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Der Gewichtsfaktor bezeichnet den Gewichtsunterschied beim Klettern zwischen einem Kletternden und seinem Sichernden während eines Klettervorgangs. Dabei wird der Kletterer vom Sichernden mit einem dynamischen Kletterseil gesichert. Der Gewichtsunterschied wird als Gewichtsfaktor angegeben, der sich aus folgendem Quotienten berechnet:

$ Gewichtsfaktor=\frac{Gewicht Kletterer}{Gewicht Sichernder}. $

Ist der Kletterer schwerer als der Sichernde, beträgt der Gewichtsfaktor > 1. Bei einem schwereren Sichernden berechnet sich der Gewichtsfaktor zu < 1. Der Gewichtsfaktor zwischen Kletterer und Sicherndem sollte beim Vorstieg nicht weniger als 0,9 und nicht mehr als 1,3 betragen. Beim Klettern im Toprope, sollte der Gewichtsfaktor nicht über 1,5 liegen.[1]

Arten der Gewichtsunterschiede und ihre Risiken

Gewicht Kletterer < Gewicht Sichernder

Bei einem geringeren Gewicht des Kletterers gegenüber dem Sichernden (Gewichtsfaktor < 1), kann es zu harten Stürzen führen, bei denen der Kletterer hart an die Wand prallt. Der Kletterer wird während dem Sturz normalerweise nicht schlagartig sondern gedämpft durch die Seildehnung des dynamischen Kletterseils und dem Körpergewicht des Sichernden abgebremst, da dieser nach oben gezogen und die Energie über die Reibung zwischen Seil und Karabinern abgebaut wird. Ist der Sichernde schwerer als der Kletterer, führt es zu einer geringeren Dämpfung der Sturzenergie, da diese fast ausschließlich durch die Seildehnung erfolgt und der Sichernde kaum nach oben gezogen wird. Dadurch fühlt sich der Sturz für den Kletterer hart an. Je kleiner der Gewichtsfaktor ist, desto härter wird der Sturz.

Gewicht Kletterer > Gewicht Sichernder

Ist das Gewicht des Kletterers größer als beim Sichernden (Gewichtsfaktor > 1), entsteht bei einem Sturz ein sehr dynamisches Abbremsverhalten. Die Dämpfung des Sturzes erfolgt über die Seildehnung im dynamischen Kletterseil und dem Körpergewicht des Sichernden, der nach oben gezogen wird. Je größer der Faktor ist, desto stärker und dynamischer wird der Sichernde nach oben gezogen. Das Risikopotential ist den Kletterern meist nicht bewusst. Wenn der Sichernde im Sturzfall bei starkem Zug des Seils an der Wand aufprallt und die Kontrolle verliert, mit der eventuellen Folge das Bremsseil loszulassen, stürzt der Kletternde dadurch ab. Auch beim Ablassen nach einem erfolgreichen Aufstieg hat ein leichterer Sichernder Schwierigkeiten seinen Kletterpartner kontrolliert abzulassen, da er stets einen starken Seilzug erfährt.

Maßnahmen bei bestehendem Gewichtsunterschied im Vorstieg

Bei einem Gewichtsfaktor < 0,9[1][2] ist ein sehr weiches Sicherungsverhalten des Sichernden gefordert, damit der Sturz nicht zu hart für den Kletterer erscheint und sich dieser nicht verletzt. Dabei muss der Sichernde zum richtigen Zeitpunkt während dem Sturz aktiv abspringen bzw. mitgehen, damit er nicht starr wie ein Betonpfeiler stehen bleibt. Diese Methode wird aktives Sichern genannt und kann in Kletterkursen der Alpenvereine erlernt werden. Eine weitere Variante wäre das kontrollierte durchlassen des Seils durch das Sicherungsgerät, was viel Erfahrung benötigt.

Bei einem Gewichtsfaktor > 1,3 empfiehlt der DAV (Deutscher Alpenverein)[1][2] nur von Spezialisten sichern zu lassen. Wie ein Spezialist definiert ist, wird nicht angegeben. Wenn man nicht über langjährige Klettererfahrung verfügt, sollte man bei diesem Gewichtsfaktor nicht miteinander klettern, es sei denn man behilft sich einer der folgenden Methoden um den Gewichtsunterschied zu kompensieren.

