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Bei dem NS-Raubgut von Wałbrzych soll es sich um von Nationalsozialisten geraubtes Gold, Kunstschätze oder Industriematerialien handeln, die in einem gepanzerten, seit dem Zweiten Weltkrieg vermissten Sonderzug in einem Stollen nahe der polnischen Stadt Wałbrzych (Waldenburg) versteckt seien.[1] Die Geschichte von dem „Nazi-Zug“ kam erstmals in den 1970er Jahren auf. Es gibt bis heute keine belastbaren Beweise für die Existenz dieses gesamten Zuges.

Ort

Wałbrzych befindet sich in der Woiwodschaft Niederschlesien. Nördlich der Stadt liegt das größte Schloss Schlesiens, das Schloss Książ (früher Schloss Fürstenstein). Die Nationalsozialisten errichteten während des Zweiten Weltkrieges ein Tunnelsystem unterhalb des Schlosses, das zum Projekt Riese (Ausweichkomplex zur Wolfsschanze) gehörte.

Geschichte

Ende des Zweiten Weltkrieges sollen führende Nazis von Breslau einen Zug Richtung Südwesten auf die Strecke geschickt haben. Der Zug soll vollbeladen gewesen sein mit rund 300 Tonnen Gold, Kunstwerken und Schmuck. Irgendwo bei Waldenburg, dem heutigen Wałbrzych, soll der Zug in einem unterirdischen Stollen der Gegend verschwunden sein. Von der Hauptbahnstrecke soll, der Legende nach, unter anderem ein Nebengleis unterirdisch zum Schloss Książ gelegt worden sein.

Verbürgt ist, dass tausende Zwangsarbeiter aus dem nahen Außenlager des KZ Groß-Rosen einen Lift von der hoch gelegenen Burganlage in den Felsen trieben und darunter die Schutzbunker und Stollen des Komplexes Riese aushoben.[2]

Polens stellvertretender Kulturminister Piotr Żuchowski hatte 2015 als ursprüngliche Quelle dieser Geschichte einen Mann genannt, der an seinem Sterbebett erzählt haben soll, er habe geholfen, den Zug zu verstecken.[3]

Fund 2015

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Ein Pole und ein Deutscher wollen einen 120 bis 150 m langen Panzerzug bei Wałbrzych gefunden haben, berichtete Der Spiegel Ende August 2015.[4] Bei den beiden handelt es sich um Piotr Koper und Andreas Richter.[5][6] Sie beanspruchen über ihren Anwalt 10 Prozent des Gutes als Finderlohn. Zwischen Kilometer 61 und 65 der Bahnstrecke Wrocław–Wałbrzych, nahe Wałbrzych, soll der „goldene Zug“ (auf polnisch: złoty pociąg) in 70 m Tiefe[7] liegen.[2] Behörden warnten Schatzsucher vor möglichen Minen in den unterirdischen Tunneln und die Polizei sicherte die Gegend.[8]

„Wir betrachten diesen angeblichen Fund mit höchster Vorsicht. Wir wissen sehr gut, dass es im Laufe der letzten Jahrzehnte sehr viele solche Informationen gab, sie haben sich fast nie, und wenn überhaupt, dann äußerst selten, bestätigt“, sagte der Bürgermeister von Wałbrzych, Roman Szelemej.[9][10] Die Stadt traf Vorkehrungen, dass von überall her angereiste Schatzsucher nicht den Wald um den Ort herum durchgraben.

In der Nacht zum Montag, dem 31. August 2015 gab des in der Nähe der Fundstelle einen Waldbrand, bei dem 200 m² Wald vernichtet wurden.[11]

