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Die mentale Ergonomie ist ein Teilgebiet der Ergonomie (von altgriech. ἔργον ergon, „Arbeit“, „Werk“ und νόμος nomos, „Regel“, „Gesetz“) aus der Arbeitswissenschaft, die sich mit der Anpassung der Arbeitsbedingungen an den Menschen befasst. Sie besitzt vielfältige Schnittstellen zu den Humanwissenschaften sowie zum Design. Während es bei der physischen Ergonomie hauptsächlich darum geht, Arbeitsräume und Produkte durch materielle Anpassungen handhabbarer, komfortabler und effizienter zu gestalten, greift die mentale Ergonomie hierfür auf Erkenntnisse aus der Psychologie und Kognitionswissenschaft zurück.

Grundlagen

Der Bereich der mentalen Ergonomie ist bislang weit weniger erforscht als die physische Ergonomie. Erstmals thematisiert wird sie 2014 vom Produktdesigner Arman Emami.[1] Die mentale Ergonomie arbeitet interdisziplinär und nutzt Erkenntnisse aus der Wahrnehmungs- und Kognitionspsychologie, zum Beispiel darüber, wie das menschliche Gehirn Informationen verarbeitet. Oft besteht ein erheblicher Unterschied zwischen dem, was die Sinnesorgane eines Menschen erfassen, und dem was er anschließend tatsächlich wahrnimmt. – Etwa, wenn beim Betrachten eines Laubbaumes tausende Blätter auf die Netzhaut des Auges projiziert werden, der Mensch diese jedoch nicht einzeln, sondern den Baum als Ganzes wahrnimmt. Die mentale Ergonomie kann hier besonders von den Ergebnissen der Gehirnforschung profitieren. Heutzutage findet die mentale Ergonomie unter anderem im Interfacedesign Anwendung und nimmt speziell im Bereich Produktdesign stark an Bedeutung zu.

Anwendungsbeispiele

Zahlen und Mengen können nicht nur als Schriftzeichen sondern z. B. auch in Form von Balken dargestellt werden. Wie Studien gezeigt haben,[2] lassen sich kleinere Mengen bis 4 oder 5 grafisch gut darstellen und fehlerfrei 'ablesen'. Bei größeren Mengen wird es jedoch schwieriger für den Betrachter und es häufen sich Ablesefehler. Dabei steigt die Fehlerquote proportional zur Menge der visualisierten Zahlen. Unterteilt man die Mengen allerdings in kleinere Gruppen, gewinnt die Darstellung wieder an Übersichtlichkeit und ermöglicht ein ein schnelleres und fehlerfreies Ablesen. Dieses einfache Prinzip macht sich beispielsweise die Uhr NEOLOG zunutze,[3] welche die Zeit (in der 2-mal-12-Stunden-Zählung) grafisch visualisiert und dadurch ein plastisches Gefühl für Zeit vermittelt: Trotz minutengenauer Darstellung wirkt der angezeigte Moment gegenständlich. Die Uhrzeit ist in Stunden, Zehner- und Einerminuten unterteilt. Eine Anordnung der Balken in Dreiergruppen gewährleistet ein schnelles Ablesen der Zeit.

Nicht jede Gestaltungslösung der mentalen Ergonomie ist universell. So spielen auch kulturelle Hintergründe eine Rolle. Beispielsweise muss bei der Gestaltung eines Esstisches für den asiatisch-orientalischen Markt beachtet werden, dass in diesem geografischen Raum beim Essen bevorzugt auf dem Boden gesessen wird. Die Berücksichtigung individueller Erfahrungen und persönlicher Vorlieben gestaltet sich hingegen schwieriger: Neben üblichen Einstellungsmöglichkeiten hilft in diesem Fall die nachträgliche, flexible Anpassung. Dazu bedarf es der Mess- und Regelungstechnik, die das individuelle Verhalten erfasst und das System entsprechend adaptiert. Ein gutes Beispiel hierfür sind Musik-Apps, die im Laufe der Zeit Musikgeschmack und Gewohnheiten des Nutzers erlernen und dadurch individuelle Playlisten erstellen und neue oder ähnliche Musikstücke vorschlagen können.

Literatur

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Arman Emami: 360° Industrial Design. Grundlagen der analytischen Produktgestaltung. Sulgen 2014, S. 39 ff.
  2. Arman Emami: 360° Industrial Design. Grundlagen der analytischen Produktgestaltung. Sulgen 2014, S. 40.
  3. http://www.neolog.eu/
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