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Tierfänger sind das Thema einer Vielzahl unwahrer Veröffentlichungen auf privaten Homepages, in sozialen Netzwerken oder in Blogs, in denen Tierhalter vor Personen gewarnt werden, die angeblich gewerbsmäßig freilaufende Katzen und in selteneren Fällen auch Hunde fangen.

Verbreitung

Das Bild von nächtlich aktiven Tierfängern wird von zahlreichen Privatpersonen und kleinen Tierschutzgruppen im Internet verbreitet. Weitere häufig genutzte Medien sind meist anonyme Aushänge an Bäumen oder Straßenlaternen, auf schwarzen Brettern in Tierarztpraxen oder Zoofachhandlungen, oder kostenlose Kleinanzeigen.[1][2]

Inhalt

Die Warnungen vor Tierfängern verändern sich im Laufe der Zeit inhaltlich. Sie richten sich fast immer direkt an Tierhalter, die ihren Katzen oder Hunden unbeaufsichtigt Auslauf gewähren. Gegenwärtig wird eindringlich vor den Mitarbeitern von Altkleidersammlungen gewarnt, die angeblich ihre Tätigkeit, namentlich das Entleeren aufgestellter Altkleidercontainer oder das Aufstellen von Sammelkörben vor den Haustüren, zum Ausspähen von potentieller Beute nutzen. Ein weiteres Charakteristikum dieser Meldungen ist die Erwähnung verschiedenartiger Kraftfahrzeuge, häufig weiße Lieferwagen ohne Aufschrift.[3] Zur Steigerung der Glaubwürdigkeit werden auch detaillierte Angaben gemacht, beispielsweise zur Tönung der Fenster oder zu Öffnungen im Boden der Fahrzeuge. Täterbeschreibungen oder individuelle Merkmale der Fahrzeuge, wie vollständige Kennzeichen oder unverwechselbare Beschriftungen, werden niemals angegeben.[1]

Wahrheitsgehalt

Derartige Darstellungen halten einer kritischen Prüfung nicht stand, sie sind dem Bereich der Hoaxes, der Modernen Sagen und der Verschwörungstheorien zuzuordnen, und scheinbar bestätigende Medienberichte sind von gutgläubigen Journalisten verbreitete Falschmeldungen. Tatsächlich sind seit den 1980er Jahren keine Verurteilungen wegen organisierten „Tierdiebstahls“ belegt. Organisationen wie der Deutsche Tierschutzbund beteiligen sich nicht an den genannten Kampagnen.[1]

Urheber

Ein wesentliches Charakteristikum derartiger Veröffentlichungen im Internet ist die Verlinkung zahlreicher Homepages mit identischen oder sehr ähnlichen Inhalten, die von Privatpersonen oder kleinen Gruppen ohne Mitgliedschaft in einem Tierschutzverband und ohne Nachweis der Gemeinnützigkeit betrieben werden, oder die Veröffentlichung von Kettenbriefen in sozialen Netzwerken. Die Meldungen enthalten entweder keine genauen Angaben zu Orten und Zeiten des angeblichen Auftretens von „Tierfängern“, oder sie werden unter Pseudonymen veröffentlicht und sind nicht nachprüfbar. Die Vielzahl weitgehend identischer Veröffentlichungen auf zahlreichen Homepages steigert in den Augen unbefangener Leser die Glaubwürdigkeit.[1]

Angeblicher Verbleib der Tiere

Bis in die frühen 1980er Jahre deckten Forschungseinrichtungen ihren Bedarf an Versuchstieren mithilfe von Tierhändlern, oft ohne dass die Herkunft der Tiere nachvollziehbar dokumentiert wurde. Bereits damals wurde der Verdacht geäußert, dass gestohlene Tiere auf diesem Weg in Versuchslabore gelangen. In Einzelfällen wurden gewerbliche Tierfänger als Täter ermittelt und verurteilt.[4] Die heute umlaufenden pauschalen und stets unbelegten Behauptungen, gestohlene Tiere würden zu Tierversuchen oder für den Pelzhandel missbraucht, sind unwahr. Richtig ist, dass die Tierhaltungen in Versuchslaboren heute im deutschsprachigen Raum strengen Kontrollen unterliegen. Darüber hinaus sind auf derartige Weise beschaffte Tiere für die wissenschaftliche Arbeit wertlos. Auch die Verwertung als Pelztiere ist in der Europäischen Gemeinschaft verboten, eine kommerzielle Verwertung der Felle ist nicht möglich. Jüngere Veröffentlichungen über „Tierfänger“ vermeiden meist Angaben zum Verbleib der Tiere.[1]

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Ulli Kulke: Die Katzenfänger sind unter uns. Wirklich? In: Die Welt, 4. Februar 2014, Online, abgerufen am 23. Februar 2014.
  2. Tierfänger auf der Jagd nach Katzen?
  3. PDF von haustierdiebstahl-in-deutschland.de
  4. ohne Verfasser: Dunkle Kanäle. In: Der Spiegel, 1982, Nummer 31, S. 56–57, Online, abgerufen am 24. April 2014.
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