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Localshoring ist das Verlagern von Arbeitsprozessen und Dienstleistungen zu inländischen Partnern, mit einem Wort: Inlandsverlagerung – ein Synonym zu Onshoring. Das Antonym bildet der Begriff Offshoring, die Verlagerung ins Ausland. Bei Offshoring wird wiederum zwischen der Verlagerung ins nahe Ausland (Nearshoring) und der Verlagerung ins ferne Ausland (Farshoring) unterschieden.

Vorteile

Der größte Vorteil der Inlandsverlagerung ist die geografische, kulturelle und sprachliche Nähe zwischen dem Auftraggeber und -nehmer. Durch die geringen Entfernungen und kurzen Kommunikationswege entstehen erheblich tiefere Reise- und Kommunikationskosten. So wird bei Localshoring schnell eine Kostensenkung erreicht. Vor allem bei kommunikationsintensiven Prozessen mit mehreren zeitkritischen Unternehmensschnittstellen ist eine Inlandsverlagerung durchaus sinnvoll.[1]

Kosten

Kleinere und mittlere Prozesse mit tiefem Ressourcenbedarf realisieren Kostensenkungen beim Localshoring besonders nachhaltig, da im Inland, bspw. der Schweiz, nicht so viele Ressourcen wie bspw. in Indien vorhanden sind und die Personalkosten bei kleineren und mittleren Prozessen oder Projekten im Inland überschaubar bleiben. Daher ist das Localshoring-Modell besonders für KMUs geeignet, da diese oft nicht sehr große Projekte umsetzen. Viele Firmen erhoffen sich jedoch, durch eine Verlagerung ins Ausland Geld zu sparen. In einigen Fällen klappt dies auch – in 53 Prozent aller Fälle bleibt das Vorhaben jedoch ein Wunschdenken. Ein Drittel aller Offshoring-Projekte schlagen gar fehl.[2]

Überprüfung des potentiellen Partners

Ein weiterer Vorteil des Localshorings resultiert aus dem wesentlich geringeren Aufwand für die Prüfung des Partners. Beim Offshoring hingegen müssen die nationalen Rahmenbedingungen, in dem der avisierte Partner beheimatet ist, aufs Genauste geprüft werden. Unverändert bleibt die Notwendigkeit, den künftigen Partner in Punkto fachlicher Kompetenz und finanziellem Status auf Herz und Nieren zu prüfen. Hier die wichtigsten Punkte dazu:

  • Vertraulicher Umgang mit sensiblen Daten
  • Technische Ausstattung
  • Nötige Zertifizierungen (können je Outsourcer verschieden sein)
  • Kredibilität am Markt
  • Qualität des Projektmanagements
  • Referenz-Projekte
  • Anstellungsdauer und Know-how der Mitarbeiter
  • Vorgehensmodell bei Projektabwicklung

Rechtssicherheit

Was dem Auftraggeber bei einer Prozessverlagerung zu einem lokalen Partner als nicht unbeträchtlicher zusätzlicher Vorteil entgegenkommt, ist nicht zuletzt die Rechtssicherheit, weil beide Seiten den identischen juristischen Rahmenbedingungen desselben Rechtssystems unterworfen sind. Vor allem im finanziellen Bereich ist dieser Vorteil von großem Nutzen.[3]

Nachteile

Wo es Vorteile gibt, gibt es meist auch Nachteile. Hier ist bspw. der Kostenfaktor zu nennen: Prozesse im Inland zu verlagern, kostet je nach dem mehr.[4] Die Einzelressourcen im Inland sind zwar oft qualitativ besser als im Ausland, aber auch teurer – so kostet bspw. das Personal oder die Herstellung von Einzelteilen in der Schweiz deutlich mehr als bspw. in Indien. Die Ressourcen sind jedoch nicht nur teuer, sondern auch nur beschränkt vorhanden, da in der Schweiz aufgrund der Größe und des Ressourcenmangels weniger produziert werden kann als in einem größeren Dumpinglohnland wie Indien oder China. So kann während eines Projekts auch keine Ressourcenaufstockung vorgenommen werden. Folglich ist das Localshore-Modell für größere, komplexe Projekte meist ein größerer Kostenpunkt als für kleinere und einfachere Projekte. So wählen größere IT-Konzerne des Öfteren die Offshoring- statt der Localshoring-Methode, um Kosten zu reduzieren.[5]

Zwar schafft der Auftraggeber durch eine Projektumsetzung im Inland Arbeitsplätze und stärkt den lokalen Markt[6], kann jedoch nur auf inländisches Fachwissen zurückgreifen. Einen Profit aus ausländischem Know-how zu schlagen, ist somit unmöglich und die Gefahr, von der schnell wachsenden Konkurrenz überholt zu werden, größer.

