgültigen Abschluss fand der Erste Weltkrieg durch die Friedensschlüsse von Versailles (mit dem Deutschen Reich 28. 6. 1919), Saint-Germain-en-Laye (mit Österreich 10. 9. 1919), Trianon (mit Ungarn 4. 6. 1920), Neuilly-sur-Seine (mit Bulgarien 27. 11. 1919) und Sèvres (mit der Türkei 10. 8. 1920). Die im Versailler Vertrag ausgesprochene deutsche Alleinschuld am Weltkrieg löste eine anhaltende Kriegsschulddiskussion aus.

Zweiter Weltkrieg 1939 bis 1945

Vorgeschichte

Seit die Weltwirtschaftskrise (1929 bis 33) die Schwächen der Mächte USA, Großbritannien und Frankreich, die die 1919/20 errichtete Ordnung faktisch garantierten, offenkundig werden ließ, strebten die im Ersten Weltkrieg besiegten oder bei der Friedensregelung benachteiligten Großmächte Dtl., Italien sowie Japan verstärkt eine Revision der Ordnung von 1919/20 an. Dtl. unter A. Hitler beabsichtigte nach Ausschöpfung aller »friedlichen« Möglichkeiten die militärische Ausschaltung Frankreichs und die Eroberung des europäischen Russland (»Lebensraum im Osten«). Nach der Errichtung einer kontinentalimperialen Basis war hinsichtlich einer für später erwarteten Auseinandersetzung mit den USA der Ausbau zu einer Weltmachtstellung mit Kolonien in Afrika, einer starken Flotte und Stützpunkten im Atlantik vorgesehen. Das faschistische Italien strebte auf Kosten Großbritanniens und Frankreichs ein Mittelmeerimperium an. Japan suchte die Hegemonialmacht in einem China, Südostasien und die westpazifischen Inseln umfassenden »Großraum« zu werden. Mit der Zerschlagung der Tschechoslowakei verließ die deutsche Politik den nationalen Rahmen endgültig. Durch die Garantie der Unabhängigkeit Polens (31. 3. 1939) suchte Großbritannien das europäische Gleichgewicht zu erhalten. Die Bemühungen, die Garantieerklärung durch eine Einbeziehung der UdSSR wirksamer zu gestalten, scheiterten an deren Forderungen bezüglich der baltischen Staaten. Nach parallel hierzu geführten deutsch-sowjetischen Geheimverhandlungen kam es am 23. 8. 1939 zum Abschluss des Hitler-Stalin-Pakts mit geheimem Zusatzabkommen. Großbritannien hatte sich am 25. 8. in einem Bündnis gegenüber Polen festgelegt, sodass es nach Hitlers Angriff auf Polen (1. 9. 1939) mit Frankreich am 3. 9. 1939 Deutschland den Krieg erklärte.

Der Kriegsverlauf bis Mai 1941

In einem vierwöchigen Feldzug eroberte die deutsche Wehrmacht West- und Zentralpolen (hier wie auch in anderen besetzten Gebieten Ermordung der jüdischen Bevölkerung durch Einsatzgruppen der SS, Errichtung von Gettos, später von Vernichtungslagern). Am 17. 9. 1939 rückte die sowjetische Armee in Ostpolen ein. Die Absicht der Westmächte, in den Finnisch-Sowjetischen Winterkrieg (30. 11. 1939 bis 12. 3. 1940) über Norwegen/Nordschweden einzugreifen, veranlasste deutsche Planungen, dem durch eine Besetzung Norwegens zuvorzukommen. Trotz Abschluss des finnisch-sowjetischen Friedens (12. 3. 1940), bei dem Finnland unter Gebietsverlusten seine Selbstständigkeit wahren konnte, wurde diese Absicht am 9.4.1940 mit der Besetzung Dänemarks und Norwegens verwirklicht.

