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Germanen, die, sprachverwandte Völker und Stämme in Nord- und Mitteleuropa, die der indogermanischen Sprachfamilie angehören. Der Name erscheint zuerst bei Poseidonios um 80 v. Chr., später bei Caesar.

Stammesgruppen

Die Entstehung der germanischen Stämme gilt als ein jahrhundertelanger, vielschichtiger Prozess, an dem unterschiedliche eisenzeitliche Bevölkerungsgruppen im Gebiet zwischen norddeutschem Flachland und der Mittelgebirgszone beteiligt waren. Diese standen unter dem Einfluss der keltischen La-Tène-Kultur. Die Archäologie wies für die Jahrhunderte um Christi Geburt mehrere germanische Fundgruppen nach, denen bereits bestimmte, von den Römern erstmals genannte Stämme zugeordnet werden können: Nordseegermanen (Friesen, Chauken, Sachsen), Rhein-Weser-Germanen (u. a. Cherusker, Chatten), Elbgermanen (Langobarden, Semnonen, Markomannen, Quaden, urspr. zum Bund der Sweben zusammengeschlossen), Oder-Warthe-Germanen (Lugier, Wandalen), Weichselgermanen (Rugier, Burgunder, Goten) und Ostseegermanen (kleinere südskandinavische Stämme). Erst im 3. Jahrhundert kam es zum Zusammenschluss der historisch bekannten Großstämme (Alemannen, Franken, Sachsen, Goten). Nach den Berichten antiker Schriftsteller waren die Germanen vorwiegend von hohem Wuchs, hatten rötlich blondes Haar und blaue Augen. Ihre Tracht und Bewaffnung ist auf römischen Kunstwerken (Triumphsäulen, Gemmen, Münzen u. a.) des 1. bis 4. Jahrhunderts n. Chr. dargestellt und durch Grab- und Moorleichenfunde bezeugt.

Geschichte

Vor den aus Nordjütland nach Süden vorstoßenden Kimbern und Teutonen (113 bis 101 v. Chr.) räumten die keltischen Helvetier ihre Sitze in Süddeutschland, das von Sweben besiedelt wurde. Diese überschritten unter Ariovist den Oberrhein, wurden jedoch 58 v.Chr. durch Caesar zurückgedrängt. 12 bis 9 v. Chr. fielen die Römer unter Drusus in das rechtsrheinische Germanien ein. Erst der Sieg des Cheruskers Arminius in der Varusschlacht (Varus) 9 n. Chr. bewirkte die Aufgabe der römischen Expansionspolitik. Auch Böhmen und Mähren wurden von den Germanen bewohnt (u. a. Markomannen unter Marbod). Weitere germanische Stämme siedelten auf dem linken Rheinufer, zunächst noch im Hoheitsbereich der Römer, der durch den Limes (etwa 83 bis 145 angelegt) geschützt wurde. Viele Germanen dienten im römischen Heer. Im 3. Jahrhundert n.Chr. durchbrachen die Alemannen erstmals den Limes. In der Völkerwanderung schufen germanische Stämme, u. a. Ost- und Westgoten, Wandalen, Langobarden und Franken, auf dem Boden des Römischen Reiches neue Staaten, die zur Grundlage der abendländischen Staatenwelt wurden.

Kunst

Abgesehen von Keramik mit oft reichem Dekor sind v. a. Arbeiten aus Bronze, Eisen (Fibeln, Beschläge, Verzierungen an Waffen u. a.) und auch Stein überliefert. Kennzeichnend waren Kerbschnittdekor, Bandgeflecht und besonders die Tierornamentik, die bis um 800 n. Chr. in Mitteleuropa und bis kurz nach 1100 in Skandinavien und auf den Britischen Inseln verbreitet war (3 Tierstile). In der Völkerwanderungszeit Schmuck der Fibeln durch Filigran und Granulation.

Religion

Zeugnisse über Religion und Kulturleben sind spärlich. Als ältester Himmelsgott erscheint Ziu (Týr), der etwa um Christi Geburt von Wodan (Odin), dem Gott der Helden und Erfinder, der Dichtkunst und Runenschrift, verdrängt wurde. Neben ihm stand besonders der Bauerngott Donar (Thor) als Gestalt des Volksglaubens. Diese Gestalten gehörten zur Götterfamilie der Asen. Neben diesen lebten die Vanen (Freyr, Nerthus u. a.) als Vegetationsgottheiten. Beider Gegner waren die Riesen. In heiligen Hainen fanden Gottesdienste statt. Es gab keinen geschlossenen Priesterstand. Das Gemeinschaftsleben war durch die Sippe bestimmt.

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