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Der Übergangskreis ist ein von dem deutschen Psychologen Uwe Christian Dech entwickeltes integratives Verfahren zur Körperpsychotherapie.[1]

Geschichte

Das Konzept des „Übergangskreises“ entstand aus einer mehrjährigen Fortbildungstätigkeit von Dech auf dem Feld der Physiotherapie. Als Feldenkrais-Lehrer erkannte Dech mehr und mehr, dass diese pädagogische Methode, um physiotherapeutisch effizient zu sein, unbedingt durch psychologische Momente zu ergänzen ist. Während seiner Ausbildungszeit und in den Jahren der Fortbildung beobachtete er an sich und anderen krisenhafte Phänomene, die – so stellte sich später heraus – als essentielle Moment eines Entwicklungsprozesses zu deuten waren. In seiner Dissertation über „Übergangsphänomene in ausgewählten Methoden der Modernen Körperarbeit“ (1995) beschrieb er diese Erscheinungen in Analogie zu den Fluktuationen, wie sie von der Chaos-Theorie für autopoietische Prozesse postuliert werden. Dechs damalige Forschungsarbeit mündete in einer grundsätzliche Kritik an den bis dahin gemeinhein gepflegten Methoden der Modernen Körperarbeit. Es war unübersehbar, dass die Lehrer und Therapeuten dieser Verfahren bei dem Umgang mit den Klienten kaum auf psychologische Kompetenzen zurückgreifen konnten und daher durchaus gravierende Fehler begingen.

Nach Fertigstellung seiner Dissertation und mit der Konzeptionalisierung seines Übergangskreis-Verfahrens schien es Dech methodologisch nicht mehr günstig zu sein, einzelne Entwicklungserscheinungen seiner Klienten als Übergangsphänomene zu bezeichnen, für andere hingegen auf eine solche Auszeichnung zu verzichten. Demgegenüber schien es ihm stringenter zu sein, jegliches Entwicklungsphänomen, das während des Übergangskreis-Verlaufs zu verzeichnen ist, – ungeachtet des Grades seiner Auffälligkeit – als „Übergangsphänomen“ anzusehen und dementsprechend in die pädagogisch/therapeutische Relfexion einzubinden. Da unter dieser Voraussetzung im strengen Sinne jede Selbstäußerung des Klienten als Übergangsphänomen anzusehen ist, erübrigte sich terminologisch der Begriff zur Kennzeichnung jedes einzelnen Falles.

Zur Begriffswahl von „Übergangskreis“. Dech bezeichnet es als „Sinnbild für eine Entwicklung insofern als der Kreis in sich ein geschlossenes, aber durchaus dynamisches Gebilde ist. Ferner ist [ihm] der Anklang an V. v. Weizsäckers ‚Gestaltkreis’ oder T. v. Uexkülls ‚Situationskreis’ willkommen“ (2001, 11).

Dech erprobte sein Konzept, das als Frucht seiner beruflichen Arbeit entstanden war und sich als einigermaßen transferfähig erwies, insofern seine stufenförmig angelegte Architektur als ein Erklärungsmodell auch für Phänomene außerhalb des therapeutischen Prozesses dient, in der Museumspädagogik (2003, 2004) und abschließend in der Medienwissenschaft (2011).

Theorie

In der Arbeit mit dem Übergangskreis werden Entwicklungsprozesse stufenförmig induziert, d.h., der Klient durchläuft während seiner Behandlung verschiedene Entwicklungsstadien, die vom intentionalen Gehalt her jeweils mit einer von insgesamt 15 Bedeutungsrelationen verknüpft sind. Unter Bedeutungsrelationen werden Modalitäten des In-Verbindung-Seins und des In-Verbindung-Tretens mit der Umwelt verstanden. Jede dieser Bedeutungsrelationen korrespondiert eine Handlungsform welche zu realisieren der Klient der Übergangskreis-Therapie vom Behandler angeleitet wird. Dech gibt diesem Anleiten dazu, den stufenförmigen Weg des Übergangskreises zu durchschreiten den Namen „Zentrierung“. So ergibt sich der Grundsatz der Methodik des Übergangskreises die Formulierung: Die Handlungsformen des Klienten werden vom Therapeuten auf die Realisierung verschiedener Bedeutungsrelationen zentriert.

Der Übergangskreis besteht aus drei Sequenzen: der Vorbereitungssequenz, der Neuorganisationssequenz und der Auswertungssequenz. Mit dieser Terminologie wird der Absicht Rechnung getragen, dass Entwicklungsprozesse als Lernvorgänge, d.h. als pädagogisch konzeptionalisiert zu fassen. Alle Anwendungstypen des Übergangskreises für den therapeutischen Gebrauch und für das Alltagshandeln beruhen auf dieser architektonischen Dreiteilung.

Jede Sequenz ist wiederum unterteilt in fünf Stufen, denen jeweils eine Bedeutungsrelation eindeutig zugeordnet wird. Den Gesamtablauf einer Etappe (eines Durchgangs) des Übergangskreises bilden demnach 15 Stufen, gemäß deren Spezifik die Handlungsformen des Klienten zentriert werden.

Durchführung

Das Bewegungshandeln mit dem Übergangskreis im Handlungsfeld einer Körperpsychotherapie kann in einer Gruppe oder in einer Einzeltherapie durchgeführt werden. Als Zielgruppe kommen vornehmlich Patienten in Frage, bei denen ein „psychosomatisches“ Syndrom vorliegt, Systemerkrankungen mit einhergehenden sensumotorischen Veränderungen und neurologischen Erkrankungen mit taktilen und motorischen Reizverlusten. Darüber hinaus ist der Kreis derjenigen Patienten, die für eine ambulante Übergangskreis-Therapie geeignet sind, weitgehend identisch mit den Zielgruppen aller derzeit angebotenen seriösen Körperpsychotherapien. Von der Schwerpunktsetzung her können gerade jene Menschen von dieser Behandlungsmethodik profitieren, die eine erleichternde Öffnung ihrer Handlungsperspektiven suchen und gleichzeitig eine Strukturierung ihrer Handlungen benötigen. Voraussetzung ist allerdings die Bereitschaft und die Fähigkeit, sich auf das Verfahren der Zentrierungen einzulassen und aktiv mitzuwirken. Nebenwirkungen sind bisher nicht bekannt.

Literatur

  • Dech, Uwe Christian (2001) Der Übergangskreis und seine Stufen. Ein integratives Konzept zur Körper- und Psychotherapie. Afra-Verlag:Butzbach-Griedel,ISBN 3-932079-60-4.
  • Dech, Uwe Christian (2011) Der Weg in den Film. Stufen und Perspektiven der Illusionsbildung, Transcript: Bielefeld, ISBN 978-3-8376-1716-0.
  • Dech, Uwe Christian (2004) Aufmerksames Sehen. Konzept einer Audioführung zu ausgewählten Exponaten. Transcript: Bielefeld, ISBN 3-89942-226-0.
  • Dech, Uwe Christian (2003) Sehenlernen im Museum. Ein Konzept zur Wahrnehmung und Präsentation von Exponaten. Transcript: Bielefeld, ISBN 3-89942-132-9.
  • Dech, Uwe Christian (1995) Übergangsphänomene in ausgewählten Methoden der ‚Modernen Körperarbeit’. S. Roderer Verlag: Regensburg, ISBN 3-89073-846-X.

Einzelnachweise

  1. FIS Bildung Literaturdatenbank abg. am 5. September 2014
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