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Der Norddeutsche Kriegsschauplatz im Großen Nordischen Krieg bezeichnet den territorialen Rahmen der Kampfhandlungen um die schwedischen Besitzungen Schwedisch-Wismar, Bremen-Verden und Schwedisch-Pommern im Zeitraum von 1711 bis 1716. Weitere direkt und indirekt einbezogene Territorien waren das Herzogtum Mecklenburg, das schwedische Holstein-Gottorp, das mit Dänemark verbundene Herzogtum Oldenburg und die freie Reichsstadt Hamburg. Zum Norddeutschen Kriegsschauplatz gehören des weiteren die Kriegsteilnehmer auf Seiten der Nordischen Allianz Kursachsen, Kurhannover und das Königreich Preußen.

Dänemark und das Zarentum Russland beteiligten sich ebenfalls aktiv an den Kampfhandlungen auf dem Norddeutschen Kriegsschauplatz.

Kriegsverlauf in Norddeutschland

Norddeutscher Kriegsschauplatz zwischen 1711 und 1715 Schweden war seit 1648 ein souveränes Mitglied des Heiligen Römischen Reichs und besaß mehrere Besitzungen in Norddeutschland. Bereits im Zweiten Nordischen Krieg und im Nordischen Krieg von 1674 - 1679 wurden diese Besitzungen von seinen Kriegsgegnern angegriffen. Schweden baute in den Friedensjahren die Befestigungen in Norddeutschland aus und unterhielt starke Söldnertruppen zur Sicherung der Gebiete.

1700 geriet Norddeutschland im Schwedisch-dänischen Krieg kurzzeitig in den Fokus, als eine alliierte Armee aus Niederländern, mehreren Reichsfürsten, Dänen und Schweden in Norddeutschland operierten. Dabei fanden allerdings kaum Kampfhandlungen statt, da bereits nach wenigen Monaten der Frieden von Traventhal den Krieg in Norddeutschland vorerst beendete.

Bis zur Kriegswende in Folge der Schlacht bei Poltawa 1709 blieb Norddeutschland von weiteren Kampfhandlungen verschont. Dies änderte sich aber mit dem Verlust der schwedischen Offensivkraft und seinen Stützpunkten in Polen-Litauen, so dass seine Besitzungen in Norddeutschland von den schwedischen Kriegsgegnern angegriffen werden konnten.

Während Russland 1710 und 1711 die verbliebenen schwedischen Festungen in Schwedisch-Livland und Schwedisch-Estland erobert hatte und in den Folgejahren auch ganz Finnland unter seine Kontrolle brachte, gestaltete sich die Eroberung der schwedischen Besitzungen in Norddeutschland wesentlich schwieriger. Grund dafür waren die starken Festungsanlagen der Festung Wismar, der Festung Stralsund und der Festung Stettin. Zudem beherrschten die Schweden die südliche Ostsee und konnten mehrfach Nachschub und frische Truppen anlanden, um die Belagerungsanstrengungen der Alliierten zu durchkreuzen. Die Dänen, Russen und Sachsen mussten ihrerseits lange Anmarschwege in Kauf nehmen. Obwohl die Verbündeten an diesem Kriegsschauplatz zum ersten und einzigen Mal koordiniert abgestimmt auftraten, verzögerten Unstimmigkeiten und gegenseitiges Misstrauen ein wirkungsvolleres Vorgehen, so dass sie drei Anläufe benötigten, um die letzten schwedischen Bastionen in Schwedisch-Pommern zu erobern. Erst der Kriegseintritt Hannovers und Preußens 1715 brachte der Koalition endgültig die militärische Oberhand.

In den Friedensverträgen ergaben sich in Norddeutschland erhebliche territoriale Veränderungen von denen Preußen und Kurhannover profitierten.

Geografie und Besonderheiten

Die Norddeutsche Tiefebene und die Ostseeküste gliedern den Kriegsraum. Die lange Küstenlinie mit seinen vorgelagerten Inseln sorgte für eine nördliche Begrenzung der operativen Bewegungen der Streitkräfte. Der südliche Raum wurde durch politische Grenzen stark gegliedert, wobei neutrale Staaten wie das Herzogtum Mecklenburg oder Hamburg dennoch von den Armeen beider Seiten durchzogen wurden. Insgesamt schränkte die starke geografischen Gliederung die Manövriermöglichkeiten für Feldarmeen auf dem Kriegsschauplatz stark ein. Dies wurde der schwedischen Armee im Stenbockschen Feldzug 1713 zum Verhängnis.

Bei den Feldzügen verbreiteten die Armeen ihrerseits die aus dem Osten kommende Pest und sorgten für hohe Todesraten unter der Zivilbevölkerung.

Der Norddeutsche Kriegsschauplatz gehört zu den intensiven Kampfzonen des Großen Nordischen Krieges. Die eingesetzten Truppen erreichten hier insbesondere bei den Belagerungen ähnliche Stärken wie in Westeuropa zu dieser Zeit, während auf dem Livländisch-Estnischen Kriegsschauplatz oder in Finnland die Zahl der Kriegskombattanten deutlich geringer war und kaum über mehrere Tausend Soldaten auf einer Kriegsseite hinausging.

Insgesamt 17 größere Belagerungen, Seegefechte und Schlachten fanden zwischen 1711 bis 1716 in Norddeutschland statt. Belagerungen dominierten das Kriegsgeschehen. Auch mehrere große Seeschlachten in Küstennähe fanden statt, wobei diese keinen Entscheidungscharakter hatten. Für Schweden war die dauerhafte Verteidigung ein besonderes logistisches Problem, da die dänische Flotte mehrfach Nachschubflotten vernichteten beziehungsweise wirksam von einer Anlandung abhielten.

Literatur

  • R.C. Anderson: (Englisch) R.C. Anderson: Naval wars in the Baltic (Roger Charles), 1883, veröffentlicht 1910
  • Anders Fryxell: Geschichte Karl des Zwölften. Neue Ausgabe. Senf, Leipzig 1865
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