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Franz Joseph Oskar Ernst Patrick Friedrich Leopold Prinz von Preußen, zur Unterscheidung von seinem gleichnamigen Vater Prinz Friedrich Leopold (Sohn); (* 27. August 1895 in Berlin; † 27. November 1959 in Lugano) war ein königlich preußischer Prinz und Maler und Häftling im KZ Dachau.

Abstammung

Friedrich Leopold war der Sohn von Prinz Friedrich Leopold von Preußen (1865–1931) und Prinzessin Louise Sophie von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg (1866–1952), Tochter des Herzogs Friedrich VIII. von Schleswig-Holstein (1829–1880) und Schwester der letzten Deutschen Kaiserin. Er hatte drei ältere Geschwister: Viktoria Margarete (1890–1923), Friedrich Sigismund (1891–1927) und Friedrich Karl (1893–1917). Damit stammte er aus einer auf den Prinzen Carl von Preußen (1801–1883) zurückgehenden Seitenlinie des preußischen Königshauses, das seit 1871 auch das deutsche Kaiserhaus war.

Leben

Friedrich Leopold wurde in den ersten Schuljahren von Tutoren ausgebildet. Zu seinem 10. Geburtstag 1905 erhielt er, wie alle Prinzen des Königlichen Hauses, den Schwarzen Adlerorden.

Ab 1912 interessierte er sich für Malerei. Er nahm bei Karl Hagemeister (1848–1933) Unterricht in Zeichnen und Malen nach der Natur. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges begann er seinen Wehrdienst, der aufgrund schlechter Gesundheit schnell beendet wurde. Er studierte ab 1915 Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in München.[1] In einer gemieteten Wohnung sammelte er Kunst. Wegen der von ihm gemachten Anschaffungen und der damit verbundenen Schulden betrieb das Ministerium des königlichen Hauses unter August zu Eulenburg ab 1917 ein Entmündigungsvefahren. Friedrich Leopold klagte gegen die 1917 erfolgte Entmündigung. Er begründete die Klage damit, dass die von ihm getätigten Anschaffungen, insbesondere Möbel und Kunstgegenstände, inzwischen im Wert deutlich gestiegen seien und eine Vermögensverschwendung deshalb nicht vorliege. Zudem sei das Verfahren juristisch nicht zulässig gewesen, da für bürgerliche Rechtsstreitigkeiten gegen Mitglieder des preußischen Königshauses der Geheime Justizrat zuständig sei. Durch kaiserliche Order sei jedoch verfügt worden, dass nur ein einzelnes Mitglied des Geheimen Justizrates den Fall zu entscheiden habe und eine sonst vorgehene Berufung beim Reichsgericht nicht zulässig sei. Insofern wäre in dem Prozess zu klären gewesen, wie weit der Umfang der kaiserlichen Hausgewalt reicht.[2]

Das Verfahren vor dem für das Königliche Haus zuständigen Geheimen Justizrat, einer Sonderabteilung des Berliner Kammergerichts fand öffentliche Aufmerksamkeit.[3] Am 12. August 1918 wurde der die Entmündigung wegen Verschwendung aussprechende Beschluss des Kammergerichtsrats Schröder als bestelltem Richter vom 21. Juli 1917 im Einverständnis mit dem Ministerium des königlichen Hauses wieder aufgehoben.[4]

In der Zwischenkriegszeit beschäftigte er sich weiter mit dem Sammeln und betätigte sich als Kunsthändler. Gemeinsam mit »Baron Cerrini« alias Friedrich Münchgesang (1895–1985) betrieb er einen regelrechten Handel mit Kunstgegenständen und Autographen aus der Sammlung seines Urgroßvaters Carl von Preußen.[5] Er hatte ein Wohnrecht auf Schloss Glienicke und vermutlich Eigentumsrecht am beweglichen Inventar. Mit Friedrich Baron Cerrini de Montevarchi lebte er im Kavalierflügel der Schlossanlage, bis sie nach dem Verkauf des Schlosses 1939 auf das Gut Imlau bei Werfen im Salzburger Land zogen.

KZ-Häftling 1944–1945

Im Zweiten Weltkrieg war er ein Gefangener des Konzentrationslagers Dachau. Er wurde am 25. Mai 1944 in Bad Gastein wegen des Hörens von Feindsendern verhaftet und kam am 11. September 1944 als Untersuchungshäftling nach Dachau.[6]

1945 gehörte er zu einer Gruppe von Prominenten und Sippenhäftlingen aus Dachau, die von der SS nach Südtirol transportiert wurden und dort zunächst von deutschen – unter der Führung von Hauptmann Wichard von Alvensleben –, dann von amerikanischen Soldaten befreit wurden (siehe Befreiung der SS-Geiseln in Südtirol). Bis zum 19. Juni 1945 musste er amerikanischen Dienststellen noch in Italien zur Verfügung stehen, bevor er nach einem Hungerstreik nach Imlau zurückkehren konnte.

Auszeichnungen

Literatur

  • Karl Friedrichs: Der Entmündigungsstreit im Königlichen Hause, in: Deutsche Juristen-Zeitung 22 (1917), Sp. 988–991 (Digitalisat, Digitalisat (Schluss)
  • Andreas Pretzel, Volker Weiß: Ohnmacht und Aufbegehren: Homosexuelle Männer in der frühen Bundesrepublik, Männerschwarm Verlag; Auflage: 1 (Oktober 2010), S. 49–50.
  • Peter Koblank: Die Befreiung der Sonder- und Sippenhäftlinge in Südtirol, Online-Edition Mythos Elser 2006.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Eintrag in der Matrikel der Akademie
  2. Frankfurter Zeitung vom 2. Oktober 1917, siehe dfg-viewer.de, abgerufen am 2. September 2016
  3. Zeitungsartikel
  4. Deutscher Geschichtskalender 1918, S. 235
  5. www.luise-berlin.de: Ein Geschenk für Minutoli? Abgerufen am 2. September 2016.
  6. So nach Volker Koop: In Hitlers Hand. Sonder- und Ehrenhäftlinge der SS. Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2010, ISBN 978-3-412-20580-5, S. 63. Nach anderen Angaben wurde er wegen Vergehen gegen § 175 in das Lager eingeliefert.
  7. Militär-Wochenblatt 90 (1905), S. 2491.


Fairytale kdmconfig Profil: Preußen, Friedrich Leopold von
Namen Preußen, Franz Joseph Oskar Ernst Patrick Friedrich Leopold von
Beruf deutscher Adeliger und Maler
Persönliche Daten
Geburtsdatum 27. August 1895
Geburtsort Berlin
Sterbedatum 27. November 1959
Sterbeort Lugano
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