FANDOM


Die Unruhen zwischen Israel und Palästinensern begannen im Juni 2014 und dauern wellenartig weiter an. Die Unruhen werden auch als Welle des Terror bezeichnet. Einzelne Wellen werden auch als Intifada bezeichnet. Eine exakte Abgrenzung ist nicht immer möglich.

Vorgeschichte

Am 2. Juni 2014 wurde für die Palästinensische Autonomiebehörde mit Unterstützung der bis dahin zerstrittenen Fatah und Hamas eine „Regierung des nationalen Konsenses“ aus nicht parteigebundenen Fachleuten aus den beiden politischen Strömungen gebildet. Die Regierungsbildung wurde auch von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon begrüßt.[1]

Israel kritisierte die Beteiligung der Hamas, die vielfach als Terrororganisation eingestuft wird und die jeden Kompromiss im Friedensprozess ablehnt.[2]

Auslösende Ereignisse

Am Donnerstag, den 12. Juni 2014 wurden die drei israelischen Jugendlichen Eyal Jifrach (19 Jahre aus El'ad), Gilad Shaar (16 Jahre aus Talmon) und Naftali Frenkel (16 Jahre aus Nof Ajalon) im Westjordanland entführt. Sie befanden sich in der Nähe von Allon Schewut und wollten von ihrer Jeschiwa-Hochschule in Kfar Etzion zu ihren Heimatorten trampen.

Obwohl sich zunächst niemand zu der Tat bekannte, gingen israelische Ermittler und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu von der Hamas als Täter aus. Die Hamas hatte in der Vergangenheit immer wieder versucht, Israelis zu entführen, um verurteilte Gefangene freizupressen.

Die von der israelische Armee eingeleitete Großfahndung „Wächter der Brüder“ konzentrierte sich bald auf das Gebiet um Hebron. Sie beinhaltete die Suche nach den Entführten als auch die Verhaftung von 350 Palästinensern, meist Mitglieder der Terrororganisation Hamas. Viele von ihnen waren 2011 im Zuge des Gefangenenaustauschs für den entführten Soldaten Gilad Schalit freigelassen worden. Dabei kamen fünf Palästinenser ums Leben. Bei Durchsuchungen in der Stadt Nablus wurden außerdem hunderte Waffen und Sprengstoffe sichergestellt.

Gleichzeitig intensivierte die palästinensische Gruppen den Beschuss mit Raketen aus dem Gazastreifen auf das israelische Staatsgebiet. Häufig war die nur knapp vier Kilometer entfernte Stadt Sderot das Ziel der Angriffe. Von Mitte Juni bis Anfang Juli sind fast 200 Raketen aus Gaza abgefeuert worden.[3] Am 8. Juli startete die Israel mit der Operation Protective Edge um den Beschuss einzudämmen.

Am 30. Juni wurden die Leichen der drei entführten Israelis auf einem Feld nordwestlich von Hebron unter einem Steinhaufen gefunden. Die Obduktion ergab, dass sie bereits kurz nach der Entführung erschossen wurden. Die Beisetzung der drei Jugendlichen fand in der Stadt Modi'in statt. Fernseh- und Radiosender unterbrachen ihr reguläres Programm und übertrugen die Trauerfeier.

Unmittelbar nach der Beerdigung wurde der sechzehnjährige Mohammad Abu Khdeir in Ostjerusalem entführt, mit Benzin übergossen und angezündet. Bei seiner Beerdigung kam es zu gewalttätigen Protesten von Palästinensern, die eine dritte Intifada forderten. Die Polizei benutzte Gummigeschosse und Tränengas, um die Demonstranten zu zerstreuen. Etwa 18 Palästinenser wurden in Ostjerusalem und 8 in der Nähe von Ramallah verwundet.

Am 6. Juli 2014 teilte der Jerusalemer Polizeisprecher mit, dass sechs jüdische Tatverdächtige für den Mord an Mohammad Abu Khdeir festgenommen wurden. Später gestanden drei von ihnen, die Tat aus Rache für die drei ermordeten israelischen Jugendlichen begangen zu haben.

