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Vereinigte Staaten von Amerika, die, engl. United States of America, the, Abkürzung USA, Staat in Nordamerika, 9,81 Mio. km², 281,42 Mio. Einwohner; Hauptstadt: Washington (District of Columbia); Amtssprache: Englisch; Währung: US-Dollar (US-$).

Verfassung von 1787 (mit zahlreichen Zusätzen): präsidiale Bundesrepublik. Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist der Präsident (durch Wahlmänner auf 4 Jahre gewählt). Die Gesetzgebung liegt beim Kongress, bestehend aus Repräsentantenhaus (435 Abgeordnete) und Senat (100 Mitgl.). Der Oberste Gerichtshof in Washington überprüft die Verfassungsmäßigkeit der Gesetze. Verwaltungsgliederung: 50 Bundesstaaten (eigene Verfassungen und Volksvertretungen) und der unter Bundesverwaltung stehende District of Columbia (District of Columbia).

Bevölkerung

75,1 % Weiße, 13,0 % Schwarze (besonders in den Südstaaten, den atlantischen Küstenstaaten bis New Jersey und in den Industriegebieten an den Großen Seen), 3,6 % Asiaten, 0,9 % Indianer, Eskimo und Aleuten; gruppenübergreifend bezeichnen sich die lateinamerikanischen Einwanderer auch als Chicanos oder Hispanos (13 %). In Sprache und Kultur gaben die angelsächsischen Einwanderer dem Land sein Gepräge. Seit 1921 wurde die Einwanderung gesetzlich beschränkt. Etwa 75 % der Bevölkerung leben in den großen Ballungsräumen; 12 % der Gesamtbevölkerung der USA wohnen in Kalifornien.

Religion

Trennung von Staat und Kirche. Christliche Kirchen (eingetragene Mitglieder): rund 34% Protestanten (besonders Baptisten, Methodisten, Lutheraner, Pfingstkirchen), rund 23% Katholiken, rund 2% Orthodoxe; insgesamt mindestens 1.200 christliche Kirchen und Gemeinschaften (Denominationen). Nicht christliche Religionsgemeinschaften: Juden (rund 6 Mio.), Muslime (rund 5 Mio.), Hindus (rund 300.000), Sikhs (rund 250.000), Buddhisten (rund 230.000).

Bildungswesen

Das Schulwesen liegt in der Hand der Einzelstaaten. Meist besteht Schulpflicht bis zum 16. Lebensjahr. Schulaufbau: Kindergarten, bis zu 12-jähriger Schulbesuch in Elementary School und High School (Aufteilung nach Staaten verschieden); Studium an College (4 Jahre) oder Universität. Viele private Institutionen.

Wirtschaft

Die USA sind der bedeutendste Industriestaatder Erde. Führend sind die Eisen-, Stahl- und Elektroindustrie, der Maschinen- und Fahrzeugbau, die Luft- und Raumfahrt- sowie die Elektronik- (Silicon Valley mit Hightechunternehmen der Halbleiter- und Computertechnik), chemische und pharmazeutische Industrie. Prägend für die Wirtschaft ist v. a. der Dienstleistungssektor, der sich besonders während des Wirtschaftsaufschwungs in den 1980er- und 1990er-Jahren entwickelte und der über 70 % aller zivilen Erwerbstätigen beschäftigt. Seit Anfang 2000 zeichnet sich in Verbindung mit der nachlassenden Weltkonjunktur eine Rezessionsphase ab. Die USA zählen zu den wichtigsten Bergbauländern der Welt. Erdöl, Erdgas, Kohle, Eisenerz, übrige Metalle, Phosphate, Salze u. a. werden in großem Umfang gefördert. Die Landwirtschaft ist vielfältig und hoch entwickelt. In meist vollmechanisierten Betrieben werden fast alle wichtigen Nahrungsmittel erzeugt. Schwerpunktgebiete der Landwirtschaft: Milchwirtschaft im Gebiet der Großen Seen bis zur Atlantikküste; Mais um den oberen Mississippi; Baumwolle in den Südstaaten; Weizen im Mittelwesten; Weidewirtschaft besonders in den Gebirgsstaaten, Sonderkulturen (Südfrüchte) in Kalifornien. Forstwirtschaft v. a. im Nordwesten. Die USA sind eines der wichtigsten Welthandelsländer. Sie liefern u. a. Maschinenbau-, elektrotechnische Erzeugnisse und Fahrzeuge, chemische Produkte, Nahrungsmittel, Gemüse und Früchte, Rohstoffe. Seit 1994 ist ein Freihandelsabkommen (NAFTA) zw. den USA, Kanada und Mexiko in Kraft. Haupthandelspartner: Kanada, Mexiko, Japan, EU-Länder.

