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Polen, amtlich polnisch Rzeczpospolita Polska [ʒεtʃpɔsˈpɔlita -], deutsch Republik Polen, Staat im östlichen Mitteleuropa, grenzt im Westen an Deutschland, im Norden an die Ostsee, im Nordosten an das zu Russland gehörende Gebiet Kaliningrad und an Litauen, im Osten an Weißrussland und die Ukraine und im Süden an die Slowakische Republik und die Tschechische Republik.

Das ausgedehnte Tiefland mit seinen Moränengebieten und Urstromtälern ist durch die Eiszeiten geprägt; besonders viele Seen finden sich im südlichen Teil Ostpreußens. An der Südgrenze hat Polen Anteil an den Karpaten (in der Hohen Tatra 2 499 m hoch) und an den Sudeten (im Riesengebirge 1 602 m hoch). Nördlich der Karpaten erstrecken sich Berg- und Hügelländer.

Weit mehr als die Hälfte des Landes wird landwirtschaftlich genutzt. Hauptanbaupflanzen sind Kartoffeln, Getreide und Zuckerrüben. Daneben spielt die Viehzucht (Rinder, Schweine, Schafe) eine große Rolle. Polen besitzt reiche Steinkohlenvorkommen (in Schlesien und bei Lublin), ferner Braunkohle, Kupfer-, Eisen-, Blei- und Zinkerze, Schwefel, Erdöl und Erdgas. Gut ausgebaut sind die Hüttenindustrie, der Schiff-, Maschinen- und Fahrzeugbau sowie die chemische Industrie. Wichtige Ostseehäfen sind Stettin und Danzig.

Die vorwiegend katholische Bevölkerung besteht in erster Linie aus Polen; daneben gibt es Minderheiten von Deutschen, Weißrussen, Ukrainern, Slowaken und Litauern.

Geschichte

Der erste historisch fassbare Herrscher eines polnischen Staats war Herzog Mieszko I. (um 960–992) aus dem Geschlecht der Piasten. Sein Reich umfasste vor allem den Raum um die mittlere Warthe (Großpolen) und die mittlere Weichsel (Masowien). 966 trat er zum lateinischen Christentum über. Sein Sohn Bolesław I. Chrobry (992–1025) gewann Kleinpolen (um Krakau), Schlesien, vorübergehend Mähren, die Westslowakei, Pommern und die Lausitz und stieß 1018 bis nach Kiew vor. 1025 ließ er sich zum König krönen.

Im 12. Jahrhundert zerfiel das Land in Teilfürstentümer. Pommern schied aus der losen Abhängigkeit aus, während Schlesien eine Sonderentwicklung nahm und sich um 1300 der böhmischen Lehnshoheit unterstellte. Seit dem 12. Jahrhundert versuchten Fürsten und kirchliche Institutionen, neue Siedler ins Land zu holen; die deutschen Neusiedler prägten vor allem das Bild der Städte. Zur Abwehr der heidnischen Prußen rief Konrad I. von Masowien 1226 den Deutschen Orden ins Land. Die Auseinandersetzung mit ihm und das Erstarken der Bürgerschaft und des Adels bestimmten die Entwicklung im 14. und 15. Jahrhundert maßgeblich.

Herzog Wladisław I. Łokietek errang zu Anfang des 14. Jahrhunderts die Oberherrschaft über ganz Polen und ließ sich 1320 in Krakau zum König krönen. Sein Sohn Kasimir III., der Große (1333–70), der letzte der Piasten auf dem polnischen Thron, verzichtete zugunsten des Deutschen Ordens auf Pommerellen (Westpreußen) und dehnte das Reich nach Südosten (Galizien, Wolhynien, Podolien) aus.

Durch die Heirat des Großfürsten Jagiełło von Litauen (als König von Polen Wladisław II., 1386–1434) mit der polnischen Königin Hedwig (Jadwiga) bestand zeitweise eine Personalunion zwischen Polen und Litauen, die 1569 in eine Realunion (eine Vereinigung beider Länder) umgewandelt wurde. Der Übermacht des Doppelreichs unterlag 1410 der Deutsche Orden bei Tannenberg und musste nach 13-jährigem Krieg 1466 Westpreußen mit dem Ermland an Polen abtreten und für das ihm verbliebene Ostpreußen die polnische Lehnshoheit anerkennen.

Nach dem Aussterben der Jagiellonen 1572 folgte bis 1795 die Periode des Wahlkönigtums, in der der König von den Adligen gewählt wurde. Die dadurch entstandene Rivalität zwischen einzelnen Fürsten führte zu einer Schwächung des Königtums, die mit den drei Polnischen Teilungen (1772, 1793 und 1795) endete, bei denen das Staatsgebiet zwischen Preußen, Österreich und Russland aufgeteilt wurde. Das durch Napoleon I. 1807 errichtete Herzogtum Warschau wurde auf dem Wiener Kongress verkleinert und als Kongresspolen in Personalunion mit Russland vereinigt. Aufstände zur Errichtung eines polnischen Nationalstaats wurden 1830, 1846, 1848 und 1863/64 blutig niedergeschlagen.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde 1918 die Republik Polen ausgerufen, deren Grenzen im Versailler Vertrag festgelegt wurden. 1926 errichtete Józef Piłsudski (1867–1935) ein autoritäres Regime. Der Zweite Weltkrieg, der mit dem deutschen Angriff auf Polen begann, brachte die erneute Aufteilung Polens zwischen Deutschland und der Sowjetunion.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Republik wiederhergestellt. Polen musste seine Ostgebiete an die Sowjetunion abtreten und wurde mit dem überwiegenden Teil der deutschen Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie und mit Danzig entschädigt. Die Volksrepublik Polen (1952–89) stand unter dem politischen und wirtschaftlichen Einfluss der Sowjetunion.

Im Zuge der Umwälzungen, die 1989 die Ostblockstaaten erfassten, endete auch in Polen die Alleinherrschaft der kommunistischen Partei; Wortführerin der Freiheitsbewegung war die 1980 gegründete und dann verbotene unabhängige Gewerkschaft »Solidarität« um Lech Wałęsa. 1989 wurde Tadeusz Mazowiecki zum ersten nichtkommunistischen Ministerpräsidenten des Landes gewählt, 1990 Wałęsa zum Staatspräsidenten. Im Oktober 2005 wurde Lech Kaczynski (* 1949) zum Präsidenten gewählt, der 2010 bei einem Flugzeugabsturz tödlich verunglückte. 2010–15 war Bronisław Maria Karol Komorowski (* 1952) Staatspräsident, sein Nachfolger wurde Andrzej Duda (* 1972). Seit 1999 ist Polen Mitglied der NATO, seit 2004 auch der Europäischen Union.

Basisdaten

Polen, Republik Polen, ein Staat in Europa; Mitgliedschaft: EU, NATO u. UN; Amtssprache: Polnisch; Hauptstadt: Warschau; Regierungssitz: Warschau; Staatsform: Parlamentarische Republik; Regierungssystem: Parlamentarische Demokratie; Staatsoberhaupt: Staatspräsident; Regierungschef: Ministerpräsident; Fläche: 312.679 km²; Einwohnerzahl: Knapp 40 Mill.; Währung: Złoty (Abk. PLN); Gründung: 960–992 n. Chr.; Unabhängigkeit: 18. Nov. 1918; Nationalhymne: Mazurek Dąbrowskiego; Zeitzone: UTC+1 MEZ u. UTC+2 MESZ (Mär. bis Okt.); Kfz-Kennzeichen: PL; Internet-TLD: .pl; Telefonvorwahl: +48.

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