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Mohammed, Muhammad [arabisch -ˈxa-], Stifter des Islam mit dem islamischen Ehrentitel »der Gesandte Gottes (Allahs)«, *  Mekka um 570, †  Medina 8.6.632; gehörte zur Sippe Haschim des mekkanischen Stammes Koraisch. Sein Vater Abdallah starb vor seiner Geburt, die Mutter Amina verlor er als Kind. Er wuchs bei seinem Großvater Abd al-Muttalib (†  579) und nach dessen Tod bei seinem Onkel Abu Talib (†  um 619; Vater des Ali Ibn Abi Talib) auf. Mohammed beteiligte sich wahrscheinlich an Handelszügen der Koraisch in den Norden, vielleicht bis nach Syrien. Um 595 heiratete er die ältere, wohlhabende Witwe Chadidja. Von ihren gemeinsamen Kindern überlebten vier Töchter, darunter Mohammed.

Im Islam strebt der Gläubige danach, nach seinem Tod ins Paradies zu gelangen. Auf seiner Himmelsreise durfte Mohammed, geleitet von dem Engel Gabriel, bereits einen Blick hineinwerfen. Weil Menschen und Tiere nach islamischen Glaubensvorstellungen nicht abgebildet werden dürfen, wird Mohammeds Gesicht in der Regel nicht gezeigt.

Um 610 glaubte Mohammed sich durch Gesichte und Stimmen zum »Gesandten Gottes« berufen. Die wahrscheinlich älteste Äußerung dazu bildet nach traditioneller Auffassung der Anfang der Sure 96 des Korans. Nach Zweifeln und einer Zeit der Zurückhaltung, mithilfe der Unterstützung durch seine Frau und Verwandte begann Mohammed um 613 mit dem öffentlichen Auftreten als Prophet in Mekka. Seine Reden verstand er als göttliche Offenbarungen. In ihnen verkündete er die Botschaft von einem gütigen Schöpfergott und dessen Gericht am Jüngsten Tag, wahrscheinlich mit starken Endzeiterwartungen, die zur religiös-moralischen Umkehr der Angesprochenen führen sollten. Dabei wurden in besonderer Weise Themen aus dem biblischen Erbe von Juden und Christen reflektiert. Rituelle Reinigung und Gebete prägten die Rituale. Die frühe Anhängerschaft umfasste jüngere und gleichaltrige Angehörige verschiedener mekkanischer Sippen, die keine führende Rolle in Mekka spielten, sowie sozial Abhängige. Das Wachsen der Gemeinde um Mohammed und die Kritik am Gebaren der herrschenden Kräfte in Mekka führten zu Bedrängungen seiner Anhänger und zur erzwungenen Auswanderung vieler von ihnen um 615 nach Äthiopien. Mohammed überstand zwar einen Boykott seiner Sippe, verlor aber zunehmend an Unterstützung, v.  a. durch den Tod seines Onkels Abu Talib und seiner Frau Chadidja 619.