Anbinden an einem Zusatzgewicht

Um die entstehende Energie durch den Sturz des Kletternden abzufangen, kann das Gewicht des leichteren Sicherungspartners durch ein Zusatzgewicht, beispielsweise einen Sandsack, erhöht werden. Dazu wird dieser an der Anseilschlaufe am Klettergurt des Sichernden befestigt. Durch diese Methode wird jedoch die Bewegungsfreiheit, die zur dynamischen Sicherung notwendig ist, eingeschränkt. Eine besonders schlechte Kombination ist der Einsatz eines Sandsacks bei Verwendung eines Tubes. Eine leichte Person kann möglicherweise nicht die nötige Haltekraft aufbringen, wenn sie zusätzlich vom Sandsack nach unten gezogen wird.

Einhängen des Seils in die Nachbarroute

Eine weitere Möglichkeit mit Gewichtsunterschied zu sichern ist das zusätzliche Einhängen des Seils in einem Sicherungspunkt der Nachbarroute. Dadurch wird die Reibung durch den zusätzlichen Reibungswinkel der Umlenkung stark erhöht. Durch die in der Umlenkung entstehenden Reibung wird Energie abgebaut, die nicht mehr durch den Sichernden aufgenommen werden muss. Nachteil bei dieser Methode ist, dass dabei zum einen die Nachbarroute belegt wird. Zum anderen hilft die grundsätzlich erhöhte Reibung dem Sichernden zwar einen Sturz des schwereren Kletternden abzufangen, erschwert jedoch dem Kletterer den Nachzug des Seils. Außerdem kann es beim zusätzlichen Einhängen des Seils in der Nachbarroute durch die starke Umlenkung zu einer verstärkten Krangelbildung des Seils kommen. Krangel sind spiralförmige Verdrehungen im Seil. Ein Seil, das stark krangelt, ist unangenehm zu bedienen und beim Abseilen besteht die Gefahr, dass sich die Stränge so umeinander wickeln, dass man es nicht mehr abziehen kann.

Befestigung des Sichernden an einem festen Punkt

Der Sichernde kann sich mit Hilfe einer Bandschlinge oder ähnlichem an einem hinter ihm liegenden Fixpunkt am Boden befestigen. So wird verhindert, dass der Sichernde nach einem, durch den Gewichtsunterschied verstärkten, starken Stoß bis zur ersten Expressset (Zwischensicherung an der Wand) gezogen wird oder sogar die Kontrolle über die Sicherung verliert. In einzelnen Kletterhallen sind dazu Ösen im Boden befestigt, die wiederum Stolperfallen für die Sichernden sind. Beim Klettern am Fels eignet sich dazu ein Baumstamm oder eine Wurzel. Eine dynamische Sicherung durch aktives Sichern, also aktiven Absprung des Sichernden im Sturzfall des Kletternden, verringert den Stoß, der auf den Körper des Kletternden wirkt. Mit einer Befestigung an einem Fixpunkt ist eine dynamische Sicherung eingeschränkt.

Literatur

  • Peter Albert: Richtig Sichern bis zum DAV-Kletterschein. Der Weg zum DAV-Kletterschein. Bruckmann, München 2007, ISBN 978-3-7654-4502-6.
  • Deutscher Alpenverein: Indoor-Klettern. Das offizielle Lehrbuch zum DAV-Kletterschein. München 2014, ISBN 978-3-8354-1291-0.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2  Chris Semmel, Deutscher Alpenverein (DAV) Verband Deutscher Berg- und Skiführer (VDBS) in Zusammenarbeit mit dem Alpenverein Südtirol (AVS) (Hrsg.): Alpinlehrplan - Klettern: Sicherung, Ausrüstung. 2 Auflage. 2, Nr. A, BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München 2011, ISBN 978-3-8354-0255-3, S. 85.
  2. 2,0 2,1  Chris Semmel, Deutscher Alpenverein (Hrsg.): Stürze halten – sicher und sanft. Nr. 3/2012, 2013, S. 74, 75.
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