Hamas-Führer Chalid Maschal, gab am 22. August 2014 in einem Interview mit Yahoo!News erstmals zu, dass Mitglieder seiner Terrororganisation für die Entführung und Ermordung der drei israelischen Jugendlichen verantwortlich waren. Bereits am 20. August hatte Salach Aruri, ein hochrangiges Mitglied der Hamas im Ausland auf einer Konferenz der Internationalen Union Muslimischer Gelehrter in Istanbul erklärt, dass die Entführung von den Kassam-Brigaden, dem militärischen Arm der Hamas, durchgeführt wurde.[4]

Erste Welle: Juni 2014 bis Dezember 2014

Nach dem Mord an Abu Khdeir und dem Beginn der Operation Protective Edge im Gazastreifen nahmen die Angriffe auf israelische Ziele in Jerusalem im Sommer und Herbst des Jahres 2014 stark zu. Die Unruhen ebbten wieder ab, ohne dass ein klarer Endzeitpunkt zu bestimmen ist und konzentrierte sich hauptsächlich auf Jerusalem. Sie wurden zu Beginn auch als stille Intifada[5] bezeichnet, später aber auch als städtische Intifada[6], Auto[7] oder Jerusalem Intifada. Im Oktober sprachen einige Nachrichtenquellen und israelische Politiker von der dritten Intifada.[8]

Ereignisse

Ereignisse, die auch in der Weltöffentlichkeit verstärkt wahrgenommen wurden, waren:

  • Drei Wochen nach dem Mord an Abu Khdeir marschierten tausende von Palästinensern von Ramallah nach Jerusalem. Die Demonstranten wurden von israelischen Grenzschutzbeamten in der Nähe des Qalandiya-Kontrollpunktes gestoppt. Dabei kam es zu Gewalttätigkeiten, bei denen 200 Palästinenser verwundet und zwei getötet wurden.
  • Am 4. August 2014 tötete ein Araber im Jerusalemer Stadtviertel Schmuel HaNavi einen 25 Jahre alten Fußgänger, den er gezielt mit einem Bagger überfuhr. Er verletzte 6 weitere Menschen, als er auf einen Reisebus zusteuerte.[9][10]
  • Ebenfalls am 4. August wurde von einem Motorrad aus auf eine Gruppe von israelische Soldaten das Feuer eröffnet, die in der Nähe der Hebräischen Universität auf dem Skopusberg an einem Mitfahrer-Mitnahmepunkt warteten. Ein Soldat wurde dabei schwer verletzt.[11]
  • Am 23. August bewarfen militante Palästinenser das Auto einer israelischen Familie in der Westbank mit Felsbrocken. Einer davon traf den Fahrer ins Gesicht, so dass das Fahrzeug von der Fahrbahn abkam und sich überschlug.[12]
  • Am 22. Oktober 2014 fuhr Abdel-Rahman Shaloudi, ein 21-jähriger Hamasaktivist aus dem Jerusalemer Stadtteil Silwan, mit seinem Auto in eine Gruppe von Passanten, die am Bahnhof „Ammunition Hill“ der Jerusalemer Stadtbahn warteten. Der Angriff kostete einem drei Monate altes Mädchen, das Leben, acht Personen, darunter der Vater des Mädchens wurden verletzt.[13] Eine der beiden Schwerverletzten, die 22-jährige Karen Jemima Mosquera aus Ecuador erlag später ihren Verletzungen. Sie war vor eineinhalb Jahren nach Israel gekommen, um dort ihre Konversion zum Judentum abzuschließen.[14]
  • Am 29. Oktober 2014 wurde der prominente Rabbiner Jehuda Glick mit vier Schüssen, die von einem vorbeifahrenden Motorrad abgegeben wurden, schwer verletzt. Der mutmaßliche Angreifer, Muataz Hijazi, wurde am nächsten Tag bei einem Schusswechsel getötet, als israelische Sicherheitskräfte ihn in seinem Haus in Abu Tor festnehmen wollten.
  • Am 5. November randalierten auf dem Tempelberg. Als das Mughrabi-Tor wie gewöhnlich für nicht-muslimische Besucher geöffnet werden sollte, begannen mehrere Dutzend Maskierte die Polizeikräfte am Eingang mit Steinen und Feuerwerkskörpern zu bewerfen. Anschließend verbarrikadierten sie sich in der al-Aqsa-Moschee, wo sie Hunderte Steine, Feuerwerkskörper und Eisenstangen vorbereitet hatten, und attackierten die Polizei von dort aus. Mehrere Polizisten wurden verletzt. In den letzten Monaten wurden immer wieder nicht-moslemische Besucher und Polizisten mit Steinen und Feuerwerkskörpern angegriffen.[15]
  • Ebenfalls am 5. November wurde bei einem Terroranschlag in Jerusalem der 38-jährige Jidan Assad getötet und 14 weitere Menschen verletzt, davon zwei schwer. Jidan Assad hinterlässt seine schwangere Frau Dareen und seinen zwei Monate alten Sohn Amir. Der palästinensische Terrorist steuerte sein Auto gezielt in eine wartende Menschengruppe an einer Straßenbahnhaltestelle. Der Fahrer aus Ostjerusalem beschleunigte daraufhin erneut und fuhr in eine zweite Gruppe von Passanten. Er verließ dann das Auto und griff weitere Passanten mit einer Metallstange an. Die Polizei erschoss den Attentäter.[16][17]
  • Am Abend des 5. November wurden drei israelische Soldaten an der Straße 60 in der Nähe Gush Etzions verletzt, als ein palästinensisches Fahrzeug in sie hineinfuhr.[18][19]
  • Innerhalb weniger Stunden kam es am 10. November 2014 zu zwei Messerattacken gegen israelische Zivilisten durch palästinensische Terroristen. Um die Mittagszeit wurde in der Nähe des Bahnhofs Haganah von Tel Aviv ein etwa 20 Jahre alter Soldat niedergestochen und schwer verletzt. Er verstarb kurz darauf im Krankenhaus. Am Nachmittag kam es in der Nähe der Siedlung Allon Schewut im Westjordanland zu einem weiteren Angegriff, mit drei Verletzten, davon ein 14 Jahre altes Mädchen schwer.[20][21]
  • Am 18. November 2014 drangen um 7:00 Uhr Ortszeit zwei mit Hackbeilen, Messern und einer Pistole bewaffnete Palästinenser in die Synagoge auf der in der Ha-Rav Shimon Agassi-Straße auf die etwa 30 zum Morgengebet Versammelten einzustechen, bevor sie das Feuer eröffneten. Vier Menschen, Rabbi Moshe Twersky, 59 Jahre alt und Vorsteher der Gemeinde Moshe Yeshiva in Jerusalem, Rabbi Aryeh Kupinsky, 43 Jahre alt, Rabbi Avraham Shmuel Goldberg, 68 Jahre alt, und Rabbi Kalman Zeev Levine, 55 Jahre alt wurden ermordet und acht weitere schwer verwundet, bevor die Polizei die Attentäter erschießen konnte.[22][23] Ein Schwerverletzter, der drusische Polizeibeamte Zidan Seif verstarb wenig später an den Folgen seiner schweren Verletzungen.[24]
  • Am 12. Dezember 2014 hat ein palästinensischer Terrorist im Westjordanland eine israelische Familie mit einer ätzenden chemischen Flüssigkeit angegriffen. Dabei erlitten ein Mann und vier Mädchen Verätzungen im Gesicht und an den Augen. Der Angriff ereignete sich nicht weit von Jerusalem an der Straße 60.[25]