622 wanderte er mit Anhängern nach Jathrib (Medina) aus (Hidjra), wo die »Auswanderer« (arabisch Muhadjirun) des Stammes Koraisch Schutz von den dortigen arabischen Stämmen Aus und Chasradj (den »Helfern« [arabisch Ansar]) erhielten, ohne dass sie anfangs die erhoffte Anerkennung bei den dortigen Bewohnern fanden. Insbesondere die Ablehnung durch die starken jüdischen Stämme zerstörte anfängliche Hoffnungen Mohammeds und führte zur Abgrenzung vom Judentum, u.  a. durch den Wechsel der Gebetsrichtung von Jerusalem nach Mekka und die Einführung des Fastens im ganzen Monat Ramadan, und zur bewussten Orientierung nach Mekka als rituellem und geistlichem Zentrum, wobei v.  a. die Persönlichkeit des biblischen Abraham (arabisch Ibrahim) als des ersten Monotheisten, Wiedererbauers der Kaaba und Begründers der Wallfahrtsnormen wichtig wurde. Hauptgegner Mohammeds blieben die Mekkaner mit ihren Verbündeten. Die Auseinandersetzungen mit ihnen fanden mit kriegerischen wie diplomatischen Mitteln statt und wurden religiös motiviert, z.  B. mit dem Konzept des Djihad. Auf den Sieg der Muslime bei Badr 624 folgten ihre Niederlage und der Tod von Mohammeds Onkel Hamsa am Berg Ohod (625), dann aber der unverhoffte Erfolg der Muslime im sogenannten Grabenkampf 627 vor Medina. Diese Taten und die Verdrängung und Beseitigung der jüdischen Stämme stärkten die Gemeinschaft der Muslime, die seit dem Stillhalteabkommen mit den Mekkanern in Hudaibija 628 zunehmend expandierte. Im selben Jahr wurde die reiche Oase Chaibar eingenommen. Ihre jüdischen Bewohner behielten gegen Abgaben ihr Leben, ihr Gut und ihre Religion. Diese Grundregeln im Umgang mit Unterworfenen wurden auch bei weiteren Eroberungen befolgt. 630 zog Mohammed mit den Seinen in Mekka ein und richtete es als einen Kultort ein, der nunmehr allein den Muslimen vorbehalten war. Die Koraisch wurden Muslime, spielten eine wachsende Rolle und drängten die medinensischen »Helfer« zurück. Die westarabischen Stämme wurden unterworfen bzw. erkannten Mohammed als ihr Oberhaupt an. Die neue Macht richtete sich v.  a. nach Norden gegen byzantinisches Gebiet, in das die Muslime bereits 629 ohne Erfolg eingefallen waren. Damit war die hauptsächliche künftige Expansionsrichtung vorgegeben. Seit 622 leitete Mohammed ein wachsendes Gemeinwesen und verband diese praktischen politischen Aufgaben mit seinem Prophetentum. Im Allgemeinen stützte er sich auf arabisches Gewohnheitsrecht; Normen des Zusammenlebens in der Familie oder des Erbrechts wurden jedoch modifiziert. Die Beziehungen zwischen den einzelnen Gruppen in Medina wurden durch Abmachungen geregelt, die in den Dokumenten der sogenannten Gemeindeordnung enthalten sind. Staatliche Strukturen und Ämter wurden zu Lebzeiten von Mohammed nicht geschaffen. Die gesamte Macht war bei ihm konzentriert, doch suchte er den Rat seiner Umgebung und beauftragte für konkrete Aufgaben befähigte Vertraute. Gleichzeitig stand Mohammed einem großen Haushalt mit mehreren einander gleichberechtigten Frauen und Abhängigen vor. Unter den Ehefrauen genossen die Töchter seiner Freunde Abu Bakr und Omar, Aischa als Jüngste bzw. Hafsa, sowie seine Cousine Sainab bint Djahsch besonderes Ansehen. Im März 632 unternahm Mohammed den Hadjdj nach Mekka und Umgebung und soll dessen Rituale genau festgelegt haben. Im Juni starb er überraschend. Das Eingreifen seiner nächsten Vertrauten Omar und Abu Bakr sicherte die Geschlossenheit seiner Anhängerschaft, auch gegenüber dem Auftreten weiterer Propheten wie Musailima unter den Arabern.

Wirkungsgeschichte

Mohammeds Leben, sein Reden, Handeln und stillschweigendes Zustimmen, wurden zur Norm (Sunna) für die Muslime. Für unterschiedliche politische Strömungen wurde Mohammed zum Nationalhelden, islamischen Sozialisten, Staatsgründer oder bedeutenden Feldherrn. Im 20. Jahrhundert wurde sein Lebenswerk als sozial-religiöse Utopie dargestellt. In den bereits kurz nach seinem Tod aufkommenden Legenden erscheint Mohammed auch als Wundertäter, obwohl er sich selbst nur als Diener Gottes gesehen hat. Die Reinigung seines Herzens durch Engel als Initiation zum Prophetentum oder die Himmelsreise von Mekka über Jerusalem (Himmelsreise Mohammeds) gehören als feste Bestandteile zu seiner Lebensbeschreibung im Islam. Die Darstellung von Mohammed folgt der traditionellen islamischen Erzählung vom Leben Mohammeds, die mangels anderer Zeugnisse die Grundlage historischer Studien bildet, aber frühzeitig historische Fakten mit Legenden verbindet.

Literarische Behandlung

In der europäischen Literatur früherer Epochen erscheint Mohammed als Betrüger (»Roman de Mahomet«, um 1258) und Antichrist, so z.  B. bei Dante Alighieri. Auch in Voltaires Drama »Le fanatisme, ou Mahomet le prophète« (1742) trägt Mohammed negative Züge. Erst Goethes Gedicht »Mahomets Gesang« zeichnet ihn als großen Religionsstifter, wie er später auch in dem gleichnamigen Roman von Klabund (1917) oder dem historischen Roman von J.  Tralow (1967) zu finden ist. Der Roman »The Satanic Verses« von S.  Rushdie (1988), der wegen seiner Verletzung religiöser Tabus weltweite Kontroversen hervorgerufen hat, greift das Betrugsmotiv wieder auf.

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