Am 10. 5. 1940 begann unter Verletzung der Neutralität Belgiens, der Niederlande und Luxemburgs der Feldzug im Westen. Nach dem Vorstoß über die Maas bei Sedan zur Kanalküste und der Kapitulation des belgischen Heers wurden das britische Expeditionskorps und französische Kräfte in Dünkirchen zusammengedrängt, konnten von dort aber evakuiert werden. Nach Fortsetzung der deutschen Offensive nach Innerfrankreich hinein (Besetzung von Paris am 14. 6. 1940) und nach dem Kriegseintritt Italiens am 10. 6. 1940 fand sich die neue französische Regierung (Marschall P. Pétain) zum Waffenstillstand bereit (22. 6. 1940 in Compiègne). Von London aus rief General C.de Gaulle (18. 6. 1940) zur Fortsetzung des Kriegs durch das »Freie Frankreich« auf. Der von Hitler angestrebte Ausgleich mit Großbritannien kam nicht zustande. Mit Hilfszusagen des amerikanischen Präsidenten F. D. Roosevelt setzte Großbritannien den Kampf fort. Deutsche Anstrengungen, durch Vorbereitungen einer Landung auf der britischen Insel und durch eine Luftoffensive (Höhepunkt August bis November 1940) Großbritannien zum Einlenken zu bewegen, scheiterten. Hitler entschloss sich nun, trotz Fortdauer des Kriegs im Westen den Eroberungszug nach Osten gegen die UdSSR zu führen und danach in den Nahen Osten sowie nach Nordafrika vorzudringen, während Japan nach Singapur vorstieß und Indien von Osten bedrohte, um die gesamte östliche Hemisphäre gegenüber den USA abzusichern. Das Scheitern des italienischen Angriffs auf Griechenland (ab 28. 10. 1940) zwang zur Vorbereitung einer deutschen Entlastungsoperation auf dem Balkan. Schon im Sommer 1940 hatten das sowjetische Ultimatum an Rumänien zur Abtretung der Nordbukowina und Bessarabiens und die Revisionsansprüche Ungarns und Bulgariens gegenüber Rumänien zu einem deutschen Engagement in Südosteuropa geführt (2. Wiener Schiedsspruch 30. 8. 1940: Abtretung Nordsiebenbürgens an Ungarn; Garantie Rest-Rumäniens durch Deutschland und Italien). Die Niederlage der italienischen Armee in Nordafrika im Dezember 1940 führte darüber hinaus Anfang 1941 zur Entsendung deutscher Luftwaffen- und Heeresverbände nach Italien und Libyen (Afrikakorps unter E.Rommel). Vom 6. 4. 1941 an wurden Griechenland und Jugoslawien, das nach dem Putsch antideutsche Kräfte in Belgrad (27. 3. 1941) in die Angriffsplanung einbezogen worden war, von deutschen Truppen besetzt, vom 20. 5. bis 1. 6. 1941 auch die Insel Kreta. Deutsche Truppen drangen in Nordafrika im April 1941 von der Großen Syrte bis zur libysch-ägyptischen Grenze vor, konnten jedoch Tobruk nicht sofort einnehmen.

Japan, das am 13. 4. 1941 einen Neutralitätsvertrag mit der UdSSR geschlossen hatte, setzte die im September 1940 mit der Besetzung Nordindochinas begonnene Südexpansion mit dem Vorstoß nach Südindochina fort. Die USA vervielfachten mit dem »Leih-Pacht-Gesetz« vom 11.3.1941 ihre Unterstützung für Großbritannien.