Zweite Welle: September 2015 bis März 2016

Durch die zweite Welle[26] starben bei palästinensischen Angriffen 36 Israelis, zwei Amerikaner und ein Eritreer, sowie 222 Palästinenser, die alle bis auf einen durch israelischen Sicherheitskräften, getötet wurden.

Die Angriffe erfolgten hauptsächlich mit Steinen und Messern, daher die Bezeichnung Messer-Intifada.[27] Die Meinungen über die Gründe für den Ausbruch diesen neuen Gewaltzykluses gehen weit auseinander. Die Mehrheit der Palästinenser führen den Beginn der Gewalt auf den Brandanschlag israelischer Siedler auf ein Haus in Duma am 31. Juli 2015 zurück, der den Tod von drei Palästinensern verursacht hat. In Israel ist die Meinungen vorherrschend, dass die palästinensische Gewalt in erheblichem Maße durch Wut auf und Rache für israelische Aktionen und durch Frustrationen über die Stagnation im Nahostkonflikt und über die palästinensische Selbstverwaltung angetrieben wurde. Auch habe das Gefühl der nationalen, wirtschaftlichen und persönlichen Benachteiligung dazu beigetragen, sowie Aufhetzungen in arabischen Massenmedien und in Social Media.

In vielen Fällen wird davon ausgegangen, dass Jugendliche auf diese Weise Suicide by soldier begingen.[28] Untersuchungen der israelischen Armee und Polizei in Zusammenarbeit mit Psychologen ergaben, dass rund die Hälfte der 300 Angreifer in den 18 Monaten ab dem September 2015 in diese Gruppe fallen. Gründe waren: Mobbing, Missbrauch, Zwangsverheiratung und sogar schlechte Schulnoten.