Verkehrsnetz

Sehr gut ausgebaut; knapp 240.000 km Eisenbahnstrecken (dabei mehrere den gesamten nordamerikanischen Kontinent durchquerende Linien); dazu ein sehr dichtes Straßennetz (rund 6,3 Mio. km) mit durchgehenden OstWest- und NordSüd-Verbindungen. Ein Netz von Fernbuslinien durchzieht das Land. Wichtigste Binnenwasserstraßen: Ohio-Mississippi, Sankt-Lorenz-Seeweg (gemeinsam mit Kanada). Hauptseehäfen: New Orleans, Houston, New York, Baltimore, New Port, San Francisco, Los Angeles; Binnenhäfen: Chicago, Detroit, Buffalo, Duluth, Toledo, Chicago, Atlanta, Dallas, Los Angeles, Denver, Boston, San Francisco, New York, Miami, Washington (D.C.) u. a.; sehr stark ausgebautes Luftverkehrsnetz (über 40 Luftverkehrsgesellschaften).

Geschichte

Den Kern der USA bilden die 13 englischen Kolonien an der atlantischen Küste. Als älteste Kolonie wurde 1606/07 Virginia gegründet; durch Puritaner entstanden seit 1620 die Kolonien Neuenglands 1664 wurde das bisher niederländische New York englisch; südlich von Virginia entstanden die Kolonien Carolina und Georgia, nördlich Pennsylvania. Aus dem Widerstand gegen die Besteuerung entwickelte sich der Unabhängigkeitskrieg 1775 bis 83. Die 13 Kolonien erklärten am 4. 7. 1776 ihre Unabhängigkeit. 1783 erkannte Großbritannien diese Unabhängigkeit an und überließ ihnen auch das Hinterland bis zum Mississippi. Aufgrund der Bundesverfassung vom 17. 9. 1787 wurde G. Washington 1789 der erste Präsident der USA. Durch Kauf wurden 1803 das ganze Gebiet zwischen dem Mississippi und den Rocky Mountains, 1819 das bisher spanische Florida, durch einen siegreichen Krieg gegen Mexiko 1848 Arizona, New Mexico und Kalifornien erworben, 1845 Texas angegliedert, 1867 von Russland Alaska abgekauft. Wichtig für die Außenpolitik der USA wurde die 1823 aufgestellte Monroe-Doktrin. Die Besiedlung des »wilden Westens« bis zum Pazifischen Ozean hin vollzog sich infolge der Masseneinwanderung aus Europa, die auch viele Deutsche ins Land brachte, sehr rasch. Binnenwanderung, Besiedlung des Westens und die Ausdehnung des Wirtschaftsraums bedingten, unterstützt durch Einwanderungswellen, das wirtschaftliche Wachstum. Mit der Ausbreitung der USA war auch die gewaltsame Vertreibung der Indianer aus dem Gebiet östlich des Mississippi und ihre Ansiedlung westlich der Staaten Arkansas und Missouri verbunden, wo sie in immer kleinere Territorien verwiesen wurden (Indianerreservationen). Inzwischen hatten sich die industrialisierten Nordstaaten und die agrarischen Südstaaten, deren reiche Baumwollpflanzer Schwarze als Sklaven für sich arbeiten ließen, in ökonomischer, soziokultureller und politischer Hinsicht auseinander entwickelt, wobei die Auseinandersetzung um die Sklaverei eine zunehmend wichtige Rolle spielte. »Demokraten« und »Republikaner« traten sich als die beiden großen Parteien gegenüber. Während der Präsidentschaft des Republikaners A. Lincoln erklärten die Südstaaten von Virginia bis Texas 1860/61 die Sezession (Bildung der »Konföderierten Staaten von Amerika«), unterlagen aber in dem blutigen Bürgerkrieg (Sezessionskrieg) 1861 bis 65; die Sklaverei wurde abgeschafft, jedoch nicht die Gleichberechtigung der Schwarzen hergestellt. In der Folgezeit nahm die Industrie, durch hohe Schutzzölle und den Eisenbahnbau begünstigt, einen großen Aufschwung. 