FANDOM


Gustav Franz Reckert (* 27. Mai 1914 in Kassel; † 13. Januar 2004 in Hamburg) war ein deutscher Maler, Grafiker und Bildhauer.

Leben und Werk

Franz Reckert wurde als zweiter von drei Söhnen des Mitarbeiters der Henschel-Lokomotiv-Werke, Andreas und seiner Ehefrau Elisabeth in Kassel geboren. Schon früh zeigte sich seine künstlerische Begabung und seine Eltern richteten ihm bereits während der Schulzeit in ihrer Wohnung einen Raum ein, wo er malen und zeichnen konnte. Nach Beendigung der Schule absolvierte er eine Ausbildung als Lithograph und Grafiker und besuchte gleichzeitig die staatliche Kunstgewerbeschule in Kassel.

1935 fuhr Reckert nach Hamburg, um die Forschungsreise des Norwegers Bengt Berg als Fotograf zu begleiten, was die politischen Verhältnisse verhinderten. Stattdessen unternahm er eine Radtour durch Schweden, um sich den Nationalsozialisten zu entziehen, kehrte aber nach Deutschland zurück, da man Repressalien gegen die Familie androhte. Von 1937 bis 1938 absolvierte er den geforderten Wehrdienst.

Danach richtete Reckert sich eine Atelierwohnung am Graumannsweg in Hamburg ein, arbeitete als Gebrauchsgrafiker und malte nebenbei. Er fuhr nach München, um sich die Ausstellung „Entartete Kunst“ der Nazis anzuschauen, und war so beeindruckt, dass er sich nun mehr der Malerei widmen wollte. Im selben Jahr erhielt Franz Reckert ein Stipendium für ein Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin bei den Professoren Fritz Burmann, Peter Fischer und Kurt Wehlte. Er lernte dort u. a. die Malerstudenten Manfred Kandt (Ehemann von Susanne Kandt-Horn) und Bernard Schultze kennen und es entstanden lebenslange Freundschaften.

1940 wurde Reckert zum Kriegsdienst einberufen. Eine Verwundung im dritten Kriegsjahr ermöglichte ihm eine Fortsetzung seines Studiums an der Hochschule in Berlin. Einigermaßen wiederhergestellt, musste er zurück zum Kriegsdienst. Als Grafiker und angehender Maler wurde er als Kartograph eingesetzt, wobei er den späteren Kartographen Gerhard Falk (Falk Pläne) kennen lernte. Die Freundschaft hielt über den Krieg hinaus. In den Bombennächten in Hamburg 1943 wurde auch Reckerts Atelier-Wohnung und ein großer Teil seines künstlerischen Frühwerks zerstört.

Nach seiner Entlassung und Rückkehr nach Deutschland im Jahre 1946 richtete sich Franz Reckert vorerst ein Atelier in Römhild/Thüringen ein und machte Ausstellungen in Berlin, Erfurt und Eisenach. Im April 1948 erhält er für sein Gemälde Wartende Frauen den 1. Preis in der 3. Kunstausstellung Hildburghausen. 1949 beteiligte er sich an der Ausstellung zum Goethejahr im Weimarer Schlossmuseum, woraufhin er das Prädikat „besonders wertvoller Kunstschaffender“ verliehen bekam. 1950 verließ er aus politischen und persönlichen Gründen die DDR.

Reckert kam erneut nach Hamburg. Zunächst obdachlos, überließ ihm der Malerkollege und Freund Eduard Bargheer seine Wohnung und Atelier in Hamburg-Blankenese, während er selbst sich auf Ischia in Italien aufhielt. Danach fand Franz Reckert Wohnung und Atelier in der Hansastraße und wurde Mitglied des Hamburger Berufsverbandes Bildender Künstler, an dessen jährlichen Ausstellungen er sich beteiligte.

Ab 1952 unternahm Reckert ausgedehnte Studienreisen nach Spanien, ins Tessin und Österreich. Es folgten weitere Ausstellungen u. a. in Chicago, Locarno und Ibiza. Ab 1964 beteiligte er sich regelmäßig an der Großen Deutschen Kunstausstellung in München und wurde Mitglied der Neuen Münchner Künstlergenossenschaft.

Im Jahre 1953 wurde Franz Reckert zum Mitbegründer des legendären Witthüs auf der Insel Sylt. Das Witthüs entwickelte sich bald zum Treffpunkt von Freigeistern, Künstlern und Anthroposophen. Dabei waren u. a. auch Rudi Dutschke, Joseph Beuys, Claus Peymann und Helmut Griem. Reckert, der sich im Witthüs ein Atelier einrichtete, interessierte sich jedoch vor allem für die künstlerische Auseinandersetzung mit der Landschaft nordischer Küsten, inspiriert durch die Schönheit der ihn umgebenden Natur.

1992 erhielt er den Arnold-Fiedler-Preis für sein Lebenswerk.

Sein malerisches Werk ist vom Gegenständlichen über reduzierte schwarz-weiß Kompositionen bis hin zur vollständigen Abstraktion geprägt. In seinem späteren Werk arbeitete er teilweise – auf spielerische Weise - wieder gegenständlich, parallel dazu aber auch abstrakt und in sämtlichen Techniken, die er sich im Laufe seines Lebens erarbeitet hatte - von der Druckgrafik bis zum Ölbild, Aquarell, Gouache und der Collage. Sammlungen seiner Werke befinden sich zum Beispiel in der Hamburger Kunsthalle und dem Deutschen Bundestag.

Plastische Werke im öffentlichen Raum und am Bau (Auswahl)

  • Märchenrelief im Treppenhaus über drei Etagen der Gebrüder-Grimm-Schule in Lübeck, 1969
  • Kunststeinrelief in der Halle des Kindertagesheims Großlohering in Hamburg, 1971
  • Reliefwand am Unterbacher Breidenplatz in Düsseldorf, 1971
  • Große Brunnenanlage am AK Altona in Hamburg-Othmarschen, 1972
  • Relief, Aussenfassade des Burkhard-Gymnasiums in Lübeck, 1973
  • Mahnmal Weiße Rose, Freiplastik aus Muschelkalk in Hamburg-Volksdorf, 1977
  • Aluminiumrelief im Postamt Glinde bei Hamburg, 1982
  • Kunststeinrelief, Aussenfassade der Schule Ahrensburg bei Hamburg, 1984
  • Signal, Freiplastik aus Edelstahl, Kfz-Bereichswerkstatt der OPD Hamburg, 1985
  • Backsteinrelief in der Kassenhalle der Sparkasse Husum, 1987
  • Brunnenplastik aus Edelstahl, Fußgängerzone Itzehoe, 1989

Literatur

  • Vorlage:Vollmer
  • Volker Detlef Heydorn: Maler in Hamburg, Band 1 - 4, Hamburg 1974
  • Brunnen- und Wasserspiele, Julius Hoffmann Verlag, Stuttgart 1980
  • Der neue Rump: Lexikon der bildenden Künstler Hamburgs, Wachholtz Verlag, Hamburg 2013
  • Abendpost : das Blatt für Politik, Kultur und Wirtschaft für Mitteldeutschland. Weimar, vom 9. Dezember 1948, mit Fotobildnis

Weblinks

Commons-logo.svg <Lang> Commons: Franz Reckert – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


Fairytale kdmconfig Profil: Reckert, Franz
Beruf deutscher Maler, Grafiker und Bildhauer
Persönliche Daten
Geburtsdatum 27. Mai 1914
Geburtsort Kassel
Sterbedatum 13. Januar 2004
Sterbeort Hamburg
Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA , sofern nicht anders angegeben.