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Rom, italienisch Roma, Hauptstadt Italiens, der Region Latium und der Provinz Rom (5352 km2, 3,6 Mio. Einwohner), am Tiber, 2,5 Mio. Einwohner; auf 12 (anfänglich 7) vulkanischen Tuffhügeln, antike Reste am Südhang des Esquilinus, am Caelius und Aventinus, in der Tiberniederung jüngere Reste der Fora, des Kolosseums, des Pantheons, der Caracallathermen, des Hadriangrabs und der Engelsburg (15. Jahrhundert umgebaut); religiöses, geistiges und kulturelles Zentrum des Abendlands; mit dem Sitz des Papstes (Vatikanstadt) Mittelpunkt der römisch-katholischen Kirche; 600 kirchliche Bauten, besonders bedeutsam die Peterskirche als Mittelpunkt der Vatikanstadt, San Giovanni in Laterano, Santa Maria Maggiore, San Pàolo fuori le Mura und San Lorenzo fuori le Mura, San Pietro in Vìncoli; aus der ältesten christliche Zeit stammen Santa Croce (330 gegründet), Santa Sabina (425 gegründet), San Sebastiano (über den Katakomben der Via Appia), Santi Cosma e Damiano (526–530 gegründet, mit wertvollen Mosaiken); jünger ist die Jesuitenkirche Il Gesù (1568 gegründet, mit Grab des hl. Ignatius von Loyola). Das historische Zentrum Roms, die Basilika San Paolo fuori le Mura und die Vatikanstadt wurden 1980 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Weitere Sehenswürdigkeiten Roms sind neben den zahlreichen Plätzen und historischen Brunnen (Trevi, Fiumi) die berühmten Paläste des 16. und 17. Jahrhunderts: Farnese, Barbarini, Villa Borghese, Quirinal (Residenz des Präsidenten) u. a., Spanische Treppe; reich an Kunstsammlungen: Vatikanische Museen, Nationalgalerie (Corsini), Kapitolinische Sammlungen, Museo Nazionale Romano; Bibliotheken; 3 Universitäten, technische Hochschule, Akademien, internationales Landwirtschaftsinstitut (Sitz der FAO), Deutsches Archäologisches Institut, päpstliche Hochschulen (Gregoriana); internationales Finanz- und Handelszentrum; bedeutender Pilger- und Fremdenverkehr; Verkehrsknotenpunkt mit Flughafen Fiumicino; Kunsthandel; Druckereien, Maschinenbau, Ölraffinerien, elektrotechnische, elektronische, chemische und pharmazeutische Industrie; Film- und Modezentrum.

Geschichte

Altertum

Der Sage nach wurde Rom von Romulus am Ufer des Tiber gegründet (in antiker Tradition am 21. 4. 753 v. Chr.). Ausgrabungen führen ins 10. Jahrhundert v. Chr. zurück und erschließen Siedlungen der Latiner und Sabiner auf dem Palatin (Rundhütten), Quirinal, Capitol und Esquilin und Begräbnisstätten des 9.–7. Jahrhunderts v. Chr. in der sumpfigen Niederung des Forum Romanum. Um 650 v. Chr. wuchs die Stadt aus diesen Einzelsiedlungen zusammen und stand zu dieser Zeit unter etruskischer Herrschaft.

Nach der Vertreibung des letzten römischen Königs Tarquinius Superbus um 510 v. Chr. wurde es Republik und zum Mittelpunkt des Römischen Reichs. Nach der Zerstörung Roms durch die Gallier 387 v. Chr., bei der nur das Capitol verschont blieb, wurde 378 v. Chr. um die 7 Hügel Roms eine Stadtmauer gezogen (Servianische Mauer). Um 312 v. Chr. erhielt Rom seine erste große Wasserleitung, und die Via Appia, eine der strahlenförmig die Stadt verlassenden Ausfallstraßen, wurde ausgebaut. Die städtische Verwaltung unterstand den Aedilen. Seit 264 v. Chr. sind Gladiatorenkämpfe bezeugt.

Die Erweiterung der römischen Macht und besonders die Eroberungen im Osten führten zu einer Erweiterung der Bautätigkeit; die herbeigeschafften Kunstwerke bereicherten die öffentlichen Gebäude und die Häuser des Adels; die Wohnviertel blieben allerdings meist ein Gewirr enger und winkliger Gassen. Gleichzeitig zerrüttete die Expansion das Kleinbauerntum und die allgemeine Moral und brachte Rom den Zuzug zahlreicher italienischer Bauern, die allmählich zum Proletariat herabsanken. Soziale und wirtschaftliche Krisen führten in dem Jahrhundert der Revolution (133–30 v. Chr.) zu zahlreichen Straßenkämpfen, politischen Morden und Proskriptionen.