Hingegen ist der polnische Denkmalschützer Piotr Żuchowski nach Ansicht eines Georadarbildes, „zu 99 Prozent sicher“, dass in der Gegend um Wałbrzych tatsächlich ein gepanzerter Nazi-Zug gefunden wurde. Die polnische Kulturministerin Małgorzata Omilanowska bestätigte: „Die Wahrscheinlichkeit, dass da etwas ist, ist groß.“[4] Tomasz Smolarz, der Leiter der Bezirksregierung in Breslau, hat Zweifel an der Existenz des Fundes angemeldet und die Existenz von Georadaraufnahmen dementiert: „Wir können nicht sicher sagen, dass der so genannte goldene Zug sich in der Umgebung von Wałbrzych befindet“, sagte Tomasz Smolarz, der Leiter der Bezirksregierung in Breslau. Die Dokumente, die der Bürgermeister von Wałbrzych von den Findern des angeblichen deutschen Panzerzugs erhalten habe, enthielten keine Georadar-Aufnahmen. Er ließ verlauten: „Alle Informationen stützen sich auf einen Mitteilung von ein paar Seiten und eine unleserliche Karte.“[12] Am 1. September 2015 hat der polnische Verteidigungsminister Tomasz Siemoniak technische Hilfe bei der Suche nach dem vermuteten Panzerzug mittels Bodenradar zugesagt.[13][14] Der Chef der niederschlesischen Bezirksverwaltung, Cezary Przybylski, forderte den Verbleib des Zuges in Niederschlesien.[15] Die Spekulationen über den Inhalt des Zuges reichen bis zu 300 Tonnen Gold, Diamanten, Schmuck und Kunstschätze, einschließlich des Bernsteinzimmers.[16]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Zweiter Weltkrieg: Verschollener Nazi-Zug hält Polen in Atem. In: zeit.de. 31. August 2015, abgerufen am 1. September 2015 (Video-Beitrag).
  2. 2,0 2,1 Paul Flückiger: Auf der Suche nach dem Nazi-Schatz. In: tagesspiegel.de. 28. August 2015, abgerufen Format invalid.
  3. Angeblicher Fund von Nazi-Zug in Polen: Hobby-Schatzsucher strömen nach Walbrzych. In: Spiegel Online. 30. August 2015, abgerufen am 31. August 2015.
  4. 4,0 4,1 cgu/aar/dpa/AFP: Aufregung um angeblichen Fund: Das Rätsel um den gepanzerten Nazi-Zug in Polen. In: Spiegel Online. 31. August 2015, abgerufen am 31. August 2015.
  5. 'Nazi-Zug' in Polen: Den Schatzsuchern könnte juristischer Ärger drohen. In: rp-online.de. 7. September 2015, abgerufen am 7. September 2015.
  6. Ist das der angebliche Beweis? : Mysteriöses Bild: Vermeintliche Nazi-Zug-Entdecker zeigen Georadaraufnahme. In: Focus Online. 5. September 2015, abgerufen am 7. September 2015.
  7. Aufregung in Niederschlesien: "Irgendwas ist da unter der Erde": Nazi-Zug versetzt Schatzsucher in Euphorie. In: Focus Online. 31. August 2015, abgerufen am 31. August 2015.
  8. Nazi-Zug: Nächtlicher Brand am mutmaßlichen Fundort. In: hna.de. 31. August 2015, abgerufen am 31. August 2015.
  9. Geschichte: Keine sicheren Beweise für Existenz von Zug mit Nazi-Gold. In: Focus Online. 31. August 2015, abgerufen am 31. August 2015.
  10. tagesschau.de: Zwischen Wahrheit und Dichtung: Die Legende vom Nazi-Zug. In: tagesschau.de. 31. August 2015, abgerufen am 31. August 2015.
  11. Feuer im Wald mit dem Nazi-Zug voll Gold, Die Welt, 31. August 2015
  12. Keine Georadar-Aufnahmen vorhanden: Krisenstab fordert Beweise für Nazi-Zug. In: n-tv.de. 1. September 2015, abgerufen am 1. September 2015.
  13. gam/dpa: Polen: Militärexperten sollen angeblichen Nazi-Zug aufspüren. In: Spiegel Online. 1. September 2015, abgerufen am 1. September 2015.
  14. Lukas Praller: Hitlers Nazi-Zug: Heiße Spuren entdeckt – Welt. In: merkur.de. 1. September 2015, abgerufen am 1. September 2015.
  15. Experten nutzen Bodenradar: Militär soll nach dem Nazi-Zug suchen. In: n-tv.de. 1. September 2015, abgerufen am 2. September 2015.
  16. Ellen Ivits: Nazigold in Polen: Drei Parteien streiten schon jetzt um den Schatz im Nazi-Zug. In: stern.de. 1. September 2015, abgerufen am 2. September 2015.
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