Ausweitung zum Weltkrieg und Kriegswende (Juni 1941 bis Mai 1944)

Dem deutschen Angriff auf die UdSSR (22. 6. 1941) schlossen sich Rumänien, Italien, Finnland und Ungarn an. In Grenzschlachten sollte das Gros der Roten Armee rasch ausgeschaltet werden, ehe die sowjetische Führung die auf 10 bis 12 Mio. Mann geschätzten Reserven mobilisieren konnte. Danach sollten die deutschen Truppen in die Tiefe des russischen Raums bis Archangelsk-Astrachan vorstoßen. Es gelang, in mehreren Kesseln, u. a. östlich von Kiew und im Raum Wjasma-Brjansk, rund 3,5 Mio. sowjetische Soldaten gefangen zu nehmen, doch konnte die sowjetische Führung einen Zusammenbruch der Anfang Dezember 1941 bis auf die Linie LeningradMoskauRostow zurückgedrängten russischen Front verhindern. Am 6. 12. 1941 begann im Raum Moskau die sowjetische Gegenoffensive, die im Winter die ersten großen Rückschläge für die Wehrmacht mit sich brachte. Die brutale deutsche Besatzungspolitik verschaffte der Partisanenbewegung im besetzten Teil der UdSSR seit Herbst 1941 wachsenden Zulauf. Auch im übrigen von deutschen Truppen besetzten Europa gewannen Widerstandsbewegungen an Bedeutung (u. a. in Jugoslawien, Polen, Frankreich). Am 14.8.1941 verkündeten F. D. Roosevelt und W. Churchill die Atlantikcharta, in der eine zukünftige Weltordnung skizziert wurde.

Japanisch-amerikanische Verhandlungen im Sommer 1941 erreichten am 26. 7. 1941 ihren toten Punkt, nachdem die amerikanische Regierung die japanische Besetzung Südindochinas mit einem Ölembargo beantwortet hatte. Japan entschied sich zur Eroberung der südostasiatischen Rohstoffgebiete, eingeleitet durch einen Überraschungsschlag gegen die amerikanische Pazifikflotte in Pearl Harbor (7. 12. 1941). Hitler und Mussolini erklärten am 11. 12. 1941 den USA den Krieg. Damit wuchsen der europäische und der ostasiatisch-pazifische Krieg zusammen. Ziel der Japaner war es, nach der Eroberung Singapurs (15. 2. 1942), der Philippinen, Niederländisch-Indiens und Birmas sowie von Inselgruppen im Westpazifik zur Defensive überzugehen und die erwarteten Gegenoffensiven der Amerikaner und Briten abzuwehren, um mit ihnen zu einem Remisfrieden zu kommen. In der See-Luft-Schlacht bei den Midwayinseln (3. bis 7. 6. 1942) zeigte sich aber, dass die USA trotz anfänglicher Niederlagen ihre Überlegenheit gewahrt hatten. Mit der Landung auf Guadalcanal (7. 8. 1942) ergriffen sie die Initiative (Beginn des »Inselspringens«).

Als Ziel für 1942 hatte Hitler die Eroberung der Ölfördergebiete im Kaukasus festgelegt. Eine Offensive der Armee unter Rommel in Nordafrika in Richtung Suezkanal war als Nebenoperation gedacht. Der U-Boot-Krieg gegen die britischen Verbindungen im Atlantik erreichte seinen Höhepunkt. Die Offensive im Südabschnitt der Ostfront begann Ende Juni 1942 und blieb Anfang September in Stalingrad sowie am Nordrand des Kaukasus stecken. Die Offensive Rommels kam nach der Eroberung Tobruks am 30. 6. 1942 an der El-Alamein-Linie westlich von Alexandria zum Stehen.

