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PROvokativpädagogik ist eine von der österreichischen Juristin, Psychotherapeutin und Psychoanalytikerin Rotraud A. Perner entwickelte und von ihr während ihrer Professur für Kommunalprävention und Gesundheitskommunikation an der Donau-Universität Krems[1] als Masterstudium (Abschluss MA) implementierte Methode zur Verminderung von Aggression und Gewalt und zur salutogenen Bewältigung von interpersonellen Hochstress-Situationen primär im Schulunterricht aber auch in anderen konfliktträchtigen Berufssituationen.

Die Bezeichnung PROvokativpädagogik soll in Angrenzung zu dem Vorwurf, man wäre zu Aggression und Gewalt „provoziert“ worden, die Möglichkeit eines alternativen, prosozialen Umgangs in schulischen oder ähnlichen Machtsituationen vermitteln, in denen sich folgenträchtige Fehlkommunikation anbahnt.

Geschichte

Das Masterstudium PROvokativpädagogik basiert auf der dreijährigen Ausbildung in Psychoanalytischer Sozialtherapie, die in den 1970er Jahren von den Wiener Psychoanalytikern Harald Picker, Max Kompein und Klaus Rückert in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt der Stadt Wien zur speziellen Befähigung von Heimerziehern zur Arbeit in therapeutischen Wohngemeinschaften aufgebaut wurde. In weiterer Folge wurde diese Ausbildung für psychotherapeutisch wirksame Interventionen „im Feld“ spezifiziert.

Im Rahmen der Forschungen in Perners Institut für Stressprophylaxe & Salutogenese (ISS) zur Stressbelastung von Pflichtschul-Lehrkräften (s. die Bücher „Mut zum Unterricht“ und „Feindbild Lehrer?“) wurde deutlich, dass diese Tools zur Bewältigung von gewaltträchtigen Kommunikationssituationen sowohl die Schülerschaft als auch die Elternschaft benötigten.

Rotraud A. Perner, die während ihrer Tätigkeit (1977 – 1986) als Führungskraft im Verein Jugendzentren der Stadt Wien[2] neben der psychoanalytischen noch weitere Psychotherapieausbildungen, darunter auch in Systemischer Paar- und Sexualtherapie,[3] absolviert und in mehreren von ihr (mit)begründeten Beratungseinrichtungen umgesetzt sowie am seinerzeitigen Zentrum für die schulpraktische Ausbildung (jetzt Institut für Bildungswissenschaft) der Universität Wien jahrelang „Didaktik der Gewaltprävention unter besonderer Berücksichtigung der Geschlechterdifferenz“ gelehrt hatte, erweiterte in der Folge das psychoanalytisch konzipierte Modell von Sozialtherapie mit personzentrierten, konstruktivistischen, systemisch- und hypnotherapeutischen Ansätzen und gab der neuen Methodik den Namen PROvokativpädagogik.

Berührungspunkte zur sogenannten Provokativen Therapie nach Frank Farelly ergeben sich dabei nur im kritischen Vergleich der Interventionsbeispiele.

Der Ansatz der PROvokativpädagogik vereint unterschiedliche Interventionsschritte, die alle darin wurzeln,

  • Aggression als „Spielangebot“ an Stelle von „Kampfangebot“ verstehen zu wollen,
  • im Vergleich mit einem Pianisten davon auszugehen, dass Lehrkräfte „mit der rechten Hand die Wissensinhalte = Melodie, mit der linken die Beziehungsform = Rhythmik“ vermitteln können, und
  • den Grundsatz zu vertreten, ,„verhaltensauffällige Schüler brauchen verhaltensauffällige Lehrer“, um den Stressfaktor der Dominanzkämpfe durch „Kommunikation auf Augenhöhe“ auszugleichen.

Masterstudium und Aus-, Fort- und Weiterbildungen

Zunächst wurde die Methode der PROvokativpädagogik an der Donau-Universität Krems als Masterstudium gelehrt. Allmählich wurde die ursprüngliche Konzeption weitgehend in Richtung Migration verändert, mit entsprechenden Umbesetzungen des Lehrkörpers und unter dem neu gewählten Titel Provokationspädagogik, der allerdings eine hohe Verwechslungsgefahr in sich birgt.

