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Radikalkritik bezeichnet in den Religionswissenschaften Kritik an der christlichen Lehre, die grundsätzlicher Art ist und über das hinausgeht, was sonst als Religionskritik bzw. Kirchenkritik eingestuft wird. Üblicherweise wird von Radikalkritikern die Authentizität wesentlicher Textzeugnisse aus der Entstehungszeit des Christentums angezweifelt und somit eine von der herrschenden theologischen Lehrmeinung abweichende Einschätzung zur Historizität bestimmter religiöser Ereignisse bzw. Personen aufgeworfen.[1] Die meisten Radikalkritiker stellen die religiöse Botschaft dabei nicht unbedingt prinzipiell in Frage.

Ihren Ursprung hatte die Radikalkritik als Bewegung des späten 19. Jahrhunderts, die aufgrund von Textanalysen die Authentizität der Paulusbriefe bezweifelten. Dies ging über die Kritik der Tübinger Schule hinaus, die die Historisch-kritische Methode aus den Geschichtswissenschaften auch für die Auslegung der Bibel einführte und dabei zu dem Ergebnis kam, dass offenbar 10 der 14 Paulusbriefe Pseudepigraphien seien aber zumindest 4 davon authentisch und tatsächlich von Paulus von Tarsus verfasst worden seien.[2][3]

In ihrer Position der Grundlagenkritik an der christlichen Lehre ähneln sich die Positionen der Radikalkritiker und der Jesus-Mythos Vertreter. Letztere legen den Schwerpunkt ihrer Analyse aber darauf, wie das Christentum sich aus vorausgehenden Religionen und Mythologien entwickelt haben könnte, während die Radikalkritiker ihre Analysen auf die vorhandenen christlichen und außerchristlichen Textzeugnisse zur frühen Entwicklung des Christentums konzentrieren.

Vor allem durch computergestützte Vergleiche von Textfragmenten hat sich die verwendete historisch-kritische Methoden inzwischen in ihrer Treffsicherheit sehr stark entwickelt.

Die holländische Schule der Radikalkritik

Der Ursprung der grundlegenden Kritik der Textzeugnisse geht auf die holländische Schule der Radikalkritik zurück. Ende des 19. Jahrhunderts war es eine Gruppe niederländischer Theologen, die aufgrund tiefgehender Textanalysen Widersprüche fanden und dadurch zu einer abweichenden Einordnung bezüglich Autorenschaft und Zeitrahmen der Entstehung kamen, die von der klassischen Festlegung der christlichen Kirchen abwich.

Der Beginn der holländischen Schule der Radikalkritik lässt sich an einer Publication von Allard Pierson im Jahr 1878 festmachen. Darin lehnte Pierson die Autorenschaft von Paulus bezüglich des Galaterbriefs ab.[4]

Er wurde heftig von seinem Kollegen Abraham Dirk Loman kritisiert, allerdings gab Loman im Laufe der wissenschaftlichen Auseinandersetzung seine Position der Authentizität des Galaterbriefes auf und auch die Existenz von Paulus selbst wurde in Frage gestellt.

Willem Christiaan van Manen, der in seiner Doktorarbeit die Authentizität des 1. Brief des Paulus an die Thessalonicher verteidigte schrieb später, dass er zur selben Schlussfolgerung käme wie Loman. Auch G.J.P.J. Bolland stieß zu dieser Bewegung.

Mit dem Tod von Van Manen's Student Gustaaf Adolf van den Bergh van Eysinga 1957, ging der Forschungszweig an niederländischen Universitäten zu Ende.

Der Name „Dutch Radicals“ („Hollandse Radicalen“) wurde von A. D. Loman 1887 in einem Artikel eingeführt. Er nahm dabei die Bezeichnung seitens Edwin Johnson auf, der schrieb: „the author is a radical like we seldom meet among theologians and hardly ever among English theologians“ („der Autor ist ein Radikaler, wie wir in selten antreffen unter Theologen und kaum jemals unter englischen Theologen“).[5][6][7]

Einzelnachweise

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