Ereignisse

Ereignisse, die auch in der Weltöffentlichkeit verstärkt wahrgenommen wurden, waren:

  • Am 13. September 2015 verlor Alexander Levlovich (64 Jahre) in Jerusalem die Kontrolle über sein PKW, nachdem dieses von palästinensischen Jugendlichen mit Steinen beworfen wurde. Später verstarb er im Krankenhaus, zwei weitere Personen wurden verletzt.
  • Am 22. September 2015 wurde die Palästinenserin Hadeel al-Hashlamon an einem Kontrollpunkt in der Nähe von Hebron getötet. Nach der offiziellen Darstellung der Israelischen Armee hatte sie ein Messer mit dem sie versuchte einen Soldaten zu erstechen,.
  • Am 24. September 2015 genehmigte das israelische Sicherheitsgesetz neue Gesetze gegen gewalttätige Randalierer, die Steine, Molotowcocktails und Fackeln werfen. Auch wurden die Regeln zum Einsatz von Schusswaffen durch die Sicherheitskräfte geändert. Bisher durfte bei gewalttätigen Protesten nur von der Schusswaffe mit scharfer Munition Gebrauch gemacht werden,wenn das eigene Leben in Gefahr war. Dies ist jetzt auch bei Gefahr für das Leben einer dritten Partei möglich.[29]

Einzelnachweise

  1. EU und Uno erkennen neue Palästinenser-Regierung an, Spiegel Online vom 3. Juni 2014
  2. Michael Borgstede: Hamas und Fatah: Diese Versöhnung gefährdet den Friedensprozess. In: welt.de. 23. April 2014, abgerufen am 7. Oktober 2018.
  3. Hans-Christian Rößler: Bei lebendigem Leibe. In: FAZ.net. 6. Juli 2014, abgerufen am 13. Oktober 2018.
  4. Newsletter der Botschaft des Staates Israel vom 25. August 2014
  5. (Version vom 30. Oktober 2014 im Internet Archive), englisch, abgerufenam15. Juni 2017
  6. http://www.haaretz.com/israel-news/.premium-1.622481, englisch, abgerufen am 15. Juni 2017
  7. http://www.haaretz.com/opinion/.premium-1.629570, englisch, abgerufen am 15. Juni 2017
  8. http://jewishjournal.com/news/israel/140319/, englisch, abgerufen am 15. Juni 2017
  9. Newsletter der Botschaft des Staates Israel vom 4. August 2014
  10. https://www.washingtonpost.com/news/worldviews/wp/2014/08/04/video-crowd-chants-death-to-arabs-after-deadly-backhoe-attack-in-jerusalem/?utm_term=.e2bda0ac4251 englisch, abgerufen am 8. Juni 2017
  11. Newsletter der Botschaft des Staates Israel vom 4. August 2014
  12. Palestinians rescue settlers after West Bank attack Ynet vom 23. August 2014
  13. Newsletter der Botschaft des Staates Israel vom 23. Oktober 2014
  14. Newsletter der Botschaft des Staates Israel vom 27. Oktober 2014
  15. Newsletter der Botschaft des Staates Israel vom 9. November 2014
  16. Newsletter der Botschaft des Staates Israel vom 9. November 2014
  17. https://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4588371,00.html, englisch, abgerufen am 10. September 2017
  18. Newsletter der Botschaft des Staates Israel vom 9. November 2014
  19. http://www.timesofisrael.com/west-bank-hit-and-run-driver-admits-to-carrying-out-planned-attack/, englisch, abgerufen am 10. September 2017
  20. Newsletter der Botschaft des Staates Israel vom 10. November 2014
  21. http://www.botschaftisrael.de/2014/11/18/worte-toeten-staatsfuehrung-baut-man-nicht-auf-hetze-auf/#more-7301, abgerufen am 10. September 2017
  22. Newsletter der Botschaft des Staates Israel vom 18. November 2014
  23. http://www.botschaftisrael.de/2014/11/18/worte-toeten-staatsfuehrung-baut-man-nicht-auf-hetze-auf/#more-7301, abgerufen am 10. September 2017
  24. Newsletter der Botschaft des Staates Israel vom 20. November 2014
  25. Newsletter der Botschaft des Staates Israel vom 15. Dezember 2014
  26. Neue Art des Terrors. Auf: orf.at vom 14. Oktober 2015; abgerufen am 19. Oktober 2015.
  27. Vgl. z. B. Inge Günther in Badische Zeitung, 26. März 2016, S. 6.
  28. Israeli Army Chief: I Don’t Want Soldiers Emptying Magazines on Girls With Scissors, Ha-Aretz am 17. Februar 2016
  29. https://www.maannews.com/Content.aspx?id=767770 , englisch, abgerufen am 31. Juli 2018
Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA , sofern nicht anders angegeben.