1898 wurden die Hawaii-Inseln annektiert, im selben Jahr trat Spanien die Philippinen, Guam und Puerto Rico ab; damit erlangten die USA auch die allgemeine Anerkennung als Großmacht. Sie gewannen die Vorherrschaft in Mittelamerika, wo sie 1903/04 bis 1914 den Panamakanal bauten. Präsident W. Wilson (1913 bis 21, Demokrat) erklärte im Ersten Weltkrieg nach anfänglicher Neutralität dem Deutschen Reich 1917 den Krieg. Der Versailler Vertrag, v. a. der von Wilson initiierte Völkerbund, wurde 1920 von den USA abgelehnt. Die Konferenz von Washington 1921/22 bestimmte die Gleichstellung der amerikanischen mit der britischen Seemacht. 1920 bis 33 Prohibition (Anwachsen der organisierten Kriminalität, u. a. Al Capone). Präsident F. D.Roosevelt (1933 bis 45) leitete als Antwort auf die Weltwirtschaftskrise eine neue Wirtschafts- und Sozialpolitik ein, die den Wirtschaftsliberalismus durch eine staatliche Wirtschafts- und Reformpolitik zu überwinden suchte (New Deal). Außenpolitisch versuchten die USA, ihre panamerikanische Politik zu beleben (Politik der »guten Nachbarschaft« in Lateinamerika). Mit Rücksicht auf die Isolationisten (Isolationismus) traten die USA nicht sofort in den Zweiten Weltkrieg ein, unterstützten jedoch die gegen die Achsenmächte Krieg führenden Länder durch Hilfeleistungen, ganz besonders nach dem 1941 eingeführten Leih-Pacht-System. Der japanische Überfall auf Pearl Harbor (7. 12. 1941) löste die amerikanische Kriegserklärung aus. Mit dem (hinsichtlich einer militärischen Notwendigkeit umstrittenen) Abwurf von Atombomben über Hiroshima und Nagasaki (6. 8. und 9. 8. 1945) wurden die USA zur ersten Kernwaffenmacht. Die Entstehung der Vereinten Nationen (26. 6. 1945) ging wesentlich auch auf amerikanische Initiative zurück. Als größte wirtschaftliche und militärische Weltmacht förderten die USA unter Präsident H. S. Truman (1945 bis 53) mit dem Marshallplan den Wiederaufbau der europäischen Wirtschaft und wandten sich mit der »Truman-Doktrin« sowie der Politik des »Containment« (Eindämmung) bzw. später des »Rollback« (Zurückdrängung) gegen die kommunistische Expansion besonders in Europa. Unter Führung der USA entstand der Nordatlantikpakt (NATO, 1949) und der Pazifikpakt (1951), der 1954 unter Präsident D. D. Eisenhower (1953 bis 61) zum Südostasiatischen Sicherheitsvertrag erweitert wurde (1977 aufgelöst). Im Koreakrieg (1950 bis 53) griffen die USA an der Spitze einer UN-Streitmacht auf der Seite Süd-Koreas ein. Präsident J. F. Kennedy (1961 bis 63) gelang es während der internationalen Krise um Kuba (Oktober/November 1962), die UdSSR zum Verzicht auf militärische Unterstützung Kubas zu zwingen und damit die Krise beizulegen. In der Innenpolitik trat Kennedy für politische und wirtschaftliche Reformen und für die volle Gleichberechtigung der Schwarzen ein. Am 22. 11. 1963 wurde er in Dallas (Texas) ermordet. Unter Präsident L. B. Johnson (1963 bis 69) weitete sich das militärische Eingreifen der USA in den Vietnamkrieg zum größten bewaffneten Konflikt seit dem Zweiten Weltkrieg aus. Dies führte auch zu einer schweren innenpolitischen Belastung (militante Protestbewegung). Durch das Bürgerrechtsgesetz (1964) suchte Johnson die volle Gleichberechtigung der Schwarzen zu erreichen. Der Führer der Bürgerrechtsbewegung, M. L. King, wurde 1968 ermordet. 