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Ein Tüftellabor ist eine offene Werkstatt und ermöglicht interessierten Kindern und Jugendlichen, in der Freizeit eigene Ideen und Projekte im technischen, handwerklichen und gestalterischen Bereich zu verwirklichen. Dazu bietet ein Tüftellabor einerseits beste Infrastrukturen mit Arbeitsplätzen, Werkzeugen, Geräten und Maschinen, andererseits einen vielfältigen Fundus an Materialien und Bauteilen sowie eine fachliche Betreuung und Begleitung durch qualifizierte Coaches.[1]

Neben der Kernaufgabe des freien Tüftelns führt ein Tüftellabor regelmässig Workshops und Kurse zu handwerklichen, gestalterischen, technischen und naturwissenschaftlichen Themen und Techniken durch. Spezifische Kurse richten sich an Schulklassen oder begabte Kinder und Jugendliche, als Aus- und Weiterbildungsveranstaltungen auch an PH-Studierende oder Lehrpersonen.

Tüfteln

Im Tüftellabor entdecken Kinder und Jugendliche die Welt der Technik, des Handwerks und der künstlerischen Gestaltung. Kinder und Jugendliche finden hier eine kreativ anregende Umgebung, einen Ort, wo sie im Austausch mit Gleichaltrigen ihre Visionen und Ideen entwickeln und ausprobieren können. Ein Tüftellabor ist ein Experimentier- und Werkraum der besonderen Art. Es ist eine Universalwerkstatt mit einem breiten Angebot an Materialien und Maschinen, die Kinder und Jugendliche während ihrer Freizeit nutzen können. Es hat feste Öffnungszeiten, bietet aber zu erweiterten Zeiten auch Kurse für Kinder, Jugendliche und Erwachsene (Lehrpersonen, Werkstattleitende) an.

Was wird gemacht im Tüftellabor?

Kinder bringen ihre Projekt-Ideen mit und setzen diese in die Realität um. Beispiele: einen „Ghetto-Blaster“ bauen / eine Deckenlampe mit LED herstellen / ein ferngesteuertes Auto konstruieren / ein Instrument aus Kartonröhren basteln / mit Modellbau-Servomotoren ein Dinosaurierskelett bewegen / ein Tandemvelo bauen. Dabei ist es typisch, dass ein Tüftli sich mehrere Lösungsansätze für konkrete Herausforderungen bei der Projektumsetzung ausdenkt und dann die Ansätze ausprobiert, bis eine gute Lösung gefunden ist. Andere anwesende Tüftlis tragen üblicherweise ebenfalls zu diesem Konzeptprozess bei, mit ihren eigenen Erfahrungen und Ideen. Wann ein Werk gut, richtig oder fertig ist, entscheiden die Kinder selber.

Im Tüftellabor erhalten die Kinder Gelegenheit, ihre Ideen mit verschiedenen Materialien zu realisieren: Elektronische Bauteile, Metalle, Textilien, Ton, Holz, Kunststoffe usw. stehen zur Verfügung. So wird mit Elektrizität, Wasser, Luft und Feuer experimentiert und dabei physikalischen und chemischen Gesetzen auf den Grund gegangen.[2]

Wie werden die Kinder begleitet?

Ein Tüftellabor braucht für die Begleitung der Kinder Menschen, die selber gerne tüfteln. Sie haben Fertigkeiten, Werkstatt- und Materialerfahrungen auf verschiedenen Gebieten, aber nicht auf allen. Sie müssen wissen, was gefährlich ist und wo die Grenzen sind. Sie sollen die Kinder coachen und nicht Lehrer oder Ausbildner sein. Im Vordergrund steht nicht das Endprodukt, sondern die gewonnenen Erfahrungen durch die Tüfteleien auf dem Weg dahin. Gefördert wird, dass das Erfolgserlebnis nicht durch die Fixierung auf das Endprodukt erzeugt wird, sondern durch den Spass am Ausprobieren und Experimentieren.

Es braucht Mut, den Kindern viel zuzutrauen! Sie werden an den Maschinen eingeführt, sollen aber auch selber Erfahrungen machen. Es braucht eine „partizipations-offene“ Haltung: Die Ideen und Ansichten der Kinder werden ausdiskutiert. Die Kinder bestimmen den Betrieb mit.

Welche Kinder kommen ins Tüftellabor?

Die Kinder müssen eigene Ideen mitbringen oder im offenen Betrieb entwickeln und sie müssen interessiert sein am Umgang mit Materialien. Ein Tüftellabor ist ein sozialer Ort: es geht auch um den Austausch von Ideen, das Abgucken von Fertigkeiten, und das Helfen untereinander. Die Kinder sind zwischen 9 und 19 Jahre alt. Sie werden gründlich in den Werkstattbetrieb eingeführt.

Geschichte

Im Jahr 1999 schrieb Martin Flüeler das erste Konzept für ein Tüftellabor. Zwei Jahre später war in Zürich Oerlikon ein Raum gefunden und die Idee nahm konkrete Formen an. Im Jahr 2003 fand die Idee eine Gönnerin, die das Betriebskapital für rund 10 Jahre stiftete – die Stiftung TüLab Oerlikon war geboren. Die Stifterin deklarierte das eingebrachte Kapital als Verbrauchskapital.

In den zehn Jahren der Existenz des Tüftellabors sind über tausend verschiedene Kinder (Tüftlis) in der Werkstatt ihren eigenen Ideen nachgegangen. Mit durchschnittlich viertausend Tüftelstunden pro Jahr zeigte sich, dass ein Bedarf für ein Tüftellabor besteht und das vorhandene Konzept kindergerecht ist. Die ganzheitliche Sicht von Technik, Naturwissenschaft, Kunst und Handwerk hat zahlreiche positive Reaktionen von Jugendlichen und Eltern ausgelöst. Dies hat auch dazu geführt, dass in Buchs SG (2006) und in Zug (2010) weitere Tüftellabore entstanden sind und dass ein weiteres in Luzern (Frühling 2014)[3] und in Liestal (2014) seine Türen öffnen wird.

Tüftellabor Dachorganisation

Im Februar 2013 gelang der Aufbau einer Schweizerischen Tüftellabor-Dachorganisation, Tüfteln.ch.

Ihr Ziel ist die Koordination und Wissensmanagement für die bestehenden Tüftellabore, Initiierung neuer Tüftellabore, Projekte mit nationalen Partnern. Weiterführung der Werkstatt in Zürich und Übergabe der Leitung an einen Verein.

Angebot

Freies Tüfteln

Kurse

Siehe auch

Weblinks

Liste von Tüftellaboren in der Schweiz

Im deutschsprachigen Raum gibt es derzeit (September 2014) die folgenden Tüftellabore:

Einzelnachweise

  1. Tummelfeld für kleine Genies im Tüftellabor Einstein abg. am 6. September 2014
  2. Roboter tanzen im Tüftellabor abg. am 6. September 2014
  3. Erfolgreiches Tüftellabor kommt nach Luzern abg. am 6. September 2014
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