Stalins Forderung nach Errichtung einer »zweiten Front« 1942 wurde von den Westalliierten unter Hinweis auf das Transportproblem und das globale Ausmaß des Kriegs zunächst auf 1943 verwiesen. Stattdessen wurde als Vorbereitung für eine Invasion in Westeuropa die Eroberung Nordafrikas und die Ausschaltung Italiens beschlossen. Der Beginn der britischen Offensive gegen die Armee Rommels bei El-Alamein (23. 10. 1942) und die amerikanisch-britische Landung in Marokko und Algerien (7./8. 11. 1942) leiteten die Wende auf dem afrikanischen Kriegsschauplatz ein. Die Errichtung eines deutschen Brückenkopfes in Tunesien (ab November 1942) hatte nur aufschiebende Wirkung. Die seit Frühjahr 1942 laufende britische Bomberoffensive gegen deutschen Städte wurde ab Januar 1943 durch den Einsatz amerikanischer Bomberverbände ergänzt. Am 24. 1. 1943 verkündeten Roosevelt und Churchill auf der Konferenz von Casablanca als Kriegsziel die »bedingungslose Kapitulation« Deutschlands, Italiens und Japans. Nach Vernichtung der 6. deutschen Armee im Raum Stalingrad Anfang 1943 und Abwehr der letzten deutschen Offensive im Raum Kursk (Juli 1943) trat die Rote Armee zur Gegenoffensive an und eroberte bis Frühjahr 1944 weite Gebiete zurück. Nach der Okkupation Tunesiens (Mai 1943) landeten die Alliierten auf Sizilien (10. 7. 1943) und besetzten nach der Kapitulation Italiens (Bekanntgabe am 8. 9. 1943) bis Oktober 1943 Süditalien.

Auf der Konferenz von Teheran (28. 11. bis 1. 12. 1943) einigten sich Roosevelt, Churchill und Stalin über die gemeinsame Niederwerfung Deutschlands, die Verschiebung Polens nach Westen bis zur Oder und die Anerkennung Titos als alliierten Partner in Jugoslawien.

Das Kriegsende in Europa

Von Mitte 1944 an engte sich der Raum der von Deutschland beherrschten improvisierten »Festung Europa« schnell ein. Am 4. 6. 1944 mussten die deutschen Truppen Rom aufgeben. Am 6. 6. 1944 begann die alliierte Großinvasion in der Normandie; ab 22. 6. 1944 zerschlug die Rote Armee die deutsche Heeresgruppe Mitte und drang bis an die ostpreußische Grenze und an die Weichsel vor. Der Versuch der deutschen ↑Widerstandsbewegung, durch ein Attentat auf Hitler das nationalsozialistische Regierungssystem zu beseitigen, scheiterte am 20. 7. 1944. Am 31. 7. 1944 durchbrachen die Alliierten die Front in der Normandie und drangen in wenigen Monaten bis zur deutschen Westgrenze vor. Hitlers Versuch, durch die Ardennenoffensive (ab 16. 12. 1944) im Westen eine Wende herbeizuführen, scheiterte. Am 12. 1. 1945 begann die Rote Armee zwischen der Ostsee und den Karpaten eine Großoffensive, die sie bis Februar 1945 an die Oder brachte.

Auf der Konferenz von Jalta (4. bis 11. 2. 1945) einigten sich Roosevelt, Churchill und Stalin v. a. über ihre Deutschland- und Polen-Politik.

Zwischen Anfang Februar und Ende April 1945 besetzten die Westalliierten den Westen Deutschlands bis zur Elbe, am 16. 4. 1945 begann die Rote Armee ihre Schlussoffensive. Nachdem Hitler am 30. 4. 1945 in Berlin Selbstmord verübt hatte, übernahm Großadmiral K.Dönitz die Regierungsverantwortung. Er ließ am 7. 5. in Reims und am 8./9. 5. in Berlin die Kapitulation der deutschen Wehrmacht unterzeichnen. Seine Regierung wurde am 23. 5. 1945 in Flensburg verhaftet.

Am 17. 7. 1945 kamen die Siegerstaaten zur Dreimächtekonferenz in Potsdam zusammen und schlossen am 2. 8. das Potsdamer Abkommen.

