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Muhammad Sameer Murtaza (* 25. Oktober 1981) ist ein pakistanisch-deutscher Islam- und Politikwissenschaftler, islamischer Philosoph und Buchautor. Seit 2010 ist er als Islamwissenschaftler und erster Muslim bei der Stiftung Weltethos tätig.

Leben

Muhammad Sameer Murtaza begann im WS 2004/2005 sein Studium der Islamkunde, islamischen Philologie und Politikwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Nach Abgabe seiner Magisterarbeit über die ägyptische Muslimbruderschaft 2011 begann er mit seiner Doktorarbeit, die einen Vergleich zwischen Friedrich Nietzsches Übermenschen und Muhammad Iqbals mard-e-momin vorsieht.

Von 2006 bis 2008 arbeitete er am Kompetenzzentrum Orient-Okkzident (KOOM) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Im Sommer 2007 übernahm er die Leitung des Seminars Politische Strömungen im Islam am Zentrum für wissenschaftliche Weiterbildung an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seit 2010 ist er externer Mitarbeiter der Stiftung Weltethos.[1]

Forschungsschwerpunkte

Es lassen sich in Murtazas Forschen drei Schwerpunkte ausmachen. Zum einen erforscht er die gegenwärtigen Strömungen im sunnitischen Islam, insbesondere die Salafiyya. Hierzu entwickelte er eine differenzierte Typologie, in der die historischen Bedingungen für das Entstehen des Phänomens Salafiyya berücksichtigt werden. Er vergleicht verschiedene Salafiyya-Bewegungen miteinander hinsichtlich ihres Entstehungskontextes, ihrer Genese und ihren inhaltlichen Positionen. Demnach lassen sich unter den Begriff Salafiyya vier Richtungen ausmachen: 1) die literalistische Salafiyya (Bsp. Wahhabismus), die reformistische Salafiyya (Bsp. Dschamal ad-Din al-Afghani und Muhammad Abduh), die ideologische Salafiyya (Bsp. Muslimbrüder) und die literalistisch-ideologische Salafiyya (Bsp. Hizb ut-Tahrir). Murtaza kommt zu dem Schluss, dass sich durch eine solche Betrachtung der Salafiyya durchaus Parallelen zur Entstehung des Protestantismus ausmachen lassen.[2]

Ein zweiter Schwerpunkt bildet die Restauration und Fortschreibung der islamischen Philosophie, um zu einem postsalafistischen Islamverständnis zu gelangen. Hierbei stützt er sich vor allem auf die Arbeiten von Dschamal ad-Din al-Afghani, Muhammad Iqbal, Abdoldjavad Falaturi und Murad Hofmann, aber auch auf nicht-muslimische Philosophen wie Friedrich Nietzsche und Erich Fromm. Hierzu veröffentlichte er die beiden Monographien "Islamische Philosophie und die Gegenwartsprobleme der Muslime: Reflexionen zu dem Philosophen Jamal Al-Din Al-Afghani" und "Islam. Eine philosophische Einführung und mehr...".

Der dritte Schwerpunkt stellt die Erstellung eines aktualisierten Toleranzkonzepts im Islam dar, wobei Murtaza den Weltethos-Gedanken von Hans Küng in den Islam mit aufnimmt. In den vergangenen Jahren betonte Murtaza insbesondere die Bedeutung des jüdisch-muslimischen Dialogs und dekonstruierte den islamisch verbrämten Antisemitismus.[3]

Insbesondere seine Dekonstruktion des Wahhabismus,[4] aber auch des liberalen Islams[5] fand über die muslimische Gemeinschaft Deutschlands hinaus Beachtung.

Für den Zentralrat der Muslime initiierte und leitete er von 2011 bis 2014 das Projekt "Das Grundgesetz im (Migrations-) Vordergrund", das parteipolitisch weite Unterstützung fand.

Werke

Wissenschaftliche Aufsätze

Artikel

Bücher

  • Lawrence von Arabien und die Neugestaltung des Nahen Osten. Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-1202-6. Rezension, in: Cube-Mag. März 2010. Jörg Beyer Rezension, in: Muslimische-Stimmen. Juni 2009.
  • mit Andrea Köck: Muslime im Krankenhaus. Ein interreligiöser Ratgeber für das Krankenpflegepersonal. Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8391-1741-5.
  • Die ägyptische Muslimbruderschaft - Geschichte und Ideologie. Berlin 2011, ISBN 978-3-942972-06-2. Christian Wolff: Rezension, in: H-Soz-u-Kult 20. Dezember 2011.
  • Islamische Philosophie und die Gegenwartsprobleme der Muslime. Reflexionen zu dem Philosophen Jamal Al-Din Al-Afghani. Tübingen 2012, ISBN 978-3-89930-371-1.
  • Islam. Eine philosophische Einführung und mehr... Norderstedt 2014, ISBN 978-3-7322-9828-0. Murad Hofmann: Rezension, Internet: islam.de 7. Juni 2014.

Einzelnachweise

  1. http://www.vorwaerts.de/67820/muhammad-sameer-murtaza.html
  2. „Mohammeds Erben“: Was ist der Salafismus – und warum wurde er zu einer gewalttätigen Ideologie? In: Die Zeit. 28. Juni 2012, abgerufen am 30. Mai 2014.
  3. islam.de
  4. zeit.de
  5. islam.de



Fairytale kdmconfig Profil: Murtaza, Muhammad Sameer
Beruf pakistanisch-deutscher Islam- und Politikwissenschaftler, islamischer Philosoph und Buchautor
Persönliche Daten
Geburtsdatum 25. Oktober 1981
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