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Eine Bürgerjagd bezeichnet einen Bereich, in dem den dort ansässigen Bürgern das Jagdausübungsrecht gewährt wird.

Geschichte/Recht

Die Jagd des Adels erzeugte durch überhöhte Wilddichten Anfang des 16. Jahrhunderts immense Wildschäden, sodass die Bauern Forderungen nach einer Bejagung durch die Bürger stellten, welche aber nicht zugelassen wurde. Dieser Konflikt war ein wesentlicher Auslöser der Bauernkriege[1].

Als politische Auswirkung der Französischen Revolution auf die Revolution von 1848 wurde das Jagdrecht um 1848 vom Adel auf den Landbesitzer übertragen und dem Bürger das Jagen gestattet. Dieser Grundsatz spiegelt sich heute noch im deutschen Recht wider, dem Bundesjagdgesetz: Das Jagdrecht ist an den Grundbesitz gebunden[2]. Allerdings ist zur tatsächlichen Jagdausübung eine arrondierte Fläche von mindestens 75 ha (Bayern: 81,755 ha, Brandenburg 150 ha, Bayern, Hochgebirge 300 ha) erforderlich. Diese Reviere werden als Eigenjagd bezeichnet. Kleinere Flächen der Grundbesitzer einer Gemeinde bilden als Jagdgenossen zusammen einen gemeinschaftlichen Jagdbezirk. Das Jagdausübungsrecht in diesem Bezirk wird in der Regel von der Jagdgenossenschaft an einen Jagdpächter auf eine gesetzlich festgelegte Pachtzeit verpachtet. Die Jagdgenossen haben nach Stimme und Fläche Stimmrecht.

Bürgerjagden

Die Stadt Lübbecke hatte zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert eine Bürgerjagd, die durchgehend im Konflikt mit dem Adel stand, welcher mehrfach versuchte, die bürgerliche Jagd in der Feldmark zu unterbinden, um selbst dieses Privileg nutzen zu können[3].

Seit 2002 existiert im naturnah bewirtschafteten Gemeindewald Hümmel eine Bürgerjagd auf einer Teilfläche von 85 ha[4]. Hier wird das Wild nicht mehr gefüttert/gekirrt, die Trophäenzucht abgeschafft[5] und die Bürger dürfen nach Rücksprache mit dem jagdlichen Koordinator entgeltfrei jagen. Die konventionell übliche Bejagung von Raubwild, sowie Katzen und wildernden Hunden ist hiervon ausgeschlossen.[4]

Einzelnachweise

  1. Christian Ammer, Torsten Vor, Thomas Knoke, Stefan Wagner: Der Wald-Wild-Konflikt. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2010, ISBN 978-3-941875-84-5.
  2. Bundesjagdgesetz § 3
  3. Stadtarchivar Helmut Hüffmann: Streit um die Lübbecker Bürgerjagd
  4. 4,0 4,1 Rolf Zimmermann: Erfassung und Operationalisierung von ökosystemaren Funktionen und Dienstleistungen im Hinblick auf eine nachhaltige Waldnutzung. (Diplomarbeit am Institut für Umweltforschung an der RWTH Aachen)
  5. KStA:Letzte Ruhe unter einer Buche (Artikel vom 18. November 2005)
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