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Christentum das, Offenbarungsreligion, die in Jesus von Nazareth den Christus (Messias), d. h. den Heilbringer des einen Gottes, sieht. Sie gründet sich auf die Tatsache, dass Jesus gelebt und gewirkt hat und am Kreuz starb, und auf das Glaubenszeugnis der ältesten christlichen Gemeinde, dass er auferstanden ist, lebt und wiederkommen wird zum Endgericht. Der die Gemeinde und Kirche begründende christl. Glaube richtet sich weniger auf das Historische als auf die Bedeutung der Person Jesu, in der Gottes Offenbarung geschichtl. greifbar wurde; sie wird der Heiligen Schrift (↑Bibel) entnommen, in der Christus als die Wende im Ablauf der Weltgesch. dargestellt ist.

Geschichtlich erhebt sich das C. auf dem Boden der jüd. Religion des A. T. als Erfüllung der dort gegebenen Weissagungen und zugleich als Überwindung der an das Volk Israel gebundenen Gesetzlichkeit. Im Ur-C. des 1. Jh. gewinnt es die Gestalt einer alle Volksgrenzen sprengenden Kirche und entfaltet sich zur Weltkirche unter gleichzeitiger Ausgestaltung des Vorrangs (Primat) des Bischofs von Rom als des Nachfolgers des Apostels Petrus (Mt. 16,18). Die Einheit der Kirche zerbrach 1054 durch die Spaltung (Morgenländisches Schisma) in die katholische Kirche und die orth. Kirche (Ostkirchen). Die Einheit der lat. (kath.) Kirche zerfiel mit der Konsolidierung der Reformation, in deren Gefolge eigenständige ev. Kirchen und die anglikan. Kirche entstanden (Protestantismus). Bes. seit dem 18. Jh. bildeten sich zahlreiche Freikirchen und Sondergemeinschaften. Dem Gespräch und der Zusammenarbeit zw. den christl. Kirchen verpflichtet sieht sich die seit dem Ende des 19. Jh. gewachsene, zunächst von ev. und anglikan. Kirchen getragene ökumenische Bewegung. Die Zahl der Christen beträgt weltweit (2001) fast 2 Mrd.: rd. 53% gehören der kath. Kirche an, rd. 20 % prot. Kirchen, rd. 12 % der orth. Kirche und den oriental. Nationalkirchen, rd. 4 % anglikan. Kirchen, die Übrigen verteilen sich auf eine Vielzahl, oft pfingstlich geprägter unabhängiger Kirchen (v. a. in Afrika); rd. 60 % der Christen leben in der Dritten Welt, wo v. a. die Pfingstkirchen den gegenwärtig am stärksten wachsenden Zweig des Christentums bilden.

Kulturgeschichte: Das Christentum wirkte bereits in den ersten 3 Jh., als es sich trotz Christenverfolgungen über das Röm. Reich ausbreitete, mannigfach auf die antike Kultur, in verstärktem Maße, nachdem es durch Konstantin d. Gr. zur Reichsreligion erhoben worden war. Seit dem 4. Jh. wurde es endgültig zur prägenden geistigen Kraft der ausgehenden Antike. Wichtiger noch ist die Wirkung auf die german. Stämme der Völkerwanderungszeit und ihre Staatenbildungen. Das C. trug entscheidend zur abendländ. Kultur bei. Alle mittelalterl. Kunstübung ist am Kirchenbau und in den Klöstern erwachsen. Die Wiss. war in ihrem Kerngehalt Theologie, und das weltl. Einzelwissen war deren Lehrgebäuden eingefügt (Scholastik). Seit Beginn der Neuzeit, bes. seit Humanismus und Renaissance, erwuchs in allen europ. Ländern eine weltl. Geistigkeit; auch die Diesseitskultur der abendländ. Neuzeit ist eine Verbindung antiken und christl. Erbes.

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