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Ungarn, ungarisch Magyarország [ˈmɔdjɔrorsaːg], Staat im Südosten Mitteleuropas, grenzt im Norden an die Slowakische Republik, im Nordosten an die Ukraine (Gebiet Transkarpatien), im Osten an Rumänien, im Süden an Kroatien sowie an die Republik Serbien (Provinz Wojwodina), im Südwesten an Slowenien und im Westen an Österreich (Burgenland). Neben den Ungarn (Magyaren, rund 84 %) leben hier u. a. Ungarndeutsche, Slowaken, Kroaten und Roma. Das Land ist im Westen von Ausläufern der Alpen begrenzt, im Nordwesten liegt das Kleine Ungarische Tiefland, an das sich das Ungarische Mittelgebirge anschließt; östlich der Donau breitet sich das Große Ungarische Tiefland aus. Ungarn hat im Allgemeinen trocken-heiße Sommer und stürmisch-kalte Winter.

Wirtschaft

Bedeutend ist die Landwirtschaft: Anbau von Mais, Weizen, Zuckerrüben, Kartoffeln, Wein, Obst, Gemüse (Paprika) und Tabak, daneben auch Viehhaltung (Schweine, Rinder, Schafe, Enten, Gänse). Außer Bauxit können die Rohstoffe (Braun-, Steinkohle, Erdöl, Erdgas, Eisen- und Kupfererz) den Landesbedarf nicht decken. Wichtige Industriezweige sind Maschinen- und Fahrzeugbau sowie Nahrungsmittel-, Textil-, chemische und Hüttenindustrie.

Geschichte

Im 5. Jahrhundert war Ungarn Kerngebiet des Hunnenreichs, dann bis ins 8. Jahrhundert des Reichs der Awaren. Um 900 wanderten Magyaren (die heutigen Ungarn) ein. Nach der Niederlage gegen Otto I., den Großen, auf dem Lechfeld bei Augsburg 955 stellten sie ihre Vorstöße nach Westen ein und wurden endgültig sesshaft. Unter König Stephan I., dem Heiligen, wurden die Ungarn christianisiert; im 11./12. Jahrhundert festigte sich das Reich; es kam zu einer Personalunion mit Kroatien. 1241/42 besetzten die Mongolen das Land. Erst König Ludwig I., der Große, stellte im 14. Jahrhundert die ungarische Machtstellung wieder her.

János Hunyadi, Reichsverweser für den minderjährigen Ladislaus V. Postumus, schlug 1456 die Türken zurück, König Matthias I. Corvinus behauptete sich gegen den Kaiser und gegen den König von Böhmen. 1526 unterlagen die Ungarn in der Schlacht bei Mohács gegen die Türken, der größte Teil Ungarns kam für 150 Jahre unter die Herrschaft des Osmanischen Reiches. Die übrigen Gebiete gelangten an die Habsburger; Siebenbürgen blieb selbstständig. Nach dem Großen Türkenkrieg 1683–99 wurde Ungarn österreichisches Kronland.

In der Revolution von 1848 kämpften die Ungarn unter Lajos Kossuth um ihre Unabhängigkeit. Der Freiheitskampf wurde jedoch durch Österreich mit russischer Hilfe niedergeschlagen. 1867 gewann Ungarn im Rahmen der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn neben Österreich volle Gleichberechtigung. Nach dem Ersten Weltkrieg verlor Ungarn rund zwei Drittel seines Gebietes und wurde von Österreich abgetrennt. 1918 wurde die Republik Ungarn ausgerufen, aber schon 1920 wurde die Monarchie wieder eingeführt; Reichsverweser war 1920–44 Miklós Horthy.

Am Zweiten Weltkrieg nahm Ungarn auf deutscher Seite teil; 1944 wurde es von deutschen Truppen besetzt, da Deutschland den Abfall Ungarns befürchtete. 1944/45 besetzten sowjetische Truppen das Land, und 1948 übernahmen die Kommunisten die Regierung. 1949–89 war Ungarn eine Volksrepublik nach sowjetischem Muster. 1956 wurde ein Volksaufstand gegen die stalinistische Regierung von sowjetischen Truppen blutig niedergeschlagen.

Im Zuge der Umwälzungen in den osteuropäischen Staaten wandte sich Ungarn vom sozialistischen Regierungssystem ab: Im Sommer 1989 öffnete es als erster Ostblockstaat seine Grenzen; im selben Jahr wurde das Land Republik nach westlichem Vorbild. Seit 2004 ist Ungarn Mitglied der Europäischen Union. Seit 2010 ist Victor Orbán (* 1963) Ministerpräsident. Seine Regierung vollzog eine national-konservative Wende, die sich in der Verabschiedung einer neuen Verfassung und zahlreichen Gesetzesänderungen vor allem in den Bereichen Justiz, Religion und Medien zeigte.

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