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Paul Rost (* 12. Juni 1904 in Deutschenbora; † 21. März 1984 in Dresden) war ein deutscher Polizeibeamter, der an der „Aktion T4“ und der „Aktion Reinhardt“ beteiligt war.

Leben

Geboren als Sohn eines Schuhwarenhändlers in Deutschenbora, einem heutigen Ortsteil von Nossen, zog die Familie 1908 nach Meißen, wo Rost nach dem Besuch der Volksschule das Fleischerhandwerk erlernte.

Polizeidienst

Nach einigen Jahren orientierte sich Paul Rost vermutlich aufgrund der gegebenen ökonomischen Sicherheiten um, besuchte ab 1925 die Polizeischule in Meißen und wurde 1926 in den Sächsischen Polizeidienst übernommen. Ab 1935 war er für die Schutzpolizei tätig und wurde in dieser Funktion am 21. Mai 1940[1] als Polizeimeister seitens des Sächsischen Innenministeriums für eine Sonderaufgabe zur Verfügung gestellt. Rückwirkend wurde Rost nach einem Aufnahmeantrag vom 19. Oktober 1937 zum 1. Mai 1937 in die NSDAP unter der Mitgliedsnummer 5329148 aufgenommen. In die Allgemeine SS trat er erst am 1. Dezember 1940 als Untersturmführer mit der Mitgliedsnummer 382366 ein.

Aktion T4 und Aktion Reinhardt

Diese Sonderaufgabe bestand darin, in der zum 28. Juni 1940 offiziell in Betrieb genommen Landes- Heil- und Pflegeanstalt Sonnenstein in Pirna das zum Absperrdienst benötigte Polizeikommando zu leiten bzw. disziplinarisch zu beaufsichtigen sowie als Transportleiter der Busstaffel bei der Abholung der Kranken aus den Zwischenanstalten zu wirken.

Nach der überraschenden Einstellung der Aktion T4 zum 24. August 1941, verblieb Rost vorerst mit dem größten Teil des Personals vor Ort in Pirna und machte nach eigener Aussage „nur noch Verlegungstransporte“.[2] Beim sog. Sanitätseinsatz Ost scheint er nicht involviert gewesen zu sein, jedoch wurde Paul Rost schon Anfang 1942 zum Einsatzstab der Aktion Reinhardt nach Lublin versetzt. Von wo er im März 1942 als einer der ersten T4-Männer in das Vernichtungslager Sobibor versetzt wurde und kurzzeitig das Amt des stellvertretenden Kommandanten ausübte. Anschließend, d. h. nach Inbetriebnahme des Lagers, führte er dort im sog. Lager II die Aufsicht über das jüdische Arbeitskommando. Mitte des Jahres 1942 will Rost zu einem Katastropheneinsatz im Westen kommandiert worden sein, jedoch sagte der Wachmann Willi Großmann 1963 im Belzec-Prozess[3] aus, dass Rost 1943 im Vernichtungslager Treblinka gewesen sei. Weiterhin ist für Rost ein Einsatz als Angehöriger des Gendarmeriepostens in Buczacz/Distrikt Galizien bei der Auflösung des dortigen Ghettos im April und Mai 1943 vorstellbar.[4] Dort wurden zu diesem Zeitpunkt über 1300 Menschen durch die SiPo erschossen.

Operationszone Adriatisches Küstenland

Nach Beendigung der Aktion Reinhardt wurde Rost im Dezember des Jahres 1943, wie auch der Großteil des Personals der „Aktion Reinhardt“, in den adriatischen Küstenraum nach Triest versetzt. Unter Christian Wirth, der jetzt unter Odilo Globocnik Inspektor der „Sonderabteilung Einsatz R“ des SS- und Polizeiapparats in der Operationszone Adriatisches Küstenland war, will Paul Rost dort nach eigener Aussage der Wirtschaftspolizei angehört haben. Diese Aussage ist aufgrund der tatsächlichen Kenntnis über die „Sonderabteilung Einsatz R“ zu bezweifeln, da in einem Vorort von Triest durch die ehemaligen T4- bzw. Aktion-Reinhardt-Mitarbeiter das KZ Risiera di San Sabba betrieben wurde. In diesem Konzentrationslager, einer ehemaligen Reismühle, wurden bis zu 5.000 jüdische Häftlinge und Partisanen ermordet. Rost selbst wurde 1944 noch zum Leutnant befördert.

Nach Kriegsende

Paul Rost geriet 1945 in Österreich in amerikanische Gefangenschaft und war kurzzeitig im Lager Habach interniert, wobei er dort Walter Nowak[5] wieder traf. Von hier wurde er jedoch schon nach kurzer Zeit entlassen und kam nach Dresden zu seiner Familie zurück. Kurz darauf nahm ihn dort 1946 die Sowjetische Armee in Untersuchungshaft. Paul Rost wurde im gleichen Jahr im Rahmen des Dresdner Euthanasie-Prozesses nur kurz vernommen und anschließend wieder auf freien Fuß gesetzt. Aus unbekannten Gründen unterblieb eine weitere Strafverfolgung. Ebenso lehnte die DDR 1971 eine Zeugenvernehmung von Rost im Zusammenhang mit dem Prozess des Landgerichts Frankfurt am Main gegen den Direktor der Tötungsanstalt Sonnenstein Horst Schumann ab.

Rost arbeitet nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft, im September 1946, als Bauhilfsarbeiter in Dresden – wo er auch verstarb. Er war seit 1931 verheiratet und hatte vier Kinder.

Literatur

  • Ernst Klee: „Euthanasie“ im Dritten Reich. Die „Vernichtung lebensunwerten Lebens“. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-569-18674-7
  • Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich: Wer war was vor und nach 1945. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2005. ISBN 3-596-16048-0
  • Christine Pieper, Mike Schmeitzner, Gerhard Naser (Hrsg.): Braune Karrieren. NS-Protagonisten in Sachsen am Beispiel Dresdens. Sandstein Verlag, Dresden 2012, ISBN 978-3-942422-85-7
  • Kuratorium Gedenkstätte Sonnenstein e. V. (Hrsg.): Von den Krankenmorden auf dem Sonnenstein zur "Endlösung der Judenfrage" im Osten. In: Sonnenstein. Beiträge zur Geschichte des Sonnensteins und der Sächsischen Schweiz. Heft 3, 2001, ISBN 3-9809880-2-3

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Scharnetzky: Paul Rost und Helmut Fischer. Von den Krankenmorden auf dem Sonnenstein zur Shoa in Polen und Italien. In: Pieper/Schmeitzner/Nasser (Hrsg.): Braune Karrieren. Dresden 2012 S. 173
  2. Böhm: „Karrieren“ – Vom Sonnenstein in die Vernichtungslager. In: Sonnenstein Heft 3/2001 S. 138
  3. Böhm: „Karrieren“ – Vom Sonnenstein in die Vernichtungslager. In: Sonnenstein Heft 3/2001 S. 139
  4. Böhm: „Karrieren“ – Vom Sonnenstein in die Vernichtungslager. In: Sonnenstein Heft 3/2001 S. 139
  5. Böhm: „Karrieren“ – Vom Sonnenstein in die Vernichtungslager. In: Sonnenstein Heft 3/2001 S. 112 Anm. 9


Fairytale kdmconfig Profil: Rost, Paul
Beruf deutscher Polizeibeamter, verantwortlich für Massenmorde an Behinderten und Juden im Nationalsozialismus
Persönliche Daten
Geburtsdatum 12. Juni 1904
Geburtsort Deutschenbora
Sterbedatum 21. März 1984
Sterbeort Dresden
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