Ab März 2015 wird das originale Masterstudium PROvokativpädagogik, mit der zusätzlichen Weiterentwicklung zur PROvokativmethodik, an der Uni for Life / Karl-Franzens-Universität Graz (Abschluss MSc) angeboten.[4]

Literatur

  • Iris Appiano-Kugler / Traude Kogoj (Hg.): Going Gender and Diversity. Facultas. wuv, Wien 2008.
  • Michael Benesch: Psychologie des Dialogs. Facultas. WUV, Wien 2011.
  • Alfred Kirchmayr: Witz und Humor. Vitamine einer erotischen Kultur. Edition va bene, Wien - Klosterneuburg 2006.
  • Alfred Kirchmayr: Rettet die Purzelbäume. Kinderwitz und Lebenskunst. Edition va bene, Wien - Klosterneuburg 2009.
  • Andreas Klein: "Die Wahrheit ist irgendwo da drinnen ...?" Zur theologischen Relevanz (radikal-) konstruktivistischer Ansätze unter besonderer Berücksichtigung neurobiologischer Fragestellungen. Neukirchener-Verlag, Neukirchen-Vluyn 2003.
  • Andreas Klein: Willensfreiheit auf dem Prüfstand. Ein anthropologischer Grundbegriff in Philosophie, Neurobiologie und Theologie. Neukirchener-Verlag, Neukirchen-Vluyn 2009.
  • Andreas Klein: Neuroethics, in: Anna Felnhofer / Oswald D. Kothgassner / Ilse Kryspin-Exner (Hg.): Ethik in der Psychologie. Facultas. WUV, Wien 2011.
  • Andreas Klein / Ulrich H.J. Körtner: Die Wirklichkeit als Interpretationskonstrukt? Herausforderungen konstruktivistischer Ansätze für die Theologie. Neukirchener-Verlag, Neukirchen-Vluyn 2011.
  • Rotraud A. Perner: Hand Herz Hirn (Taschenbuchausgabe). edition roesner, Mödling - Maria Enzersdorf 2014.
  • Rotraud A. Perner: Wort auf Rezept. Plädoyer für heilsames Sprechen und gewaltverzichtende Kommunikation (Taschenbuchausgabe). edition roesner, Mödling - Maria Enzersdorf 2012.
  • Rotraud A. Perner: PROvokativpädagogik. Das Konzept. Ein Skriptum. Aaptos Verlag, Wien 2010. vergriffen
  • Rotraud A. Perner / Manfred Pawlik (Hg.): PROvokativpädagogik. LIT Verlag, Münster 2010.
  • Rotraud A. Perner (Hg.): Feindbild Lehrer? Aaptos Verlag, Wien 2009.
  • Rotraud A. Perner (Hg.): Wege aus Gewalt und Abhängigkeit. Aaptos Verlag, Wien 2007.
  • Rotraud A. Perner (Hg.): Mut zum Unterricht. Was Lehrkräfte wirklich stresst. Aaptos Verlag, Wien 2007.
  • Rotraud A. Perner: Die Wahrheit wird euch frei machen. Sexuelle Gewalt im kirchlichen Bereich ... und anderswo. Prävention – Behandlung – Heilung. Gezeiten Verlag, Wien 2006.
  • Rotraud A. Perner / Elfriede Preschern (Hg.): Ich will wissen! Lust & Lernen. Löcker Verlag, Wien 1998.
  • Rotraud A. Perner: Scham macht krank. Sexualpädagogik – Sexualberatung – Sexualtherapie. Aaptos Verlag, Wien 1997. vergriffen
  • Harald Picker: Statt Leistungszwang Erlaubnis zum Gefühl. Schriften zur psychoanalytischen Sozialtherapie. Österreichische Arbeitsgemeinschaft für Sozialtherapie, Wien 1985.
  • Wolfgang Wilhelm: Coaching Gender. Supervision und Coaching auf dem Weg zwischen den Geschlechtern. VDM Verlag, Saarbrücken 2007.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. [1]
  2. [2]
  3. [3]
  4. [4]
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