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In einem ganzheitlichen Fremdsprachenunterricht wirken kognitive und affektive Aspekte zusammen: Intellekt, Gefühl und Sinne ansprechende Erfahrungen, ein Wechsel von Anstrengung und Entspannung sowie befriedigende sprachliche und nicht-sprachliche Interaktionen mit hoher Fehlertoleranz seitens der Lehrenden. Wesentliche Aspekte eines ganzheitlichen Fremdsprachenunterrichts sind also inhaltliches Engagement sowie die Freude an sprachlicher Ästhetik, Rhythmik und Melodie und damit an Bewegung, Reim und Lied. Diese Momente sind insbesondere im Unterricht mit lernschwachen Gruppen von Bedeutung.[1]

Zum Begriff der "Ganzheitlichkeit" im Fremdsprachenunterricht

Ganzheitlicher Fremdsprachenunterricht gründet auf zwei Faktoren:

  • auf einem ganzheitlichen Bild des Menschen, das den Schüler als Einheit aus Körper und Körpererfahrungen, Sinneswahrnehmungen, Gefühlen, Denken und Handeln sieht (vgl. den aus der Pädagogik bekannten Begriffs der Ganzheitlichkeit)
  • sowie auf einem ganzheitlichen Sprachbegriff.

Das heißt: Aus der Fremdsprache werden nicht „kognitive“, „affektive“ und „psychomotorische“ Lernziele und -inhalte herauspräpariert. Sie wird vielmehr in erster Linie, wie die Muttersprache, als ein spontan und unreflektiert, aus dem Sprachgefühl heraus zu gebrauchendes Kommunikationsinstrument angesehen, dessen Ziel in erster Linie im kommunikativen Erfolg (Verstehen und Reagieren, Mitteilen und Bewirken) und der daraus resultierenden Befriedigung liegt. Im Gegensatz dazu gehen in einem nicht-ganzheitlichen, lehrerzentrierten, instruktionistischen Fremdsprachenunterricht viele Facetten sprachlicher Erfahrungen, die der Muttersprachler im „Sprachgefühl“ hat und die für ihn voller Lebensbezüge stecken, wegen ihrer Komplexität und Fuzziness aber auch nicht systematisch erfasst und deshalb auch nicht systematisch gelehrt werden können, verloren. Gerade für den Fremdsprachenlerner, dessen Lernwelt ja von vornherein schon extrem reduziert ist, wird durch eine solche „glatte“, „kanalisierte“ Vermittlung ein nicht nur für die Motivation, sondern auch für erfolgreiches Lernen zentraler Bereich verbaut.[2]

Nur unter dieser ganzheitlichen Perspektive kann die Fremdsprache aus ihrer traditionellen Rolle als statisches, den Schülern gegenüberstehendes Lernobjekt heraustreten und - in der Terminologie der Themenzentrierten Interaktion - zum „Ich“ des Schülers, dem „Wir“ der Gruppe sowie dem gemeinsamen lebensweltlichen „Umfeld“ in eine funktionale Beziehung gesetzt werden.[3]

Ganzheitliche Unterrichtsaktivitäten

Ganzheitlich orientierte Methodenkonzepte

Literatur

  • Gerhard Bach, Johannes-Peter Timm: Englischunterricht. Grundlagen und Methoden einer handlungsorientierten Unterrichtspraxis. 5., aktualisierte Auflage. A. Francke, Tübingen und Basel 2013 (UTB Anglistik 1540), ISBN 978-3-8252-4037-0.
  • Hans-Jörg Betz: Spielerisch agieren, imaginieren und kommunizieren. Ein Weg zu mehr Ganzheitlichkeit im Englischunterricht. In: Johannes-Peter Timm (Hrsg.): Ganzheitlicher Fremdsprachenunterricht. Deutscher Studien-Verlag, Weinheim 1995, ISBN 3-89271-535-1, (Kontakt 19), S. 78–104.
  • Renate Löffler: Ganzheitliches Lernen. Grundlagen und Arbeitsformen. In: Gerhard Bach, Johannes-Peter Timm (Hrsg.): Englischunterricht. Grundlagen und Methoden einer handlungsorientierten Unterrichtspraxis. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. A. Francke, Tübingen u. a. 1996, ISBN 3-7720-1756-8, (UTB Anglistik 1540), S. 42–68.
  • Renate Löffler, Klaus Schweitzer: Brainlinks. Bausteine für einen ganzheitlichen Englischunterricht. Beltz, Weinheim u. a. 1988, ISBN 3-407-62103-5.
  • Johannes-Peter Timm (Hrsg.): Ganzheitlicher Fremdsprachenunterricht. Deutscher Studien Verlag, Weinheim 1995, ISBN 3-89271-535-1, (Kontakt 19).

Quellen

  1. Vgl. ausführlicher: Renate Löffler: „Ganzheitliches Lernen ...", 1996, 42-68.
  2. Vgl. Gerhard Bach & Johannes-Peter Timm: „Handlungsorientierung als Ziel und als Methode", in: Bach & Timm 2013, 15-17.
  3. Vgl. Renate Löffler: „Ganzheitliches Lernen ...", 1996, 47.
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