Erst die Regierung des Augustus brachte Rom wieder Ruhe. Er teilte die Stadt, die sich weit über die Grenzen der Stadtmauer hin auszudehnen begann, in 14 Bezirke und 165 (später 300) Viertel mit eigenen Behörden ein und ließ sie durch Bauten prächtig erweitern (Augustusforum, Ara pacis, Pantheon u. a.). Unter Nero wurde Rom 64 n. Chr. durch einen Brand großenteils zerstört, in der Folgezeit jedoch großzügig wieder aufgebaut. Rom erhielt mit seinen Marmortempeln, Palästen, Foren, Thermen, Geschäftshäusern, Hafenanlagen, Lagerhallen und mehrgeschossigen Mietskasernen in engen Gassen, für die zum Ausgleich zahlreiche Gärten und Parkanlagen geschaffen wurden, seine noch heute das Stadtbild prägende Gestalt. Unter Aurelian bekam Rom zum Schutz vor den Germaneneinfällen eine neue Mauer. In der Kaiserzeit galt Rom als größte und schönste Stadt der damaligen Welt und hatte nach modernen Schätzungen zwischen 600 000 und 2 Mio. Einwohner.

Mittelalter

410 wurde Rom durch die Westgoten unter Alarich, 455 durch die Wandalen unter Geiserich und 546 durch die Ostgoten unter Totila erobert; die Stadt verfiel und hatte zeitweise weniger als 1000 Einwohner. 754 wurde sie von Papst Stephan II. gegen die Langobarden unter den Schutz des Frankenkönigs Pippin III. (des Jüngeren) und seiner Söhne gestellt. Papst Leo IV. umgab die nach ihm benannte Leostadt um St. Peter um 850 mit einer Mauer gegen die Sarazenen.

Die Krönung Karls des Großen zum Kaiser gab Rom erneut Bedeutung; seit der Krönung Ottos I. 962 wurde sie zur Krönungsstadt der Kaiser des Hl. Römischen Reiches. Im hohen Mittelalter machte neben dem widerspenstigen römischen Adel, der schon im 9./10. Jahrhundert durch die Alberiche und Crescentier die Stadt beherrscht hatte, das machtvoll aufgestiegene Papsttum den Kaisern die Herrschaft über Rom streitig. Im Investiturstreit wurde Rom durch die Normannen unter Robert Guiscard erobert (1084) und geplündert.

In der durch Parteihader zerfallenen Stadt versuchte Cola di Rienzo 1347 vergeblich, die römische Republik nach antikem Vorbild wieder herzustellen. Ende des 14. Jahrhunderts tobten in Rom Machtkämpfe zwischen den Adelsfamilien Colonna und Orsini.

Neuzeit

Mit Beginn der Renaissance setzte der Wiederaufstieg Roms ein, gefördert durch die mächtigen und Pracht liebenden Renaissancepäpste; unter Alexander VI., Julius II., Leo X. und Clemens VII. wurde Rom zum glänzenden Zentrum einer neuen Epoche. Die Einnahme und Plünderung (Sacco di Roma) der Stadt durch das deutsch-spanische Heer Karls V. 1527/28 richtete in Rom nicht nur furchtbare Verheerungen an, sondern setzte auch der Renaissance-Kultur ein Ende. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde Rom das Zentrum des nachtridentischen Katholizismus. Die von Rom ausgehende Barockkultur bestimmte den Stil dieser bis ins 18. Jahrhundert reichenden Epoche. Von ihr ist das heutige Stadtbild geprägt. In dieser Zeit begann man die antiken Reste zu konservieren.

1798 wurde die von französischen Truppen besetzte Stadt vorübergehend Republik, 1809 französisch. 1814 wurde der Kirchenstaat auf dem Wiener Kongress wieder hergestellt. 1849 war Rom kurze Zeit Republik; Pius IX. kehrte mit Hilfe französischer Truppen zurück, die bis 1870 blieben. Am 20. 9. 1870 eroberten Truppen des Königreichs Italien und machten Rom zur Hauptstadt. Mit dem „Marsch auf Rom“ der Faschisten (28. 10. 1922) begann Mussolinis Diktatur in Italien. Erst 1929 wurde in den Lateranverträgen der Friede mit dem Papsttum geschlossen. Die Gegend um den Vatikan wurde zum souveränen Staat erklärt. Vatikanstadt.

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