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Lotte Köhler (* 1925 in Darmstadt) ist ein Unternehmerin, Psychoanalytikerin und Mäzenin.

Leben

Köhler wurde 1925 als Tochter des Unternehmers Wilhelm Köhler und seiner Frau Irma geboren. Nach dem Abitur am Ludwig-Georgs-Gymnasium in Darmstadt studierte sie 1943 bis 1949 Medizin und später Chemie in Frankfurt/M. und Heidelberg. Mit 26 Jahren wurde sie Generalbevollmächtigte der Gesellschafterversammlung der Firma Goebel AG, der Firma ihres Vaters. Nach zwei gescheiterten Ehen zog sie 1957 nach München in eine "Arme-Leute-Wohnung". Bei Paul Matussek arbeitete sie ab 1957 in der psychiatrischen Abteilung des Münchner MPI. 1960 lernte sie Hans Kilian kennen, dem sie bis zu seinem Tod verbunden blieb.

Nach dem Tod ihres Vaters Wilhelm Köhler im Januar 1962, übernimmt sie die Leitung der Firma Goebel AG in Darmstadt, die sie bis 1986 inne hat. Das Leben für die Fabrik hat sie später als "Fron" bezeichnet. Gleichzeitig beginnt sie 1962 eine psychoanalytische Ausbildung und wird Anhänger der sog. Selbstpsychologie nach Heinz Kohut. Die Zeit kann als "Spagat zwischen Fabrik und Psychologie" bezeichnet werden. Von 1962-1969 ist sie Mitarbeiterin am Institut für psychologische Forschung und Psychotherapie in München von Fritz Riemann (Psychoanalytiker). Nach einer Affäre über die Vertuschung der Mittäterschaft im NS-Regime von Toni Schelkopf verlässt Lotte Köhler das Institut und übersiedelt nach Zürich. Dort erweitert sie ihre psychoanalytischen Kenntnisse. 1974 wurde sie in die Schweizerische Gesellschaft für Psychoanalyse aufgenommen.

Köhler wurde wissenschaftlich insbesondere durch die Erforschung des Gedächtnisses von Kleinkindern und durch Arbeiten über die Bindungstheorie bekannt.

1986 beendete sie ihre leitende Tätigkeit in der Gesellschafterversammlung und im Aufsichtsrat der Firma Goebel GmbH und verkaufte ihre Anteile.

Lotte-Köhler-Stiftung

1986 gründete sie die Lotte-Köhler-Stiftung. Diese ist dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft angeschlossen. Das Grundkapital der Stiftung bestand aus 50 % des Anteilbesitzes der Firma Goebel AG und wird mit 3,5 Mio. € angegeben. Die Stiftung fördert "die Wissenschaft vom Menschen". Seit 2011 wird alle zwei Jahre ein "Hans-Killian-Preis" im Wert von 80.000 € ausgelobt.

Seit 2011 fördert die Stiftung auch einen "Lotte-Köhler-Studienpreis" an der TU Darmstadt, der jährlich zwei hervorragende Abschlussarbeiten im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften auszeichnet.

Ehrungen

  • Ehrenmitgliedschaft im Sigmund-Freud-Institut

Werke

  • Über einige Aspekte der Behandlung narzißtischer Persönlichkeitsstörungen im Lichte der historischen Entwicklung psychoanalytischer Theoriebildung. Psyche 32, 1978, 1001-1058
  • Die amerikanische Psychoanalyse zwischen Ichpsychologie und Selbstpsychologie. Psyche 36, 1982, 344-354
  • Neuere Ergebnisse der Kleinkindforschung. Ihre Bedeutung für die Psychoanalyse Erwachsener. Forum der Psychoanalyse 6, 1991, 32-51
  • Formen und Folgen früher Bindungserfahrungen. Forum Psychoanal 8, 1992, 263-280
  • Selbstpsychologie. In W. Mertens (Hg.): Schlüsselbegriffe der Psychoanalyse. Stuttgart 1993, 115-120
  • Anwendung der Bindungstheorie in der psychoanalytischen Praxis. Einschränkende Vorbehalte, Nutzen, Fallbeispiele. Psyche 52, 1998, 369-397
  • Das Selbst im Säuglings- und Kleinkindalter. In P. Hartmann und W. Milch (Hg.): Das Selbst im Lebenszyklus. Frankfurt/M. 1998
  • Einführung in die Entstehung des Gedächtnisses. In M. Koukkou-Lehmann et al. (Hg.): Erinnerte Wirklichkeiten. Psychoanalyse und Neurowissenschaft im Dialog. Stuttgart 1998
  • Was erwartet die Psychoanalyse von der Bindungstheorie? In B. Strauß et al. (Hg.): Klinische Bindungsforschung. Theorien, Methoden, Ergebnisse. Stuttgart 2002, 3-8
  • Entstehung von Beziehungen: Bindungstheorie. In T. von Uexküll et al. (Hg.): Psychosomatische Medizin. München 2002 (6), 233-244
  • Frühe Störungen aus der Sicht zunehmender Mentalisierung. Forum Psychoanal 20, 2004, 158-174
  • Zur Entstehung des autobiographischen Selbst und des autobiogaphischen Gedächtnisses. Implizite und explizite Aspekte. Selbstpsychologie 7, 2006. 96-114
  • Psychonalyse und menschliche Entwicklung. In M. Ermann (Hg.): Was Freud noch nicht wusste. Neues über die Psychoanalyse. Frankfurt/M. 2006, 39-52
  • (et al.) Kulturelle Evolution und Bewusstseinswandel. Hans Kilians historische Psychologie und integrative Anthropologie. Gießen 2011
  • Gesicht einer Stiftung, 12 Jahre Köhler-Stiftung 1989-2000, München 2000.

Weblinks

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