Der Krieg im Pazifik 1942 bis 45

Die Amerikaner drangen im Zuge ihres »Inselspringens« von Osten nach Westen vor, die Briten von Indien aus nach Birma. Das japanische Heer eroberte in einer Sommeroffensive 1944 weite Teile Chinas und suchte eine dauerhafte Landverbindung nach Indochina herzustellen. Am 5. 4. 1945 kündigte die UdSSR den Neutralitätspakt mit Japan. In Jalta hatte Stalin den Kriegseintritt gegen Japan spätestens 3 Monate nach Kriegsende in Europa zugesagt. Am 6.8. wurde die erste amerikanische Atombombe auf Hiroshima geworfen, am 9. 8. 1945 die zweite auf Nagasaki. Am 8. 8. 1945 erklärte die UdSSR Japan den Krieg. Die sowjetische Fernostarmee drang in die Mandschurei und in N-Korea ein. Sie setzte ihren Vormarsch auch fort, als Kaiser Hirohito am 15. 8. 1945 die Kapitulation Japans verkündete (am 2. 9. 1945 unterzeichnet). Die Kolonialmächte kehrten nach Südostasien zurück, gerieten jedoch in Konflikt mit den Unabhängigkeitsbewegungen in den Ländern, die im Augenblick der japanischen Kapitulation ihre Selbstständigkeit proklamiert hatten. Große Teile Nordchinas wurden von den Truppen Mao Zedongs eingenommen.

Bilanz und Folgen des Zweiten Weltkriegs

Der Zweite Weltkrieg forderte nach Schätzungen zw. 55 u. 62 Mio. Tote; davon entfielen allein auf die UdSSR etwa 27 Mio., auf Dtl. 5,25 Mio., Polen 4,56 Mio., Jugoslawien etwa 1 Mio., Japan 1,8 Mio. und China bis zu 10 Mio. Die USA hatten 292.000 Kriegstote, Großbritannien verlor 386.000, Frankreich 810.000, Italien 330.000, Rumänien 378.000, Ungarn 420.000, Finnland 84.000 Menschen. Der nationalsozialistische Holocaust kostete etwa 6 Mio. europäische Juden das Leben. Daneben bewirkte der Zweite Weltkrieg, dass viele Mio. Menschen aus ihrer Heimat flüchten mussten oder aus ihr vertrieben, deportiert oder als Zwangsarbeiter verschleppt wurden. Friedensverträge schlossen die Alliierten am 10. 2. 1947 mit Italien, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Finnland in Paris. 1955 kam der österreichische Staatsvertrag zustande. Die Westmächte beendeten 1951, die Sowjetunion 1955 den Kriegszustand mit Deutschland. Ein Friedensvertrag mit Japan wurde am 8. 9. 1951 von den USA u. a. Staaten in San Francisco abgeschlossen; die Sowjetunion erklärte den Kriegszustand mit Japan erst 1956 für beendet. Gegen verantwortliche deutsche und japanische Militärs sowie Politiker wurden 1945 bis 46 in Nürnberg und 1946 bis 48 in Tokio Kriegsverbrecherprozesse durchgeführt.

Im Ergebnis des Zweiten Weltkriegs schieden Deutschland, Japan und Italien aus dem System der politischen Großmächte aus, geschwächt waren aber auch die Positionen Großbritanniens und Frankreichs. Endgültig zur Weltmacht stiegen die USA auf, zu ihrem großen Kontrahenten wurde im Zeitalter des Kalten Kriegs die UdSSR, die die Staaten Ost- und Mitteleuropas unter ihre Hegemonie brachte. Um die USA und die Sowjetunion bildeten sich von Paktsystemen geprägte Machtblöcke. Deutschland blieb im Ergebnis des Zweiten Weltkriegs und des nachfolgenden Ost-West-Konflikts bis zu seiner Wiedervereinigung 1990 geteilt. Auch Korea wurde in zwei politisch gegensätzl. Staaten gespalten (1948 Entstehung der »Demokrat. Volksrep. Korea« im N und der »Rep. Korea« im S). In China übernahm nach einem Bürgerkrieg die KP die Macht (1949 Gründung der VR China); später entstanden weitere kommunist. Staaten in Südostasien.

In Westeuropa löste die politische Teilung des Kontinents verstärkte Bemühungen um wirtschaftliche, militärische und politische Zusammenarbeit aus (Europäische Einigungsbewegung). Mit dem Ziel der künftigen Wahrung des Weltfriedens und der Förderung internat. Zusammenarbeit entstanden 1945 die Vereinten Nationen.

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