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Als blutige Weihnachten 1963 wird eine länger andauernde bürgerkriegsähnliche, von Terror auf beiden Seiten gekennzeichnete Auseinandersetzung zwischen griechischen und türkischen Zyprern bezeichnet.

Überblick

Am 21. und 22. Dezember 1963 wurden 133 türkische Zyprer von griechischen Zyprern getötet.[1] Zwischen Dezember 1963 und dem Ende der Auseinandersetzung im Sommer 1964 verloren mehr als 350 türkische und bis zu 200 griechische Zyprer ihr Leben.

Verlauf

Die ersten beiden Opfer waren zwei türkische Zyprer, Zeki Halil und Cemaliye Emirali. Nachdem sie mit anderen im Auto durch die griechischen Viertel von Nikosia gefahren waren[2] hielt eine Gruppe von bewaffneten griechischen Zivilisten zwei Fahrzeuge unmittelbar bei der Ankunft im türkischen Viertel auf und zwang die insgesamt zehn Menschen auszusteigen. Als die griechisch-zyprische Polizei ankam, traten die griechischen Zivilisten beiseite und die Polizei schoss wahllos in die Menge der türkischen Zyprer.[3]

In der Folge fuhr die türkisch-zypriotische Führung, unterstützt durch die türkische Regierung, einen harten Kurs, was zu einem Eskalationsprozess von Provokationen und Gegenprovokationen führte. Die Extremisten beider Lager heizten den Konflikt weiter an, sodass die Auseinandersetzungen bürgerkriegsartige Ausmaße annahmen. Neben dem als Hardliner geltenden Nikos Sampson und seinen Mitstreitern agierten auf griechischer Seite auch Terrorgruppen, die zum Teil aus der EOKA hervorgegangen waren.

Die blutigen Kämpfe zwischen den verfeindeten Volksgruppen und die Angst vor Übergriffen führten zunächst dazu, dass türkische Zyprer die gemischt besiedelten Orte verließen. Dieser spontane Exodus wurde dann von der türkischen Seite zur Propaganda genutzt, gefördert und instrumentalisiert. Daraufhin blockierte die griechisch-zypriotischen Führung die Zugänge zu türkisch-zypriotischen Enklaven, sodass die Bewohner von der Versorgung mit Wasser, Strom und Lebensmitteln abgeschnitten wurden.

Folgen

Nach den Blutigen Weihnachten dauerte die Gewalt mehrere Jahre an. Insgesamt verloren dabei mehrere Hundert türkische und griechische Zyprer ihr Leben. Rund 20.000 türkische Zyprer sollen ihre Häuser aufgegeben haben.[4] Die Aktionen beider Seiten führten dazu, dass eine Teilung der Insel in Kauf genommen bzw. als Ziel anvisiert wurde, die Teilung der Insel also praktisch eingeleitet wurde. Rauf Denktaş, der 1975 den Türkischen Bundesstaat von Zypern ausrief, begründete seine Weigerung, den Zypernkonflikt durch eine Rückkehr zum status quo ante zu lösen, auch mit der Traumatisierung seiner Landsleute durch die Blutigen Weihnachten von 1963.

Einzelnachweise

  1. British Turks asked to remember victims of Bloody Christmas 1963 - http://northcyprusfreepress.com/2010/12/14/british-turks-asked-to-remember-victims-of-bloody-christmas-1963/
  2. http://www.kibrispostasi.com/print.php?col=97&art=13855
  3. H.S. Gibbons, The genocide files, 1969, pp. 2-5 - http://books.google.com/books?id=Bmi6AAAAIAAJ&redir_esc=y
  4. Pierre Oberling, The road to Bellapais: The Turkish Cypriot exodus to northern Cyprus, 1982, (ISBN 0880330007)
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