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Als Volksheilige werden Personen bezeichnet, die zum einen als Heilige durch verschiedene Religionen anerkannt und im engen Bezug zur Volksfrömmigkeit und Volksnähe stehen. Zum anderen sind es Personen, welche ohne formale Prozeduren von ihren Mitmenschen als „Heilige“ verehrt werden.

Heiligenverehrung und Volksheilige

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Der Begriff Volksheiliger ist kein theologisch definierter, er ist offensichtlich auch nicht in der Religionswissenschaft verankert. Die Volksheiligen gelten als Vorbilder eines religiösen und geistlichen Lebens und entstehen aus dem Volke. Sie stehen somit im Zusammenhang mit Volksfrömmigkeit und Volksnähe. „Die Religionswissenschaft sieht in den Heiligen eine Verwässerung des strengen Monotheismus. Damit siegt das Bedürfnis des Volkes nach Ansprechpartnern auf weniger hoher als göttlicher Ebene [1].“ Die Heiligenverehrung und die Heiligenlegenden gingen aus dem altchristlichen Märtyrerkult hervor, seit dem 4. Jahrhundert reihte man neben die Märtyrer auch Äbte und Bischöfe als Heilige ein, die sich volksnah gaben und die vom Volk anerkannt wurden. Mitunter wurden diese Volksheiligen noch zu Lebzeiten als „Heilige“ verehrt. Diese besagte Volksnähe führte zugleich zu einer höheren Anzahl von Heiligen und da zuerst die Heiligsprechungen in der Macht der Ortsbischöfe lag, kam es ebenfalls zu einem überdeutlichen Anstieg von „Heiligwürdigen“. Mit den umfassenden Reglementierungen der päpstlichen Kanonisation durch die Päpste Urban VIII. (1623-1644) und Benedikt XIV. (1740-1758) und ihren Vorgängern konnte die Flut der Volksheiligen eingegrenzt werden.

Die Volksheiligen lassen sich in drei Gruppen aufteilen, zur ersten Gruppe gehören die geistlichen und religiösen Personen, die von den religiösen Autoritäten als Heilig anerkannt und benannt wurden. Die zweite Gruppe bildet die vom Volk oder den Gläubigen als Heilige verehrten Personen. Als dritte Gruppe ließen sich noch die säkularen Volksheiligen erwähnen, wobei Nelson Mandela (1918 – 2013) einer der führenden Persönlichkeiten wäre. Vielen Volksheiligen werden auch, nur für sie bestimmte, Volksfeste gewidmet, so finden zum Beispiel im Juni in ganz Portugal Feste zu Ehren der drei Volksheiligen (Santos Populares) Antonius, Johannes und Petrus statt. Manche Brauchtümer und Volksfeste beruhen auch auf den Legenden und Lebensläufen vor verherten Volksheiligen.

Beispiele bekannter Volksheiliger

Exemplarisch seien hier einige „Volksheilige“ angeführt bei denen man die verschiedenen Beweggründe, Charakteren und Brauchtumsarten erkennen kann:

  • Unter den bekanntesten Volksheiligen finden wir Nikolaus von Myra, er war im Osten schon seit dem 6. Jahrhundert bekannt, erst im 9. Jahrhundert fand sein Kult den Weg in den Westen. Das umfangreiche Brauchtum um den Volksheiligen erklärt sich aus den vielen Legenden um seine Person.[2].
  • Die junge as-Saiyida Nafīsa (760 – 825) ist eine vor allem in Ägypten verehrte Volksheilige des Volksislam. Täglich besuchte sie das Grab ihres Großvaters und war in Medina eine vom Volk geliebte junge Frau. Sie war besonders für ihr Fasten und ihre Frömmigkeit bekannt [3].
  • Bereits zu Lebzeiten wurde Hildegard von Bingen (um 1098-1179) verehrt. 1228 wurde ein erster Antrag auf Heiligsprechung gestellt, das Heiligsprechungsverfahren wurde von Papst Gregor IX. (1227–1241) eröffnet, aber nicht abgeschlossen. Die Heilige war jedoch im Martyrologium Romanum angeführt. 2012 wurde Hildegard im Zusammenhang mit ihrer Erhebung zur Kirchenlehrerin auf Anordnung von Papst Benedikt XVI. (2005-2013) in den römischen Generalkalender der Gesamtkirche aufgenommen [4].
  • Eine heilige Wilgefortis, bekannt auch als heilige Kümmernis, war eine legendarische Figur, die seit dem 15. Jahrhundert als Volksheilige verehrt wurde. Sie wurde von der Kirche nicht kanonisiert, aber vorübergehend mit Fest am 20. Juli in den kirchlichen Heiligenkalender aufgenommen. Im 20. Jahrhundert ist die Verehrung erloschen.[5]
  • Der als Pater Pio bekannte Italiener Pio von Pietrelcina (1887–1968) wurde lange vor seiner Heiligsprechung vom italienischen Volk verehrt. Er zeichnete sich durch seine Stigmata aus und galt als Heiler.
  • In den süd- und lateinamerikanischen Ländern besteht eine eigenständige und vermischte Volksheiligenkultur, die mit den nationalen Kulten in einer engen Beziehung stehen (vergleiche zum Beispiel den María-Lionza-Kult).
    • José Gregorio Hernández (1864–1919) war ein venezolanischer Mediziner und wird als Nationalheiliger Venezuelas verehrt. Schon kurz nach seinem Tod begann die Verehrung des „Doktors der Armen“, wie er in der Bevölkerung genannt wurde. Schnell verbreitete sich die Meinung, dass an seinem Grab Wunder vollbracht wurden. In Venezuela entwickelte er sich zu einem „Volksheiligen“.
    • Jesús Malverde († 3. Mai 1909) ist ein mexikanischer Volksheiliger, der als Schutzpatron der Drogenhändler verehrt wird. Er ist auch unter den Namen El Narcosanto und El Santo Bandido bekannt. Die römisch-katholische Kirche hat ihn nicht heiliggesprochen, da weder seine Existenz, noch ein ihm zurechenbares Wunder bewiesen seien .[6]
    • Gauchito Gil (um 1840 - 1878) ist ein in Argentinien sehr populärer Volksheiliger, der zwar von der katholischen Kirche nie anerkannt wurde, aber Bestandteil der Volksfrömmigkeit vieler Argentinier ist.
    • „Schaurig-schön sieht sie aus, die Schutzheilige der Drogendealer, Verbrecher und Prostituierten. Ein grinsender Totenkopf sitzt auf einem menschlichen Skelett, die rechte Hand umklammert eine Sense. Die Mexikaner nennen sie «La Santa Muerte», die heilige Frau Tod. In glänzende farbige Gewänder gehüllt, eine Kapuze über dem Schädel, stehen deren Statuetten auf unzähligen Hausaltären, an Strassenecken oder in kleinen Kapellen. Hochkonjunktur hat die wenig christliche Verkörperung des Todesengels jeden Ersten des Monats. Dann lassen sich die Gläubigen vom Segen der Patronin „reinigen“ und erbitten ruchlos um Schutz für die kommenden Tage“ [7]
  • Über die Heiligsprechung des Dominikus von Silos (um 1010 – 1073) liegen keine Unterlagen vor – vielleicht war er einer von vielen von der Katholischen Kirche stillschweigend akzeptierten Volksheiligen. Dominikus von Silos wird als Schutzpatron der Hirten und Gefangenen verehrt.
  • Schon zu Lebzeiten begleitete Krikor Bedros VI. Jeranian († 1840) der Ruf als Wundertäter und bereits kurz nach seinem Tod begann die Heiligenverehrung und die Verehrung als Wunderheiler. Beim Erheben der Gebeine fand man diese unversehrt vor, er gilt auch heute noch als ein Volksheiliger in der armenisch-katholischen Kirche.

Einzelnachweise

  1. Heiliger, in: Das große Handbuch des Aberglaubens, Hrsg. Ulrike Müller-Kaspar, tosa im Verlag Carl Ueberreuter, Wien, 2007, Seite 298/299
  2. Nikolaus von Myra in Ökumenisches Heiligenlexikon [1]
  3. Nafisa at-Tahira, Rare Lady Saint of the Egpytians [2]
  4. Hildegard von Bingen jetzt offiziell im Heiligenkalender [3]
  5. Manfred Becker-Huberti: Feiern, Feste, Jahreszeiten. Lebendige Bräuche im ganzen Jahr, Freiburg-Basel-Wien 1998, ISBN 3-451-27702-6, S. 351f.
  6. Sebastian Grundberger: Wie sich die Lateinamerikaner ihre Heiligen selbst erfinden. Herder Korrespondenz, Juni 2011, abgerufen Format invalid.
  7. Eine Volksheilige macht in Mexiko Furore [4]
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