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Peter Will (* 21. August 1896 in Schoonhoven; † zwischen 13. und 18. April 1945) war ein niederländischer Fleischbeschauer und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Er wurde vom NS-Regime zu Tode gebracht.

Leben

Will verteilte die illegale Untergrundzeitung Trouw und half abgeschossenen alliierten Piloten, sich zu verstecken. Er wurde, damals 47-jährig, im De­zem­ber 1943 in Nijmegen verhaftet und kam im Mai 1944 in das Durch­gangs­la­ger Amersfoort, wurde in der Folge nach Deutschland deportiert und musste – Nachforschungen seiner Familie zufolge – Sklavenarbeit in einer Außenstelle des KZ Neuengamme in Meppen-Versen im Emsland verrichten. Will gehörte im April 1945 zu einer großen Gruppe kranker und geschwächter Häftlinge, die von den deutschen Bewachern – aufgrund des Vorrückens alliierter Kräfte – mit einem Zug quer durch Norddeutschland geschickt wurden. Auf diesem Transport starben hunderte Häftlinge, darunter auch Peter Will.[1][2]

Sei­n ältester Sohn Bert, der selbst im Wi­der­stand ge­we­sen war und un­ter­tau­chen muss­te, und sein Sohn Pe­ter zeichneten den Le­bens­weg ihres Va­ters akri­bisch ge­nau nach und verfassten ein klei­nes Buch. Ih­re Re­cher­chen auf den Spu­ren des Va­ters führten sie in mehrere NS-​Ge­denk­stät­ten. „Lan­ge Jah­re stand die Su­che nach dem To­des­da­tum und dem Grab für die Fa­mi­lie im Mit­tel­punkt. Die Söh­ne fan­den her­aus, dass Pe­ter Will zwi­schen dem 13. und 18. April 1945 ge­stor­ben sein muss­te. Der Zug mit den er­krank­ten Häft­lin­gen war am 8. April zu­nächst in Rich­tung des KZ Ber­gen-​Bel­sen ge­star­tet und dann vor der vor­rü­cken­den Front über Bran­den­burg im Um­kreis von Ham­burg ge­kreist. Pe­ter Will war ei­ner der 300 To­ten, die am 18. April in ei­nem Mas­sen­grab in Bril­lit ver­gra­ben wur­den, ins­ge­samt star­ben über 800 Häft­lin­ge auf die­ser den To­des­mär­schen ähn­li­chen Zug­fahrt.“[1]

Massengrab, Ehrengrab

Die auf den Transporten Verstorbenen wurden in Massengräbern entlang der Bahnstrecken verscharrt, darunter auch Peter Will. „1954 fand ei­ne Um­bet­tung der 300 To­ten in Ein­zel­grä­ber statt. 1961 er­hielt die Fa­mi­lie ei­nen Fra­ge­bo­gen über Er­ken­nungs­zei­chen des Va­ters. An­hand der In­for­ma­tio­nen zu Kör­per­grö­ße, Kno­chen­brü­chen und zum Zahn­pro­fil ge­lang Ex­per­ten die Zu­ord­nung. So konn­ten die Ge­bei­ne von Pe­ter Will am 27. Sep­tem­ber 1966 auf ei­nem Eh­ren­feld im nie­der­län­di­schen Loe­nen be­stat­tet wer­den.“[1]

Abschiedsbrief

Will schrieb mutmaßlich 1944, einige Monate nach seiner Verhaftung, unmittelbar vor seiner Überstellung in ein deutsches Konzentrationslager, einen Abschiedsbrief an sei­ne Frau und die sechs Söh­ne. „Vermutlich hatte er gehofft, dass der Brief seine Familie etwa über Mitgefangene erreichen würde.“[2] Eine Reihe von Habseligkeiten ehemaliger Häftlinge im KZ Neuengamme war nach Kriegsende von britischen Soldaten in der Nä­he von Husum gefunden worden, wurde jedoch unter falschem Namen eingeordnet. Das Archiv wurde 1963 dem Internationalen Suchdienst (ITS) in Bad Arolsen übergeben, welchen heute mehrere Millionen an Dokumenten von Zwangsarbeitern und anderen NS-Verfolgten verwahrt. Aufgeklärt wurde der Irrtum nur durch einen Zufall: Eine Bekannte der Familie hatte das im Internet einsehbare Archiv durchforstet und war dabei auf die Brieftasche mit den Fotos seiner Familie gestossen. Sie konnte sie entsprechend zuordnen und ihr Hinweis ermöglichte sodann die feierliche Übergabe von Brief, Brieftasche und Fotos an die Nachkommen.

„Für uns hört die Geschichte nie auf, sie bleibt immer in den Gedanken“, erklärte Joop Will, der gemeinsam mit seinem älteren Bruder Peter (geboren 1928) und einer Enkelin des NS-Opfers zur Übergabe nach Bad Arolsen gekommen war. Pe­ter Will ju­n. be­rich­tete, die Fa­mi­lie ha­be 1949 vom Ge­mein­de­amt Ni­j­me­gen den Ehe­ring, ei­nen Füll­fe­der­hal­ter und eine Bibel seines Vaters aus­ge­hän­digt be­kom­men. Des­halb hät­ten sie nie ver­mu­tet, dass wei­te­re per­sön­li­che Ge­gen­stän­de er­hal­ten sein könn­ten. Über den Inhalt des engbeschriebenen Briefs wollen die Hinterbliebenen öffentlich nicht sprechen, weil dieser sich „ganz persönlich nur an die Familie gerichtet habe“.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 Damals: Söhne erhalten nach 72 Jahren den Abschiedsbrief des Vaters, abgerufen am 20. November 2015
  2. 2,0 2,1 Mitteldeutsche Zeitung: Familie erhält nach 70 Jahren Abschiedsbrief, 12. November 2015



Fairytale kdmconfig Profil: Will, Peter
Beruf niederländischer Fleischbeschauer und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus
Persönliche Daten
Geburtsdatum 21. August 1896
Geburtsort Schoonhoven, Niederlande
Sterbedatum zwischen 13. April 1945 und 18. April 1945
Sterbeort Deutschland
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