Trends

Die Lohnschere wird kleiner

Das Farshoring nach Indien, Sri Lanka, etc. wird in naher Zukunft dem Auslagerungs-Modell des Nearshorings weichen. Doch nicht nur bei den Farshore-, sondern auch bei den Nearshore-Anbietern wird die Lohnschere im Vergleich zur Schweiz, Deutschland oder Österreich kontinuierlich kleiner, da sich in Ländern wie China oder Indien die Löhne alle sieben bis acht Jahre verdoppeln. So wird es früher oder später keine große Rolle mehr spielen, ob man in einem europäischen oder einem asiatischen Land produzieren lässt.[7]

Roboter und Maschinen

Zu diesem Trend gesellt sich eine Entwicklung, die seit Jahrzehnten immer wieder aktuell ist: die Übernahme von Prozessen durch Roboter und Maschinen. Wo Roboter und Maschinen arbeiten, ist einerlei – die Bedeutung der Entscheidung zwischen Local- oder Offshoring wird in Zukunft also abnehmen. Die britische Technologiefirma Blue Prism hat die unerlässliche Technologie von automatisierten Roboter-Prozessen entwickelt und Outsourcing-Anbieter offerieren interessierten Unternehmen heute bereits gemixte Modelle mit Local- und Offshoring und Roboterressourcen. Roboter kosten nicht nur weniger als ihr menschliches Gegenüber: Sie sind auch fähig, 24 Stunden über sieben Tage hinweg zu arbeiten. Es ist also keine Frage, OB sich Produktionsfirmen für den kombinierten Weg von IT und Robotik entscheiden. Die Frage ist: WANN?[8]

Roboter, die sich selbst programmieren

Schon heute werden intelligente Software-Tools entwickelt, die es erlauben, Roboter oder Programme automatisch und interaktiv zu programmieren, bzw. die es den Robotern sogar ermöglichen, sich selbst zu programmieren. Das ermöglicht die kostengünstige Implikation komplexer und individualisierter Anwendungen. Eine Entwicklung, die erst am Anfang steht. Sogenannte „Offlineprogrammiertools“ (OLPs) leisten heute schon wirksame Beiträge zur Reduzierung der Programmierkosten. Fällt jedoch der Zusammenhang zwischen den Bewegungsabläufen eines Roboters und den Ansprüchen an die Qualität des daraus resultierenden Prozessergebnisses komplex aus, ist vorerst weiterhin eine zeitintensive Arbeit direkt am Roboter notwendig.

Welche Möglichkeiten sich da eröffnen, zeigen bereits verfügbare Softwareentwicklungen von CIT auf. Ein spezielles, reaktives Programm programmiert Roboter nach Angaben des Anbieters automatisch bis zu 100-mal schneller als eine konventionelle Programmierung. Das PC-basierte Software-Tool ersetzt dabei das konventionelle, „menschliche“ Programmieren. Mit entsprechenden Auswirkungen auf signifikante Kostenreduzierung für Programmierung und das Setup beim Wechsel von Produkten, dank reduzierter Testläufe und Stillständen, oder durch die Flexibilisierung ganzer Produktionslinien.[9] Auch diese Entwicklung nimmt dem Entscheid über Local- oder Offshoring zunehmend die Bedeutung.

Einzelnachweise

  1. Greenlight Consulting: Outsourcing Service - Ihre Vorteile durch Onshoring. Abgerufen am 20. November 2014.
  2. Koan-Solution GmbH: Services: Managed Offshoring. Abgerufen am 5. Juli 2015
  3. Resourcebridge: Erläuterung zum Thema Onshoring im Personal- & Rechnungswesen. Abgerufen am 7. Juli 2015.
  4. A. Schroth: Die Eigenschaften des Onshorings. Website von Offshorebase. Abgerufen am 4. Juli 2015.
  5. A. Schroth: Vor- und Nachteile des IT-Offshorings. Website von Offshorebase. Abgerufen am 5. Juli 2015.
  6. A. Schroth: Die Eigenschaften des Onshorings. Website von Offshorebase. Abgerufen am 4. Juli 2015.
  7. J. Hackmann: IT-Outsourcing unter Druck. Auf Website von Computerwoche. Abgerufen am 7. Juli 2015.
  8. P. Laudicina, E. Peterson, J. Gott: A Wealth of Choices: From Anywhere on Earth to No Location at All. Von A.T. Kearney. Selbstverlag, Washington 2014.
  9. G. Maas, A. Schaufler, G. Schafellner: MC-Report: Informationen aus dem Mechatronik-Cluster. Abgerufen am 7. Juli 2015.
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