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Deutsche Demokratische Republik, Abk. DDR, ehemaliger Staat in Mitteleuropa, bestand von 1949 bis 1990; 108.333 km² mit (1989) 16,43 Mio. Ew.; entstand mit der Verfassunggebung vom 7. 10. 1949. Berlin (Ost) wurde zur Hptst. erklärt, das sowjet. Besatzungsregime unter Aufrechterhaltung der Vorbehaltsrechte aus dem Viermächtestatus schrittweise abgebaut. Durch die Mitgliedschaft im Warschauer Pakt (seit 1955) und im Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (seit 1950) sowie durch das Truppenstationierungsabkommen mit der UdSSR war die DDR in die »sozialist. Staatengemeinschaft« eingebunden. Die von der Volkskammer im April 1968 gebilligte und im Okt. 1974 revidierte Verf. wies die DDR als »sozialist. Staat« aus, wobei der urspr. Zusatz »dt. Nation« entfiel, bekräftigt wurde die alleinige Führungsrolle der SED; außenpolitisch wurde das Bündnis mit der Sowjetunion »für immer und unwiderruflich« festgeschrieben, der urspr. betonte Wiedervereinigungsauftrag gestrichen. Die Grundrechte standen unter dem Vorbehalt der polit. Zweckmäßigkeit: Sie hatten nicht den Zweck, gegen staatliche Eingriffe zu schützen, gewährten also keinen Grundrechtsschutz (keine Verfassungs- und Verwaltungsgerichtsbarkeit). Als zweckbestimmte Teilhaberechte wurden u. a. die Freiheit der Meinungsäußerung, der Presse, des Rundfunks und des Fernsehens (Art. 27), die Versammlungsfreiheit (Art. 28) und die Vereinigungsfreiheit (Art. 29) verstanden; ein Streikrecht gab es nicht. Die persönl. Freiheitsrechte standen unter dem Vorbehalt gesetzl. Regelungen; Ausreise- und Auswanderungsfreiheit waren nicht vorgesehen. Als schützenswerte Einrichtungen wurden das gegenständlich begrenzte und funktional gebundene »persönl. Eigentum« mit dem Erb-, Urheber- und Erfinderrecht (Art. 11) sowie Ehe und Familie (Art. 38) betrachtet. Der Staatsaufbau folgte dem Grundsatz des demokrat. Zentralismus (Art. 47): Politbüro und Zentralkomitee waren de facto die höchste polit. Instanz der DDR; die Verf. wies die Volkskammer als oberstes Machtorgan aus (500 auf 5 Jahre gewählte Abgeordnete), das alle übrigen Verfassungsorgane wählte (Staatsrat, Nationaler Verteidigungsrat, Ministerrat, Oberstes Gericht, Generalstaatsanwalt). In der Ulbricht-Ära spielte der als kollektives Staatsoberhaupt konzipierte Staatsrat eine wichtige Rolle. Ab den 1970er-Jahren stand der mit Exekutivaufgaben betraute Ministerrat im Vordergrund: Er bildete ein Präsidium unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten.

Parteien, Massenorganisationen: Die Sozialist. Einheitspartei (SED) war bis 1989 die allein bestimmende Kraft. Die anderen Parteien, die Christl. Demokrat. Union (CDU), die Liberaldemokrat. Partei Dtl.s (LDPD), die Demokrat. Bauernpartei Dtl.s (DBD) und die Nationaldemokrat. Partei Dtl.s (NDPD), bildeten den »Demokrat. Block«. Der Zusammenschluss der Parteien und Massenorganisationen (u. a. Freier Dt. Gewerkschaftsbund, Abk. FDGB, Freie Dt. Jugend, Abk. FDJ) in der »Nationalen Front der DDR« war ebenfalls eine Konsequenz des Führungsanspruchs der SED. Im Winter 1989 bildete sich eine Vielzahl polit. Parteien. Der »Demokrat. Block« zerfiel in seine Einzelparteien, daneben entstanden u. a. in Opposition zur SED tretende Parteien wie Demokrat. Aufbruch, Dt. Soziale Union, Bündnis 90, die an der Volkskammerwahl teilnahmen. Sie setzten sich für die Schaffung eines einheitl. dt. Staates ein. Der nach der Wahl vom 18. 3. 1990 zum Min.-Präs. gewählte L.de Maizière vollzog den Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrep. Dtl. (3. 10. 1990; deutsche Geschichte).

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