1969 bis 74 war der Republikaner R. Nixon Präsident, der die Beteiligung der USA am Vietnamkrieg einschränkte und die »Vietnamisierung« des Konflikts einleitete. Am 27. 1. 1973 trat ein Waffenstillstandsabkommen in Kraft. Nixon leitete 1972 auch einen politischen Verständigungskurs mit der VR China ein. Er musste 1974 wegen der Watergate-Affäre zurücktreten. Als Nachfolger Nixons wurde 1974 G. R. Ford Präsident der USA. Am 1. 1. 1979 nahmen die USA diplomatische Beziehungen zu China auf und brachen die mit Taiwan ab. Unter dem Demokraten J. E. Carter (1977 bis 1981) geriet die Entspannungspolitik nach dem sowjetischen Einmarsch in Afghanistan (Ende 1979) ins Stocken (keine Ratifikation des SALT-II-Vertrages, Boykott der Olympischen Sommerspiele 1980 in Moskau u. a.). Innenpolitisch wurden die Geiselnahme der amerikanischen Botschaftsangehörigen in Teheran (November 1979) und deren fehlgeschlagener Befreiungsversuch (April 1980) zu einer starken Belastung. Carters Nachfolger, der Republikaner R. W. Reagan (1981 bis 89), betrieb eine Politik der Stärke gegenüber der UdSSR und linksgerichteten Regierungen in Mittelamerika (1983 Invasion Grenadas). Präsident G. H. W. Bush (Republikaner, 1989 bis 93) vertrat außenpolitisch entschieden die Interessen der USA, v. a. im Golfkrieg 1991, konnte im Innern aber keine entscheidenden Impulse setzen. Der Zerfall der UdSSR zwang die USA in den 1990er-Jahren zu einer Neubewertung ihrer Rolle als einzig verbliebene Weltmacht. Präsident B. Clinton (1993 bis 2001) setzte sich innenpolitisch für Sozialreformen ein, belastete seine Amtszeit aber auch durch Affären (1998/99 gescheitertes Amtsenthebungsverfahren); außenpolitisch suchte er z. B. im Nahen Osten zu vermitteln. Im Kosovokonflikt übernahmen die USA 1999 die Führung eines NATO-Militärschlags gegen die Bundesrepublik Jugoslawien. Der nur mit einem knappen Wahlergebnis ins Amt gekommene republikanische Präsident G. W. Bush (seit 2001) forcierte sicherheitspolitisch den Aufbau eines Raketenabwehrsystems (NMD). Innenpolitisch trat er u. a. mit Steuersenkungsprogrammen und einer starken Erhöhung des Verteidigungsetats hervor. Nach den verheerenden (dem islamistischen Terrornetzwerk von Osama Bin Laden zugeschriebenen) Anschlägen auf New York und das Pentagon am 11. 9. 2001 formierten die USA eine internationale Antiterrorkoalition und verstärkten ihre Sicherheitsstrukturen (2002 Gründung eines »Ministeriums für Heimatschutz« und Verabschiedung einer neuen »Nationalen Sicherheitsstrategie« mit der Option militärischer Präventivschläge). Im Rahmen eines Antiterrorkrieges gingen die USA zunächst militärisch gegen die radikalislamischen Taliban und die mit ihnen verbündete »al-Qaida« in Afghanistan vor (im Zusammenhang damit Verstärkung der Militärpräsenz in verschiedenen asiatischen Ländern). 2003 stürzte eine von US-Streitkräften geführte Allianz ohne UN-Mandat das Regime Saddam Husains in Irak. Erfordernisse des weiteren internationalen Konfliktmanagements (u. a. Etablierung von Nachkriegsordnungen in Afghanistan und Irak, Nahostkrise, Verhältnis zu Iran und Nord-Korea) stellten die amerikanische Politik auch im Hinblick auf neue Entwicklungen in den transatlantischen Beziehungen vor schwierige Herausforderungen.

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